Weitere Artikel
Kultur und Globalisierung

Prof. Klaus-Dieter Lehmann: "Kultur wird immer eigenständig sein"

Prof. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts und Kuratoriumsmitglied der Bertelsmann Stiftung, über das Verhältnis von Kultur und Globalisierung

Inder pauken Deutsch. Afrikanische Einflüsse erobern europäische Bühnen. Und deutsche Komponisten bringen eine "Amazonas Oper" nach Brasilien. Globalisierung kann so spannend sein. Als eines der größten Kultur-Netzwerke der Welt ist das Goethe-Institut mit 136 Instituten und zehn Verbindungsbüros in 91 Ländern vertreten und trägt deutsche Kultur in die Welt. Wir sprachen mit Prof. Klaus-Dieter Lehmann, dem Präsidenten des Goethe-Instituts, über das Verhältnis von Kultur und Globalisierung.

Was genau machen Ihre Mitarbeiter vor Ort?

Prof. Klaus-Dieter Lehmann: Sie fördern die deutsche Sprache im Ausland, vermitteln die deutsche Kultur und setzen sich für internationale Zusammenarbeit ein. Mit diesen drei Hauptthemen machen wir das Deutschlandbild in der Welt verfügbar. Die reale Arbeit ist aber weit weniger abstrakt, denn sie stellt die Menschen in den Mittelpunkt - ihre Erwartungen, ihre Probleme, ihre Potenziale. Deshalb müssen Goethe-Mitarbeiter über interkulturelle und menschliche Kompetenz verfügen. Neben Deutschkursen gibt es Seminare, Diskussionsreihen und Kulturdialoge.

Wie hat die Globalisierung das Angebot verändert?

Prof. Klaus-Dieter Lehmann: Indem wir uns selbst verändert haben. Die entscheidenden Impulse kommen jetzt aus der Peripherie und nicht aus der Zentrale, denn wir leben ja von der Kulturbegegnung, nicht vom Kulturexport.

Was ist der Unterschied?

Prof. Klaus-Dieter Lehmann: Kulturexporteure sind wie Raumschiffe. Sie fliegen in ein Land, öffnen die Klappen, zeigen die Kultur, machen die Klappen wieder zu und fliegen wieder weg. Wir dagegen kennen die Verhältnisse vor Ort, nehmen Impulse auf und sind zugleich in der Lage, die Inspiration der deutschen Kulturszene einzubringen. Und wir arbeiten langfristig. Nur so kann Vertrauen gewonnen werden. Das Netz, das dadurch entsteht, hat eine eigene Qualität.

Hat sich das Deutschlandbild verändert?

Prof. Klaus-Dieter Lehmann: Spätestens seit der Fußball-WM 2006 im eigenen Land, als alle das entspannte Volk der Deutschen erlebten, wurde das Bild positiv aufgeladen. Zu beiden Entwicklungen - dem neuen Selbstbewusstsein und dem positiven Blick der Welt auf uns - passt ein neues Programm, das vom Auswärtigen Amt initiiert wurde: die PASCH-Initiative. Die Goethe-Institute bauen nicht deutsche Auslandsschulen auf, sondern sind innerhalb der Länder im besten Sinne parasitär. Wir gehen in die Schulen, bilden Lehrer aus und bauen eine deutschsprachige Abteilung auf, die Deutsch bis zur Hochschulreife vermittelt. Dazu wird durch Koordinatoren, die wir in die Länder schicken, entschieden, welche Schule diese Aufgabe qualitativ leisten kann. Lehrer und die besten Schüler kommen im Austausch nach Deutschland. Bislang eine einmalige Erfolgsgeschichte. Deutsch boomt!

In welchen Ländern besonders?

Prof. Klaus-Dieter Lehmann: Eigentlich weltweit, aber um ein Land besonders hervorzuheben, dann Indien! Dort ist die Begeisterung für die deutsche Sprache unermesslich. Die Goethe-Institute heißen dort "Max Mueller Bhavan".


 


 

Prof. Klaus-Dieter Lehmann:
Prof. Klaus-Dieter Lehmann
Max Müller
Goethe-Institute
Klaus-Dieter Lehmann
Kultur
Prof
Globalisierung
Länder
Sprache
Welt
Menschen
Indien
Projektleitung
Entwicklung
Probleme
Bildung
L

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Prof. Klaus-Dieter Lehmann:" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: