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Porträt

Reinhard Mohn - ein Jahrhundertunternehmer

„Man muss Menschen überzeugen.“ Für Reinhard Mohn war dies eine jener kraftvollen Lebensweisheiten, an denen er sich orientierte. Er sagte diesen Satz mit Blick auf seine Erfahrungen im Krieg als junger Offizier und er sagte ihn auch über seine Arbeit, die ihn zu einem der erfolgreichsten Unternehmer des zwanzigsten Jahrhunderts machte.

Bereits mit 16 Jahren hatte Reinhard Mohn in einem Schulaufsatz versprochen, in seinem Beruf später „so viel zu leisten, wie nur irgend in meinen Kräften steht“. Er wolle eigenverantwortlich etwas gestalten, sei bereit zur ständigen Neuorientierung und Lernbereitschaft und sehe die Verpflichtung zur Leistung auch mit Blick auf die Gesellschaft, für deren Leben auch er die Verantwortung tragen müsse. Eindrucksvolle Worte für einen 16-jährigen.

Dass er diese Ziele bei Bertelsmann verwirklichen würde, war zunächst nicht seine Absicht, denn er hatte ursprünglich ganz andere Pläne. Der naturwissenschaftlich begabte junge Mann, der mit 24 Jahren aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück in das zerstörte Gütersloh kam, wollte Ingenieur werden. Doch daraus wurde nichts.

Der Krieg hatte fast alles in Schutt und Asche gelegt. Das Geschäft des Verlagshauses Bertelsmann war zum Erliegen gekommen, Werkshallen und Maschinen zum großen Teil zerstört. Bereits 1944 war der Betrieb in Folge illegaler Papierbeschaffungen geschlossen worden. Zudem war Bertelsmann als größter Lieferant von Feldpostliteratur politisch vorbelastet. Von ehemals 400 Mitarbeitern waren nur noch etwa 150 übrig geblieben. Die Voraussetzungen in jenen Tagen nach dem Krieg waren denkbar schlecht. Reinhard Mohn stand als junger Mann vor dem Ende des Familienunternehmens. Er schuf daraus einen Weltkonzern.

„Man muss Menschen überzeugen“

Der leidenschaftliche Spaziergänger, der an den Wochenenden gerne 30 Kilometer wanderte, um über die anstehenden Probleme nachzudenken, spürte, was die Menschen in Gütersloh von ihm erwarteten. Der älteste Bruder war gefallen, der zweite vermisst, der Vater Heinrich Mohn schwer krank . Dass die Gütersloher Mitarbeiter in Kälte und Schutt gemeinsam mit ihm die Trümmer wegräumten und den Betrieb wieder zum Laufen brachten, hat er ihnen nie vergessen. Die Führungserfahrungen, die er als junger Offizier im Zweiten Weltkrieg sammeln musste, halfen ihm beim Umgang mit all den Herausforderungen, die die Arbeit im Unternehmen mit sich brachte. Schon in seiner ersten Ansprache an die verbliebenen Mitarbeiter im Winter 1946/47 hatte er ein Ziel vor Augen: „Man muss Menschen überzeugen.“

Von Anfang an verstand er sich als Partner all derer, die mit ihm für Bertelsmann arbeiteten. Reinhard Mohn verstand es wie kein Anderer, Menschen zu motivieren, indem er ihnen Freiräume gewährte, eigenverantwortlich zu entscheiden. Starre Hierarchien waren nicht seine Sache. Als junger Mensch hatte er im Nationalsozialismus erleben müssen, wohin blinde Befehlsgewalt führen konnte. Er wollte es besser machen. Er gab den Mitarbeitern den nötigen Freiraum, um Verantwortung für ihre Aufgaben zu übernehmen. Er organisierte das wachsende Unternehmen dezentral und delegierte die Verantwortung auf viele fähige Köpfe. Er verstand sich als Partner seiner Mitarbeiter und legte größten Wert darauf, dass man auf „Augenhöhe“ miteinander sprach. Und er blieb immer seiner Überzeugung treu, dass Eigentum verpflichtet. Gemeinsam mit seiner Frau Liz Mohn setzte er sich unermüdlich dafür ein, dass der „Leistungsbeitrag für die Gesellschaft“ zu den unabdingbaren Unternehmenszielen gehört.


 


 

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