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Schweizer Nationalsymbol made in OWL: Bielefelder Eberhard Abker stellt Alphörner in Handarbeit her

Ein tiefer, langgezogener Ton dringt aus dem Garten von Eberhard Abker. Die Vermutung, dass sich ein Schiffsdampfer in den Bielefelder Westen verirrt haben könnte, erweist sich als falsch. Stattdessen steht der ahnungslose Besucher plötzlich vor einem Alphorn. Auf Hochglanz poliert und über vier Meter lang, nimmt das Schweizer Nationalsymbol einen guten Teil des Abkerschen Grundstücks ein. „Einst wurden sie zur Nachrichtenübermittlung von Alm zu Alm benutzt“, klärt der stolze Besitzer auf. „Heute werden sie nur noch zum Spaß gespielt.“ Der 77-Jährige Bielefelder ist vermutlich einer der wenigen Menschen außerhalb Süddeutschlands, der die großen Blasinstrumente nicht nur spielen, sondern auch herstellen kann.

Rund 260 Stunden Arbeit stecken in dem selbst gebauten, etwa 5 Kilogramm schweren Instrument. Kaufen kam für den gelernten Tischler und Drechsler nicht in Frage. „Die Bauanleitung habe ich mir von einer Alphorn-Truppe aus Thüringen besorgt“, so Eberhard Abker. Kennengelernt hatte er die Thüringer bei einem Jagdhornwettbewerb im sauerländischen Olpe. „Sie hatten einen Gastauftritt bei dem Wettbewerb. Ich war von der Musik sofort begeistert und habe zu meiner Frau Ruth gesagt, dass ich das unbedingt auch einmal ausprobieren möchte.“

Alphorn-Bau erfordert Präzision

Beim Ausprobieren blieb es nicht. Nachdem er das erste Mal auf einem geliehenen Instrument gespielt hatte, war klar: Ein eigenes muss her. Aus einer in Hanglage gewachsenen Fichte fertigte der Bielefelder sein erstes Alphorn. „Durch den Wuchs am Hang kommt die seltsame, unten abgebogene Form auf natürliche Weise zustande.“ Der Fichtenstamm wird entrindet, längs halbiert und ausgehöhlt. „Ein Laie könnte das nicht“, sagt Eberhard Abker bestimmt. „Die Innenwände müssen gleichmäßig geformt sein und das Ende, in welches später das Mundstück eingesetzt wird, muss perfekt gekürzt werden, damit beim Anblasen der richtige Ton erklingt.“

Um das Alphorn besser transportieren zu können, ist es in mehrere Teile zerlegbar. „Auch hier ist Präzisionsarbeit gefordert. Die Steckverbindungen müssen absolut luftdicht sein.“ Den Schallbecher des Horns hat der Fachmann aus Bielefeld mit der Lippischen Rose und dem springenden Ross Westfalens geschmückt. „Es soll schließlich jeder sehen, woher es stammt.“

Nicht nur der Bau des Instruments ist eine Herausforderung für den begeisterten Musiker. „Im Gegensatz zu anderen Hörnern haben Alphörner ein größeres Mundstück“, erzählt Eberhard Abker. „Vor allem das richtige Atmen ist wichtig. Da man wesentlich mehr Luft benötigt, um ihnen Töne zu entlocken, braucht der Spieler eine gute Zwerchfell-Atmung.“ Auf den ventillosen Instrumenten werden überwiegend barocke Stücke gespielt. „Schnelle Musikstücke gehen nicht. Alphornspieler müssen es getragen lieben.“


 


 

Alphorn
Bielefeld. Eberhard Abker

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