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Stress

Stressmanagement ist auch Gedankenmanagement

„Stress macht man sich vor allem selbst“ ist eine Aussage, die so oder ähnlich nach spätestens drei Minuten zum zweitliebsten Smalltalk-Thema nach dem Wetter fällt. Doch leider ist die Schlussfolgerung nur selten, dass man deshalb seine Gedanken in eine neue Richtung trainieren muss. Die meisten Menschen gehen offensichtlich davon aus, dass genau das kaum oder nur mit einem enormen Aufwand an Zeit und Kraft möglich ist.

Ermutigung aus der Hirnforschung

Die bei weitem wichtigste Erkenntnis der Hirnforschung der vergangenen zwei Jahrzehnte ist, dass unser Gehirn plastisch, d.h. veränderbar ist. Nicht nur in den ersten Lebensjahren, sondern bis ins hohe Alter. Das ist natürlich gerade in Bezug auf das persönliche Stressmanagement eine ausgesprochen ermutigende Nachricht. Sie bedeutet nämlich, dass ausnahmslos jeder es lernen kann, seine Gedanken so umzustrukturieren, dass er auch seinen Stress steuern kann. So steuern kann, dass er eine bessere Gesundheit und eine deutlich höhere Lebensqualität erreichen wird.

Mentales Training

Doch wie alles im Leben wollen neue Gedanken auch trainiert werden. Dies kann mit Hilfe verschiedener Techniken aus dem so genannten mentalen Training gelingen. Dieses umfasst ein weites Spektrum an Methoden, doch für das Stressmanagement sind es v.a. zwei, die von hoher Bedeutung sind: Erstens das Überzeugungstraining in Bezug auf die eigene Kompetenz („Prognosetraining“) und zweitens das Training der eigenen Selbstgespräche („Selbstgesprächsregulation“).
Viele Menschen sabotieren sich an diesen Stellen selbst. Ihre geringe Überzeugung in Bezug auf ihre Selbstwirksamkeit führt schon allein zu einem massiv erhöhten, äußerst negativ erlebten Stress. Damit gehen meistens auch Selbstgespräche einher, die gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, an der Stress-Situation zu scheitern massiv erhöhen. Wenn es nun gelingt, ein realistisches und gleichzeitig starkes Selbstbewusstsein zu gewinnen, dann heißt das zwar nicht, dass nun keinerlei Stress mehr vorhanden ist; er wird aber nicht mehr als lähmend erlebt, sondern als Unterstützung, die einem hilft, die Kräfte zu bündeln und damit die vor einem liegende Aufgabe auch zu meistern.

Drei Tipps für eine Umstrukturierung der Gedanken

Unser Denken spielt sich ja zu einem sehr wesentlichen Teil in einem fortlaufenden Frage-Antwort-Spiel ab. „Werde ich dieses Projekt meistern können?“ „Wie werde ich mit dem neuen Chef zusammenarbeiten?“ „Ist mir der Typ, der mir gerade gegenüber steht sympathisch?“ usw.
Doch nicht nur die Antworten, die wir uns auf solche Fragen geben, sind der Grund, dass wir mal mehr, mal weniger Stress in unserem Leben haben. Schon die Fragen selbst spielen eine entscheidende Rolle. Aus verschiedenen Gründen tragen so manche den Keim von unproduktivem, lähmendem Stress von Anfang an in sich. Zum Beispiel die berüchtigte „Warum gerade ich?“-Frage. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen führt diese nur zu einem quälenden, kaum zu stoppenden Grübeln, das einem mehr und mehr Kraft aus dem Leib zieht. Stellen Sie bessere Fragen. Fragen, die ihre Kreativität in Gang setzen und Sie zu echten Lösungen führen, z.B.:

  • Rollentausch-Frage: „Was würde ich einem guten Freund in der Situation, in der ich gerade stecke, raten?“ Schon durch diese einfache Frage schaffen es viele bereits, auf neue Gedanken und produktive Lösungen für ihr Stressproblem zu kommen.
  • Zeitsprung-Frage: „Wie würde ich wohl über meine Stress-Situation von heute in einem, in fünf oder gar zehn Jahren denken?“ Auch mit dieser Frage kann es gelingen, eine neue Perspektive einzunehmen und damit Gedankengänge zu entwickeln, die weniger stressbeladen, dafür umso lösungsorientierter sind.
  • Realitätstest-Fragen: „Ist es wirklich so, wie ich es gerade sehe? Was für Beweise gibt es für meine Sichtweise oder sehe ich vielleicht doch alles zu negativ? Verallgemeinere ich zu stark und gibt es vielleicht doch andere Möglichkeiten, die Situation zu erklären?“

Es gibt noch viele solcher Fragen. Fragen, die Sie dabei unterstützen, auf andere Gedanken zu kommen, Ihr Denken umzustrukturieren. Vielleicht werden Sie ja nun selbst kreativ und überlegen sich neue Fragen für Ihre inneren Dialoge. Oder Sie lassen sich von einem guten Coach oder Trainer dabei helfen, neue Sichtweisen zu entwickeln. Wie auch immer Sie sich entscheiden: wenn Sie ein aktives Gedankenmanagement betreiben, haben Sie damit den langfristig wohl wirksamsten Mosaikstein für Ihr persönliches Stressmanagement gesetzt.

(Markus Frey)


 


 

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