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TEIL 41: FACHWISSEN PERSONALENTWICKLUNG

Wie Führungskräfte Veränderungen souverän moderieren

Interview mit Heidrun Vössing: Heidrun Vössing blickt auf über zwanzigjährige Erfahrungen im Training und Coaching zurück. Sie ist Lehrtrainerin und Lehrcoach (DVNLP) und Expertin für die Themen Persönlichkeitsentwicklung und Führung. Für das ime bietet sie unter anderem das Seminar „Souverän führen in Veränderungsprozessen“ an.

Viele Mitarbeiter beklagen die Geschwindigkeit, mit der Veränderungsprozesse im Unternehmen aufeinander folgen.

Heidrun Vössing: Das Tempo hat sich in der Tat in den vergangenen Jahren erhöht. Doch die Akteure in den Unternehmen können selten allein über das Tempo entscheiden. Bei jedem Change-Prozess geht es ja letztendlich darum, dass Unternehmen an veränderte Bedingungen des Umfelds anzupassen. In den seltensten Fällen gibt es dafür Aufschub.

Besteht da nicht die Gefahr einer Überforderung?

Das Unternehmen wird dann überfordert, wenn es - vergleichbar einem Renovierungsstau - einen „Veränderungsstau“ gibt. Unternehmen bleiben wettbewerbsfähig, wenn sie ihre Erfolgsrezepte prüfen und aktuellen Veränderungen anpassen. Führungskräfte müssen dabei ihren „Störauftrag“, so formuliert das Reinhard Sprenger als Berater und Autor von Managementliteratur, wahrnehmen und Routinen hinterfragen.

Welche Signale deuten auf eine Überforderung hin?

Signale können beispielsweise ein steigender Krankenstand sein oder Orientierungs- und Verständnislosigkeit bei den Mitarbeitern. Führungskräfte müssen sich dann Klarheit verschaffen, ob es sich um eine quantitative oder qualitative Überforderung handelt.

Wie können Führungskräfte gegensteuern? 

Bei einer quantitativen Überforderung geht es ja um die Menge. Hier ist Priorisieren ein möglicher Lösungsansatz. Bei einer qualitativen Überforderung stellt sich die Frage, inwieweit die Beteiligten den mit dem Change verbundenen Aufgaben gewachsen sind. Daraus leitet sich die Frage ab, welche Fähigkeiten gebraucht und gegebenenfalls erworben oder durch Beratung eingekauft werden müssen.

Welche Eigenschaften brauchen Führungskräfte, die Veränderungen moderieren?

Ich würde eher von Fähigkeiten sprechen, eine klare Vision, den Weg und die Ressourcen aufzeigen zu können. Dazu braucht es ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten. Sie sollten auch coachend agieren können, um im Bedarfsfall Unterstützung anbieten zu können. Die Fähigkeit zur Selbstführung, im Sinne von Selbstreflexion, Echtheit und Kennen der eigenen Landkarte, halte ich für ebenso wichtig. Darüber hinaus gibt es Grundeinstellungen, die im Wandel nützlich sind, wie beispielsweise Lösungsorientierung und Ambiguitätstoleranz. Das hilft dabei, mit widersprüchlichen und nicht eindeutigen Situationen umzugehen. Und nicht zuletzt sollten sie andere Menschen inspirieren und begeistern können.

Wie können Sie diese Fähigkeiten stärken?

Indem sie zunächst eine Bestandaufnahme machen und ihre Stärken ermitteln. Was davon ist bei mir schon vorhanden? Und was davon möchte ich weiterentwickeln oder was möchte ich neu lernen? Und schließlich entscheiden, wo und in welcher Form sie das weiterentwickeln wollen, im Coaching oder im Training oder einer umfassenderen Aus- oder Weiterbildung.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Redaktion)


 


 

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