Sie sind hier: Startseite Ostwestfalen-Lippe Aktuell News
Weitere Artikel
  • 28.05.2008, 10:17 Uhr
  • |
  • Düsseldorf/Bonn
Bespitzelungsaffäre

Telekom-Beauftragter in Spitzelaffäre: «Auftrag kam von ganz oben»

Ein von der Telekom beauftragter Recherchedienst hat sich in der Bespitzelungsaffäre zur Arbeit für den Telekommunikationskonzern bekannt. Der Chef des Recherchedienstes network.deutschland GmbH in Berlin habe eingeräumt, über Monate hinweg systematisch hunderttausende Verbindungsdaten ausgewertet zu haben, um telefonische Kontakte zwischen Journalisten und Mitarbeitern des Unternehmens nachweisen zu können, berichtet das in Düsseldorf erscheinende «Handelsblatt» (Mittwochausgabe).

«Der Auftrag kam von ganz oben und ist mit dem Telekom-Vorstand abgestimmt worden», sagte der network.deutschland-Chef Ralph Kühn. Die Telekom habe wegen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dazu keine Stellung nehmen wollen.

Eine telefonische Verbindung zu einem Reporter von «Capital»

Der Kontakt zur Telekom sei über die Abteilung Konzernsicherheit gelaufen, sagte Kühn. Bei der ersten Ausspähaktion 2005 sei es ihm mit Hilfe der aus Bonn gelieferten Verbindungsdaten gelungen, dem damaligen Betriebsratschef und Mitglied des Telekom-Aufsichtsrats, Wilhelm Wegner, eine telefonische Verbindung zu einem Reporter von «Capital» nachzuweisen. Die Zeitschrift hatte Anfang 2005 aus der geheimen Mittelfristplanung der Telekom zitiert und damit in der Konzernspitze größte Verärgerung ausgelöst.

«Es gab deshalb bei der Konzernsicherheit der Telekom den konkreten Verdacht, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat Informationen an die Presse weitergegeben hatten», sagte Kühn. Konsequenzen hätten seine Erkenntnisse nicht gehabt. Weder sei Konzernbetriebsrat Wegner wegen Geheimnisverrats belangt noch seines Amtes im Aufsichtsrat enthoben worden. Wegner war für eine Stellungnahme für die Zeitung nicht erreichbar.

Als Ende 2006 der Wechsel von Kai-Uwe Ricke zu René Obermann vollzogen wurde, blieben laut Kühn neue Aufträge aus. Da Kühn nach eigenen Angaben noch Forderungen von über 400.000 Euro gegen die Telekom hatte, drohte er dem Konzern per Fax «mit Konsequenzen». Sein Fax gelangte später zum Hamburger Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», das am vergangenen Wochenende die Bespitzelungsaffäre thematisierte. «Ich war sauer und habe es dabei sicher etwas übertrieben», sagte Kühn.

(Redaktion)


 


 

Spitzelaffäre
Telekom
Ralph Kühn
Staatsanwaltschaft
Wilhelm Wegner
network.deutschland GmbH

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Spitzelaffäre" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: