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Filmwirtschaft 2009

Verhaltene Stimmung bei Film- und TV- Produzenten in Deutschland

„So ungewiss wie im Augenblick sind die Auftragsvergabe und die Zusage von Koproduktionen seit Jahren nicht gewesen“ – so fasst Alexander Thies, Vorsitzender des Vorstandes der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen, die gegenwärtige Stimmung in der deutschen Film- und TV-Produktionswirtschaft zusammen.

Im Februar und März 2009 hatte die Produzentenallianz die Untersuchung „Wirtschaftliche Jahresaussichten der deutschen Filmwirtschaft 2009“ unter ihren 100 Mitgliedern, die ca. 80 % des Umsatzvolumens der deutschen Film- und TV-Produzenten repräsentieren, durchgeführt.

Die Antworten, die die Produzentenallianz auf diese erste Branchenumfrage
zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und zu den Erwartungen bekommen
hat, zeigen eine verhaltene Stimmung bei den Produzenten. Zwar betrachten
46 % der befragten Unternehmen die aktuelle wirtschaftliche Situation
noch als positiv, und der Umsatz von über 60 % der Unternehmen
2008/2009 ist immerhin noch gleich geblieben oder gar gewachsen. Die
wirtschaftliche Entwicklung ab dem nächstem Jahr wird jedoch von 56 % als
ungewiss oder gar negativ bewertet. Diesem Ergebnis entspricht, dass 2009
schon 22 % der Unternehmen Arbeitsplätze abbauen müssen (2008: 17%).

Zu besonderer Besorgnis Anlass gibt der Umstand, dass 30 % der befragten
Unternehmen Auftragsstornierung zu verzeichnen hatten, seit sich die Krise
im Oktober 2008 auf die Realwirtschaft auszuwirken begann. Das waren
durchschnittlich zwei Produktionen pro Unternehmen.

Ein weiteres großes Problem stellt für 70 % der Unternehmen dar, dass
ihnen bei inflationsbereinigt gleichbleibender Vergütung ein immer umfangreicheres Leistungsspektrum (Produktionsleistungen, Nebenleistungen, Lizenzen, etc.) abverlangt wird.

Erfreulich ist immerhin, dass sich die Finanzkrise noch nicht auf die (Zwischen-)
Finanzierung von Film- und TV-Projekten durch Banken ausgewirkt
hat. Noch geben 85% „keine wesentliche Veränderung“ an.
Höchst besorgt zeigt sich die Produzentenallianz über die Auswirkungen der
gegenwärtigen Diskussion über die Finanzierung der Filmförderungsanstalt.
Im Februar hatte das Bundesverwaltungsgericht zwar die Förderung durch
das FFG und die Festlegung gesetzlicher Abgabepflichten für grundsätzlich
verfassungsgemäß erklärt, nicht aber die branchen-interne Abgabepraxis.
So kann die FFA nur noch einen Teil ihrer Branchenmittel ausschütten, weil
eine zunehmende Zahl von Kinos die Filmabgabe „unter Vorbehalt“ zahlt.

Drei Viertel der betroffenen Unternehmen gaben an, bei ihnen sei die Fertigstellung von Projekten „akut gefährdet“, wenn es zu einer Aussetzung der
Referenzförderung kommt, konkret handelt es sich um 31 Kinofilmprojekte.

„Damit bringen die unter Vorbehalt zahlenden Beitragszahler der FFA nicht
nur die Fortsetzung des Kino-Erfolgs deutscher Filme in Gefahr, sie verhindern
auch die Fertigstellung der Filme, die ihnen jährlich 20–35 Millionen
Besucher verschafft haben – seit 2003 insgesamt 175,5 Millionen Menschen“,
stellt Dr. Christoph E. Palmer, Vorsitzender der Produzentenallianz-
Geschäftsführung, fest. „Der Zerfall der zuverlässigen Einzahlergruppen
stellt das gesamte Finanzierungsmodell der FFA in Frage,“ befürchtet
Alexander Thies, „sollten weitere Einzahler dem Negativbeispiel folgen,
würde damit fahrlässig ein bewährtes System aufs Spiel gesetzt – und das
in diesen Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und technischem Umbruchs.
Die Millionen Zuschauer unserer Filme wären enttäuscht, und der Film-Standort
Deutschland würde nach Jahren der Aufwärtsentwicklung einen verheerenden
Rückschlag erfahren.“

Die vorliegende Untersuchung „Wirtschaftliche Jahresaussichten der deutschen
Filmwirtschaft 2009“ ist der Auftakt zu einer kontinuierlichen und umfangreichen
Evaluierung der deutschen Produktionswirtschaft. Dr. Christoph
E. Palmer: „Damit wird die Produzentenallianz – erstmals in Deutschland –
belastbare Zahlen zu diesem bedeutenden Bereich der Kreativwirtschaft
vorlegen, die die wirtschaftliche und kulturelle Leistungsfähigkeit der Produktionswirtschaft
belegen.“

(Redaktion)


 


 

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