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Axel Martens

„Wir sind nicht die Billigsten, aber die Besten“

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup prognostizierte kürzlich ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,6 Prozent auf Quartalssicht. Die deutsche Wirtschaft hat sich trotz der weltweiten Finanzmarktkrise im ersten Quartal dieses Jahres besser entwickelt als erwartet. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigte ihre bisherige Erwartung einer Zunahme des kalenderbereinigten Bruttoinlandsproduktes um 1,8 Prozent im laufenden und um 1,6 Prozent im kommenden Jahr. Hierzu fragt Petra Koslowski von business-on.de Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Lippe zu Detmold.

business-on.de: Bestätigen die Unternehmen aus Lippe die gute Stimmung?

Martens: Die lippische Wirtschaft ist auf Wachstumskurs. Gefüllte Auftragsbücher , eine rege Investitionstätigkeit und eine hohe Auslandsnachfrage prägen das wirtschaftliche Geschehen in Lippe. Die Zuversicht ist groß, dass sich der Aufschwung fortsetzen wird. Allerdings werden die Wachstumsraten im laufenden Jahr – auch in Lippe – nicht mehr so hoch ausfallen. Der Auf-schwung verliert etwas von seinem Schwung.
business-on.de: Und wie geht es den mittelständischen Unternehmen?

Martens: Knapp 90 Prozent der lippischen Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Produktinnovation und Neukundengewinnung eröffnen zusätzliche Umsatzmöglichkeiten für die mittelständischen Unternehmen. Sie sehen ihre Chance darin, die Qualität ihrer Produkte zu forcieren und weiterhin Zuverlässigkeit sowie Flexibilität zu garantieren. Getreu dem Motto „Wir sind nicht die Billigsten, aber die Besten“, erobern lippische Unternehmen die Weltmärkte.
business-on.de: Welche Branchen sind die Gewinner, welcher Branchen die Verlierer?

Martens: Zum wiederholten Mal ist die Industrie die Triebfeder der Konjunktur. In den zwei Monaten dieses Jahres wuchs der Umsatz um 7,2 Prozent auf 842 Mio. Euro. Die Exportquote, das ist der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, lag bei 43,4 Prozent - damit ist das Landesniveau fast erreicht. Die Umsatz- und beschäftigungsstärkste Einzelbranche in Lippe ist die Elektrotechnik. Sie erzielte ein Umsatzplus von 11,4 Prozent auf 343 Mio. Euro. Zweiwichtigster Wirtschaftszweig ist trotz enormer Einbrüche die Möbelindustrie, deren Umsatz um 11 Prozent auf 124 Mio. Euro zunahm.

Aber auch vom Dienstleistungsgewerbe gehen positive Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung aus. Viele Großhändler profitieren als Zulieferer vom anhaltenden Aufschwung der Industrie. Auch im Verkehrssektor hat sich die Geschäftslage verbessert. Im Bau steigt das Konjunkturbarometer wieder leicht. Die Situation im Handel ist demgegenüber verhalten.
business-on.de: Der Arbeitsmarkt erholt sich deutlich. Wird das den privaten Konsum mit ankurbeln?

Martens: Die bessere Beschäftigungs- und Einkommenssituation in diesem Jahr bietet die Basis dafür, dass die Kaufkraft steigt und sich der private Konsum nun doch langsam beleben könnte. Positiv kann sich auch der zum Jahresanfang gesunkene Beitrag zur Arbeitslosenversicherung auswirken. Allerdings wird die Kauflaune der Verbraucher von den kräftig gestiegenen Nahrungsmittel- und Energiepreisen gedämpft. Dies schürt die „gefühlte Inflation“ und bietet Anlass zur Konsumzurückhaltung.
business-on.de: Glauben Sie, dass die US-Schwäche das Wirtschaftswachstum verlangsamen wird?

Martens: Die anhaltende US-Dollar-Schwäche bereitet Teilen der Export orientierten Industrie Sorgen und kostet bedingt auch Wachstum. Allerdings ist die Mehrheit der lippischen Unternehmen im Export auf Europa ausgerichtet, sodass die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft zum überwiegenden Teil keine negativen Auswirkungen auf die heimische Industrie hat.

(Redaktion)


 


 

Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Lippe zu Detmold
Interview
Petr

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