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Wirtschaft darf nicht Beratern überlassen werden

Die modernen Wirtschaftsberater sind oftmals nicht auf Kontinuität, sondern auf Bewegung aus, denn nur das verspricht schnelles Geld. Was dann letztendlich mit dem Unternehmen geschieht, ist ihnen nicht so wichtig: sie sind längst mit einem neuen Auftrag beschäftigt.

Roland Berger ist ein netter Herr, angenehm im Umgang, erstklassig verdrahtet in Politik, Wirtschaft und Medien. Sein Beratungsunternehmen hat er zu großen Teilen verkauft. Bisweilen liegt allerdings Fachmann Berger daneben. Beim Rettungstheater um den Baukonzern Holzmann beriet er den damaligen Kanzler Schröder. Weder Firma noch Beschäftigten hat die Aktion jedoch geholfen. Jetzt wird das Opel-Problem verhandelt. Und Berger ist wieder dabei, sogar in einer Mehrfachrolle. Der Privatmann Berger beriet den jungen Wirtschaftsminister Guttenberg, der Opel retten will, die Firma Roland Berger Strategy Consultants berät GM Europe, also praktisch die Gegenseite - und obendrein sitzt der Unternehmer Berger im Aufsichtsrat des Wettbewerbers Fiat.

Nichts gefährdet den Umsatz von Agenturen mehr als Stabilität

Der Fall Berger illustriert eines der zentralen Probleme der internationalen Ökonomie. Ein Geflecht von Beratern, Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Hexenmeistern hat den wirtschaftlich-politischen Komplex wie ein Hausschwamm durchdrungen. Internationale Unternehmen wie McKinsey oder PWC funktionieren wie eine Sekte. Generationen von Beratern und auch Managern ziehen vor allem ihresgleichen nach und fühlen sich ihr Leben lang dem Unternehmen gegenüber loyal, das sie reich gemacht hat. Mögen Mandate und Firmennamen auch wechseln, der Glaube an die Mutterorganisation bleibt. Und die predigt: Geld verdienen. Das Geflecht jener unbekannten Herrschaften bedroht oftmals das gute Wirtschaften. Denn die Logik des Unternehmensberaters ist nicht auf Langfristigkeit und Kontinuität angelegt, sondern auf möglichst viel Bewegung. Nichts ist Umsatz gefährdender als Stabilität. Fusionen wie DaimlerChrysler oder auch Conti/Schaeffler waren nicht nur, aber auch von Beratern getrieben. Dynamik verspricht Tagessätze, Gutachten und Anwaltshonorare.

Berater auf das reduzieren, was sie sind: keine Entscheider

Mit internationalem Recht Steuern vermeiden, schicke Boni-Regelungen im Vertragswerk verstecken und das Erbeutete in Liechtenstein bunkern - derlei Rundum-Service bietet manches Netzwerk. Egal, wie die Unternehmen nach dem Beraterbefall dastehen; die Unbekannten im Hintergrund haben immer gewonnen. Diese unsinnige Automatik müssen nun allerdings Manager und zunehmend Politiker erklären. Denn auch die Volksvertreter verlassen sich mehr und mehr auf Expertisen von außen. So hat eine internationale Kanzlei, die auch für Großbanken arbeitet, der Bundesregierung bei der rechtlichen Gestaltung des Bankenschirms geholfen - einer der Gründe, warum der Bund bei der Hypo Real Estate nichts zu sagen hat, obschon über 100 Milliarden Steuergeld im schwarzen Loch von München zu verschwinden drohen. So wenig wie man den Hausschwamm für seine Existenz beschimpfen kann, sollte man die Berater-Kaste in Gänze verurteilen. Aber man muss den Herren klare Vorgaben machen, Transparenz abverlangen und sie auf das reduzieren, was sie sind: Berater. Und keine Entscheider.

Quelle: ots / Berliner Morgenpost

(Redaktion)


 


 

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