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Den „ökologischen Rucksack“ erleichtern

Wirtschaftsjunioren unterstützen Konzept für nachhaltige Wirtschaft

„Ökologie kann und muss Profit bringen, wenn wir wollen, dass auch unsere Enkel auf dieser Erde noch gut leben können“, konstatierte Prof. Dr. Friedrich Schmidt-Bleek, Direktor des Factor10 Institutes, auf der Veranstaltung „Die Verantwortung der Wirtschaft für die Umwelt“ der Wirtschaftjunioren Paderborn + Höxter.

Moderiert von Gastgeber Christoph Plass, Vorstand der Unity AG, diskutierte der renommierte Kern- und Physikochemiker mit dem Vorstandsvorsitzenden der E.ON Westfalen Weser AG, Henning Probst, und Turadj Zarinfar, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Wirtschaftsjunioren Deutschland, über Wege zu einer nachhaltigen Wirtschaft.

Schmidt-Bleek fordert völlig neue Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln, um nicht wie bisher nur Symptome zu behandeln, sondern die Probleme direkt an der Wurzel zu packen. „60 Tonnen unwiederbringliche Natur verbraucht allein jeder Deutsche pro Jahr“, sagte er. Dabei gehe es nicht allein um die begrenzt verfügbaren natürlichen Ressourcen, wie Material, Wasser und Fläche, sondern auch um eine dauerhafte Verfügbarkeit der lebensnotwendigen „Dienstleistungen“ der Ökosphäre. „Das Wachstum von Pflanzen, die Verfügbarkeit von Wasser und reiner Luft, der Schutz vor gefährlicher Strahlung oder die Fortpflanzungskraft von Spermien und Samen sind mit Technik nicht zu ersetzen“, betonte er. Genau diese Dienstleistungen jedoch werden durch die Nutzung von Ressourcen – also dem Verbrauch von Material - ernsthaft beschädigt. Deshalb müsse der „ökologische Rucksack“ jedes Produkts deutlich erleichtert und „dematerialisiert“ werden. Mit dem Material-Input je Service Einheit (MIPS) hat Schmidt-Bleek hier ein neues Maß für ökologisches Wirtschaften eingeführt.

Vorsorgende Umweltpolitik

„Vorsorgende Umweltpolitik erfordert bereits an der Eingangsseite der Wirtschaft einen vernünftigen Umgang mit der Natur und nicht immens teure Reparaturen an der Ausgangsseite“, so Schmidt-Bleek. Dabei ginge es nicht um Beschränkungen: „Eine aktive Wirtschaft verbraucht nicht notwendigerweise mehr Ressourcen, denn durch fortschrittliche Technik lässt sich ein vergleichbarer Nutzen bei deutlich geringerem Naturverbrauch schaffen.“ Unter wahrer Innovation sei jedoch nicht einfach nur eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs zu verstehen. Es gehe vielmehr um die Befriedigung von Bedürfnissen, mit möglichst wenig Input an natürlichen Ressourcen.

„Es gibt bereits viele gute Ideen“, so Schmidt-Bleek. Weil jedoch wirtschaftliche Anreize fehlen, blieben sie meist in der Schublade. „Wir werden in die Röhre gucken, wenn wir nicht den Mut zu einer grundsätzlichen, systemischen Veränderung haben.“ Dabei müsse der Materialverbrauch bis 2050 auf vertretbare fünf Tonnen je Person und Jahr gesenkt werden. In Deutschland zum Beispiel sei dafür eine Erhöhung der Ressourcenproduktivität um den Faktor zehn erforderlich. „Wir brauchen umgehend ein europaweites ökologisches Konjunkturprogramm. Das würde jährlich wahrscheinlich 20 bis 30 Milliarden Euro kosten.“

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig darüber, dass die Voraussetzungen für eine grundlegende Veränderung weder vom Verbraucher, noch von der Wirtschaft, sondern nur von der Politik geschaffen werden kann. „Wir haben hier kein Analyse- sondern ein Handlungsproblem“, betonte Probst. „Es fehlt an verlässlichen staatlichen Rahmenbedingungen für Investitionen, dann würde vieles leichter fallen.“ Als größter deutscher Jungunternehmerverband setzen sich die Wirtschaftsjunioren für die von Faktor10 geforderten Veränderung der Rahmenbedingungen ein. „Es ist zwar eine Aufgabe für Dekaden, aber es ist umsetzbar“, so Zarinfar. Dabei brauche man zwar globale Konzepte, könne die Verantwortung jedoch nicht einfach an die ganze Welt delegieren. „Wir müssen global denken, aber lokal handeln.“ Weitere Infos unter www.wj-pb-hx.de (Downloads), www.factor10-institute.org und www.weltresourcesforum.de.

(Redaktion)


 


 

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