Sie sind hier: Startseite Ostwestfalen-Lippe Aktuell News
Weitere Artikel
Wirtschaftskriminalität

Über 80 Prozent der Unternehmen sind unzureichend geschützt

Führt Compliance zu mehr Wirtschaftskriminalität?

Unternehmen, die über keinen Verhaltenskodex verfügen, berichten deutlich seltener davon, Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein, als Unternehmen, die einen Verhaltenskodex implementiert haben (22 gegenüber 45 Prozent im Public bzw. 28 gegenüber 42 Prozent im Private Sector). Dies gilt grundsätzlich, wenn einzelne Compliance-Elemente im Unternehmen implementiert sind. "Hier wirkt das Kontrollparadoxon", erläutert Prof. Dr. Hendrik Schneider von der Universität Leipzig und Co-Autor der Studie. "Einzelne Compliance-Instrumente steigern die Entdeckungswahrscheinlichkeit und machen die Schäden erst sichtbar. Unternehmen verzeichnen daher einen Anstieg der aufgedeckten Wirtschaftskriminalität, da sie Kriminalität vom Dunkel- ins Hellfeld holen."

Hinweisgebersystem ist wichtig

Bei vollständiger Implementierung eines Compliance-Management Systems ist das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, deutlich geringer. Es entsteht eine Komplementärwirkung aller Compliance-Elemente, sodass nach der Etablierung des Systems auch eindeutige und wissenschaftlich belegbare Präventionseffekte erzeugt werden. Hier kommt einem Hinweisgebersystem eine besondere Bedeutung zu: Es ist das einzige Instrument, mit dem Mitarbeitern sich Gehör verschaffen können (Bottom-up-Instrument). Daher ist es ein großer Fehler, dass besonders Unternehmen aus dem Mittelstand dieses Instrument bisher eher ablehnen. Entsprechend geschützte Unternehmen erkennen nicht nur mehr Delikte, sie senken auch die Viktimisierungswahrscheinlichkeit von 31 auf 25 Prozent.

"Erlernte Hilflosigkeit"

Somit stellt sich die Frage, warum Unternehmen trotz offensichtlicher Bedrohung nicht präventiv in Schutzmechanismen investieren, zumal die Kosten für den Aufbau einer schlagkräftigen Compliance-Organisation im Vergleich zu denen eines Schadenfalls vergleichsweise gering sind. "Die finanziellen Einbußen bei einem Unternehmen, das Opfer von Wirtschaftskriminalität wurde, lösen oft Sparzwänge aus. Trotz eindeutiger Defizite des internen Kontrollsystems werden dadurch keine Verbesserungen und Investitionen in die Compliance-Organisation in Erwägung gezogen", erläutert John. "Das Problem scheint gelöst, wenn ein Täter gefunden wurde. Genau dort liegt aber die Gefahr von sogenannten Opferkarrieren nach dem Schema der erlernten Hilflosigkeit."

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass bei öffentlichen Unternehmen Wirtschaftskriminalität eine genau so starke Bedrohung darstellt wie in der Privatwirtschaft. Allerdings ist das Problembewusstsein weniger stark ausgeprägt, wodurch weniger in Prävention und Aufdeckung investiert wird. "So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann in den Medien vom nächsten prominenten Fall zu lesen sein wird", so Prof. Dr. Schneider.

(Redaktion / ots)


 


 

Wirtschaftskriminalität
Unternehmensschutz
Prävention
Private Sector
Public Sector
RölfsPartner
Dieter John
Kontrollparadoxon
Prof. Dr. Hendrik Schneider
Universität Leipzig
Compliance

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Wirtschaftskriminalität" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: