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Regionalcheck OWL

Demografie als Risiko, Wissensökonomie als Chance

NORD/LB stellte am vergangenen Freitag eine Analyse zur Entwicklung Ostwestfalen-Lippes vor. Ein wichtiges Ergebnis: Die Bevölkerung in der Region Ostwestfalen-Lippe wird bis zum Jahr 2025 um voraussichtlich vier Prozent schrumpfen.

Statt der aktuell 2,05 Mio. Einwohner wird die Region dann noch 1,97 Mio. Einwohner aufweisen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der NORD/LB Norddeutsche Landesbank, die die Wirtschaftsstruktur Ostwestfalen-Lippes untersucht hat und zukünftige Herausforderungen benennt.

„Die demografische Entwicklung ist ein Risikofaktor für Ostwestfalen-
Lippe“, erklärte NORD/LB Chefvolkswirt Torsten Windels am Donnerstag vor Journalisten in Herford. Er verwies gleichzeitig auf die sinkende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten: Diese sei zwischen den Jahren 1999 und 2009 in der Region jährlich um 0,1 Prozent zurückgegangen, in den alten Bundesländern dagegen durchschnittlich um 0,2 Prozent angestiegen. Auf Kreisebene sank die Beschäftigung im vergangenen Jahrzehnt am deutlichsten im Kreis Lippe (- 0,9 Prozent).

Lediglich in den Kreisen Paderborn und Gütersloh entwickelte sich die Beschäftigung positiv. Unter den einzelnen Wirtschaftssektoren entwickelten sich speziell die Informations- und Kommunikationswirtschaft, die Elektrotechnik, das Gesundheitswesen und der Bildungsbereich überdurchschnittlich. Schlusslicht bei der Beschäftigungsentwicklung ist die Textil- und Bekleidungsindustrie (- 6,8).

Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt in Ostwestfalen-Lippe (7,1) zwar unter dem Schnitt Nordrhein-Westfalens (8,4), allerdings über dem Westdeutschlands (6,2). Die niedrigste Quote in der Region weist der Kreis Gütersloh auf (5,0), knapp gefolgt von Höxter (5,5), das neben dem Kreis Lippe (- 1,3 Prozentpunkte) auch den deutlichsten Rückgang der Arbeitslosigkeit vermelden konnte (- 1,1 Prozentpunkte). Die Stadt Bielefeld beklagt dagegen die höchste Arbeitslosenquote in Ostwestfalen-Lippe (10,0), obwohl auch diese in den vergangenen zwölf Monaten um 0,6 Prozentpunkte gesunken ist.

Fokussierung auf Wissenökonomie

Windels empfahl der Wirtschaft Ostwestfalen-Lippes, sich noch stärker auf Branchen zu fokussieren, deren Bedeutung für die Region bereits heute überdurchschnittlich hoch ist. Dazu zählt insbesondere die wissensintensive Industrie, zu der u. a. die Chemieindustrie und die Datenverarbeitung zählen. Während deren Anteil an der Gesamtindustrie in Westdeutschland von 2000 bis 2009 leicht rückläufig war (- 0,2 Prozentpunkte), stieg die Quote in Ostwestfalen-Lippe um 0,8 Prozentpunkte. „Die Entwicklung zur Wissensgesellschaft ist ein zentraler Trend für Wertschöpfung und Beschäftigung“, betonte der NORD/LB Chefvolkswirt.
Dies zeige sich in überdurchschnittlichen Wachstumsraten wissensintensiver Branchen. „Ostwestfalen-Lippe verfügt über gute Voraussetzungen, um vom aktuellen Trend zur Wissensökonomie zu profitieren.“ Windels sah gute Chancen, dass sich die Zahl der Unternehmensansiedlungen, die Gründungsintensität und auch der Zulauf von Hochqualifizierten in der Region in nächster Zeit erhöhen werden. Laut NORD/LB Studie verzeichnen die Unternehmen im Nordosten Nordrhein-Westfalens seit dem Jahr 2003 einen signifikanten Aufwärtstrend bei den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Diese liegen – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – in Ostwestfalen-Lippe (1,3 Prozent) zwar noch unterhalb des gesamtdeutschen (1,8), inzwischen allerdings oberhalb des nordrhein-westfälischen Niveaus (1,1). „Investitionen
in Forschung und Entwicklung sind ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Ostwestfalen-Lippe ist hier auf dem richtigen Weg und sollte ihn konsequent fortführen“, riet Windels.

Nachholbedarf beim Export

Aufholbedarf bestehe dagegen beim Umsatz außerhalb Deutschlands: „Die hiesigen Unternehmen sind nach wie vor unterdurchschnittlich auf Auslandsmärkte orientiert“, sagte Windels. Während das verarbeitende Gewerbe in Deutschland bzw. in Nordrhein-Westfalen von Januar bis August 2010 auf Anteile des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz von 45,8 bzw. 43,3 Prozent kamen, betrug die Quote in Ostwestfalen-Lippe lediglich 35,0 Prozent. „Die Region hat ihr Exportpotenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, bemerkte Windels. „Die Erschließung neuer
Märkte könnte für viele Unternehmen ein Wachstumstreiber sein.“

(Redaktion)


 


 

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