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Interview

9 Fragen an... Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld

OWL.Business-on.de befragte führende Vertreter aus Wirtschaft und Politik der Region Ostwestfalen-Lippe zu den Perspektiven der regionalen Wirtschaftssituation in 2009. Wolfgang Brinkmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, sieht auf Erfolge in dem für ihn neuen Geschäftszweig des Gasverkaufs zurück und möchte für 2009 im Wettbewerb weiterhin gut aufgestellt sein.

business-on.de: Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung Ihrer Branche im Jahr 2008?

Wolfgang Brinkmann: Die Stadtwerke Bielefeld können auf ein erfolgreiches Jahr 2008 zurückblicken. 2008 war wieder voller Herausforderungen für die Energiewirtschaft und damit auch die Stadtwerke. Das Jahr war für uns geprägt durch einen verschärften Wettbewerb auf dem Strommarkt und der voranschreitenden Liberalisierung des Gasmarktes. Außerdem führten – und führen - die regulierenden Maßnahmen im Netzbereich zu erheblichen Belastungen für die Unternehmen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns auch 2008 wieder erfolgreich behauptet. Es ist uns gelungen, unsere gute Marktposition zu festigen. Der Stromabsatz konnte auf hohem Niveau stabilisiert werden. Wir haben bundesweit Erfolge beim Gasverkauf erzielt – ein für uns neues Geschäft. Im Verkehrsbereich, bei unserer 100%igen Tochter moBiel, freuen wir uns über wachsende Fahrgastzahlen – 2008 lagen wir hier wie in den Vorjahren über dem Branchendurchschnitt.

business-on.de: Spüren Sie bereits die Ausmaße der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise?

Wolfgang Brinkmann: Z.zt. sind die Ausmaße noch nicht unmittelbar spürbar. Ich gehe jedoch davon aus, dass die zu erwartende wirtschaftliche Situation in 2009 zu rückläufigen Auslastungen und Auftragseingängen in den Unternehmen führen wird - mit dem Ergebnis geringerer Energieabsätze.

business-on.de: Wie schätzen Sie Ihre Perspektiven für 2009 ein? Wie wird sich Ihre Auftragslage/Ihr Umsatz im kommenden Jahr entwickeln?

Wolfgang Brinkmann: Wir gehen wie gesagt aufgrund der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung, ausgelöst durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise, von einem geringeren Absatz im Bereich der Energie aus. Der über die letzten Jahre zu verzeichnende Trend rückläufiger Erdgas- und Wasserabgabemengen aufgrund von Einsparmaßnahmen in den Haushalten und Betrieben wird sich auch in 2009 weiter fortsetzen. Diese Maßnahmen fördern wir ja seit Jahren massiv – mit Beratungsleistungen und Förderprogrammen. Im Strombereich prognostizieren wir gleichbleibende Abgabemengen, so dass wir in Summe von leicht rückgängigen Umsatzerlösen ausgehen.

business-on.de: Welche Chancen und Risiken wird das Jahr für Ihr Unternehmen bringen? Werden Sie expandieren?

Wolfgang Brinkmann: Wir werden uns den Anforderungen des Marktes, d. h. dem zunehmenden Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt erfolgreich stellen. Wir werden außerdem die steigenden Anforderungen der Regulierungsbehörde im Rahmen der Regulierung der Netze erfüllen. Hier wird den Unternehmen viel Bürokratie abverlangt, die nicht zu Kostenreduzierungen führen werden, sondern ganz im Gegenteil erhebliche Mehrkosten verursachen. Wir werden das Jahr 2009 als Chance nehmen und dort, wo wir Möglichkeiten sehen zu expandieren, diese auch nutzen. Wir überprüfen und verbessern kontinuierlich unsere Prozesse, um Kosten zu reduzieren, den Kundenservice noch weiter zu verbessern und um im Wettbewerb weiterhin gut aufgestellt zu sein. Wir werden uns der Klimadiskussion stellen, in regenerative Energien investieren, den öffentlichen Personennahverkehr weiter vorantreiben und natürlich unseren Kunden Energie und Wasser zu marktgerechten Preisen anbieten.

business-on.de: Wo würden Sie gern einmal einen Tag arbeiten, wenn Sie die Möglichkeit hätten und warum?

Wolfgang Brinkmann: Ich würde gerne einmal einen Tag in einer Redaktion einer überregionalen Tageszeitung, am liebsten im Wirtschaftsressort, arbeiten, um hautnah mitzuerleben, wie Meinung gemacht und für die Leserinnen und Leser in Textform gegossen wird.

business-on.de: Sind Sie zufrieden mit dem Standort Ostwestfalen-Lippe und welche Faktoren schätzen Sie besonders? Planen Sie, künftig weiter in Ostwestfalen-Lippe zu investieren?

Wolfgang Brinkmann: Unser Standort ist Ostwestfalen-Lippe. Wir sind als regionaler Energieversorger seit über 150 Jahren mit dieser Region verwoben. Ich schätze die außerordentliche Vielfalt der mittelständisch geprägten Industrie und gewerblichen Wirtschaft sowie die sehr gute Ausstattung mit Fachschulen, Hochschulen und Universitäten hier in Ostwestfalen. Die Stadtwerke Bielefeld investieren 2009 und auch in den Folgejahren erheblich in Bielefeld, u. a. aufgrund unseres neuen Energieversorgungskonzeptes. Wir ersetzen unser altes Kohleheizkraftwerk auf unserem Betriebsgelände durch ein innovatives Holzkraftwerk. Dies wird ergänzt durch eine Biogasanlage sowie zwei Windräder. Um den Jahreswechsel herum konnten wir bereits die größte Photovoltaikanlage der Region einweihen. Auch unsere Bädertochter BBF investiert zurzeit kräftig. In Sennestadt entsteht beispielsweise gerade ein neues Hallenbad und in Brackwede wird das alte Freibad zu einem Naturbad umgestaltet Außerdem planen wir einen erheblichen Ausbau des Nahverkehrsnetzes, d.h. der Stadtbahn. Hier hat unsere Verkehrstochter moBiel ja vor einigen Monaten eine Vision für die Zukunft konzipiert mit dem Titel: „moBiel 2030“. Auch dies wird in den nächsten Jahren zu erheblichen Investitionen führen.

business-on.de: Wie sieht es mit der Unternehmerfreundlichkeit aus? Reichen Engagement und Förderung aus oder müsste hier noch mehr getan werden? Was müsste seitens der Politik in diesem Bereich getan werden?

Wolfgang Brinkmann: Ich glaube, dass in Ostwestfalen und insbesondere auch in Bielefeld eine doch zufriedenstellende Unternehmerfreundlichkeit herrscht. Natürlich wünscht man sich als Geschäftsführer eines Wirtschaftsunternehmens an der einen oder anderen Stelle weniger Bürokratie und eine schnellere Bearbeitung der Vorgänge, aber im Großen und Ganzen können wir hier vor Ort zufrieden sein .

business-on.de: Was sind die wichtigsten Trends, die Ihre Branche 2009 maßgeblich bestimmen werden?

Wolfgang Brinkmann: Die wichtigsten Trends sind sicherlich einerseits die weitere Diskussion um Klimaschutz und die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes und die hieraus resultierenden Herausforderungen, z.B. beim Ausbau regenerativer Energien, beim Errichten von Nahwärmeinseln und dem Ausbau der Fernwärme. Des Weiteren werden wir aufgrund des verstärkten Wettbewerbs auf dem Strom- und Gasmarkt unseren Kunden wettbewerbsfähige Preise, einen hervorragenden Service sowie kundenorientierte Produkte bieten. Außerdem werden wir das Thema Kooperation und Zusammenarbeit mit unseren Stadtwerke Partnern in Gütersloh und Ahlen zum Vorteil aller weiter auszubauen.

business-on.de: Haben Sie einen guten Vorsatz für das neue Jahr?

Wolfgang Brinkmann: Ich halte nicht zuviel von guten Vorsätzen, die man zum Jahreswechsel fasst und die dann doch nicht umgesetzt werden. Ich möchte die Unternehmensgruppe Stadtwerke Bielefeld für die weiteren Herausforderungen der kommenden Jahre gut positionieren. Ich möchte erreichen, dass die Stadtwerke Bielefeld für die Bürgerinnen und Bürger in Bielefeld auch in der Zukunft der Dienstleister für Energie, Wasser, Wärme, öffentlichen Nahverkehr, Freizeit und Telekommunikation sind.

(Redaktion)


 


 

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