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  • 17.06.2016, 13:35 Uhr
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Postkarte

Wertvolles Kommunikationsmittel auf dem absteigenden Ast? Zur Geschichte der Postkarte

Urlaubsgrüße von der See oder aus dem Hochgebirge, Einladungen mit spaßigen Comics oder Fotos, Feldpost und Überlebenszeichen von Soldaten – für diese und andere Zwecke dienten und dienen Postkarten seit langer Zeit. Für manche sind sie wertvolle Andenken, für andere Relikte aus vergangenen Tagen, die den Möglichkeiten der modernen digitalen Medien kaum etwas entgegenzusetzen haben. Tatsächlich sind handschriftliche Dokumente nicht nur im Berufsleben, sondern vor allem im privaten Alltag auf dem Rückzug. Die multimedialen Nachrichtenübertragungen über das Internet und die Mobiltelefone sind im Hinblick auf ihre hohe Geschwindigkeit nicht zu schlagen. Doch bedeutet das zum Beispiel für die Postkarte, die über ein Jahrhundert hinweg mehr oder weniger wichtige, meist emotionsgeladene Informationen übertrug, wirklich das Ende?

Zur Vorgeschichte der Postkarten

Ein menschliches Bedürfnis: der Gruß

Grüße sind seit jeher ein wichtiges zwischenmenschliches Kommunikationsmittel. Sie drücken die gegenseitige Hochachtung oder aber die Anerkennung einer höher gestellten Person aus. Grußformen und -formeln treten in visueller, akustischer, haptischer oder schriftlicher Form auf. Sie können Modeerscheinungen sein und bleiben oder sich innerhalb einer oder mehrerer Gemeinschaften als Sitte, als Ritual manifestieren. Das führt dazu, dass der Rezipient normalerweise in der Lage ist, den Wunsch hinter dem Gruß zu erkennen – als freundschaftliche Geste, als Floskel oder aber als Ironie oder Kritik. Welche Feinheiten etwa bei der Begrüßung und Verabschiedung zu beachten sind, können Interessierte hier einsehen.

Zwischen verschiedenen Kulturen können diese Gesten zu Missverständnissen führen. Ein Beispiel aus der Antike soll dies vor Augen führen: Alexander III. von Makedonien – der als „der Große“ bekannt wurde – beabsichtigte während seines Persienfeldzuges, bei seinen Landsleuten die persische Sitte der Proskynese einzuführen. Es handelt sich um eine Art der Ehrerweisung, die auch von der Priesterweihe bekannt ist. Im damaligen Fall bedeutete dies wahrscheinlich, Alexander bzw. seinen Vorgängern, den persischen Großkönigen, eine Kusshand zuzuwerfen und/oder auf die Knie zu fallen. Die konservativeren Makedonier begehrten dagegen auf, da sie diese Geste nur Göttern gegenüber vollzogen, die Perser hingegen auch Sterblichen. Der „König von Asien“ sah sich gezwungen, auf diese Sitte zu verzichten.

Ein elementarer Grund einander zu grüßen, ist der Wunsch, dass dem anderen entweder Gesundheit oder aber göttliche Gnade bzw. Schutz oder auch Erlösung zuteilwerde. Bekannt sind die alten Grußformeln wie „Ave!“, „Salve!“ oder auch „Heil!“, die bereits in der Antike, aber auch im Mittelalter oder im 20. Jahrhundert zu propagandistischen und politischen Zwecken verballhornt wurden, und das nicht nur von den Nationalsozialisten.

Vorläufer aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Wesentliche Voraussetzung: die Briefmarke

Die Briefmarke ist der Nachweis über eine festgelegte erbrachte Gebühr zum postalischen Transport eines Briefes, einer Postkarte oder Pakets. Trotz einiger neuzeitlicher internationaler Vorläufer – Papierstreifen, Kuverts bzw. Stempel – wurde die erste eigentliche Briefmarke im Jahr 1840 ausgegeben. „One Penny Black“ genannt, porträtierte sie die seit drei Jahren regierende Königin Victoria, genau wie die berühmte „Blaue und Rote Mauritius“ aus dem Jahr 1847. Die Einführung der Briefmarke war ein Schwerpunkt der Postreformen von Sir Rowland Hill (1795 bis 1879) im Vereinigten Königreich. Dies führte mit sich, dass fortan die Absender für das Porto aufkommen mussten und nicht mehr die Adressaten. Diese Überbringungsgebühr war jedoch vergleichsweise gering, sodass nun eine breitere Öffentlichkeit finanziell in der Lage war, (Wert-)Briefe oder Pakete zu versenden.

Ein Schweizer Postsystem hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seit über 100 Jahren bestanden, wurde allerdings durch die französische Besatzung ab 1798 am weiteren Ausbau gehindert. Die damit wiederum geförderte Selbstständigkeit der einzelnen Kantone führte unter anderem dazu, dass die Schweiz zu den ersten Nationen zählt, die Briefmarken ausgaben: Die ersten Briefmarken waren die „Zürich 4“ und die „Zürich 6“, benannt nach dem Kanton und dem Wert von vier bzw. sechs Rappen. Der Kanton gab sie im Jahr 1843 mit den Inschriften Local-Taxe bzw. Cantonal-Taxe aus. Diese und andere auf einen einzelnen Kanton beschränkten Briefmarken, darunter die sogenannte „Doppelgenf“ und die „Basler Taube“, verloren einige Jahre nach der Gründung der Schweizerischen Bundespost im Jahr 1849 ihren Wert, da das Unternehmen von Anfang an Briefmarken für die gesamte Schweiz ausgab. Das Ende der sogenannten Regenerationsphase der Schweiz, die von 1830 bis 1848 gewährt hatte, und der Beginn des modernen Bundesstaates hob die weitgehende Autonomie der Kantone laut Bundesverfassung auf.

Streit um die „Correspondenzkarten“

Postkarten sind fast ausschließlich aus rechteckig geschnittenem Karton. Sie sind offen lesbare Nachrichten und ihr Porto aufgrund des Gewichts meist niedriger als das für Briefe. Erste Vorläufer der Postkarten kursierten bereits seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einigen europäischen Städten, zum Beispiel in Paris. In den USA waren private offen verschickte Mitteilungen bereits 1861, im Ausbruchsjahr des Amerikanischen Bürgerkriegs, von Staatsseite aus zugelassen.
Auch in Preußen beförderte der Postdienst seit den 1860er-Jahren sogenannte offene bzw. Drucksachenkarten, die aber wenig privaten Charakter hatten, sondern eher förmliche Bekanntmachungen darstellten und Termine kundgaben. Indes stieß der Vorschlag des Postrats Heinrich Stephan, des späteren Generalpostdirektors und kaiserlichen Geheimrats, im Jahr 1865 auf einer Postkonferenz in Karlsruhe, prinzipiell die seiner Meinung nach praktischen offenen Karten zuzulassen, auf taube Ohren. Begründet wurde die Ablehnung mit drohender Unsittlichkeit, die auf der offenen Lesbarkeit der Mitteilungen beruhe, und Einnahmeeinbußen der Post. Auch zwei Leipziger Buchhändler scheiterten unabhängig voneinander wenig später bei dem Versuch, das Generalpostamt in Berlin von der Einführung von sogenannten „Correspondenzkarten“ zu überzeugen. Heinrich Stephan war es fünf Jahre nach seinem Scheitern als neuer Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes möglich, die Postkarte dort einzuführen – im selben Jahr wie einige andere deutsche Staaten auch.

Revolutionärer Durchbruch

Die Einführung in Österreich

Zu diesem Zeitpunkt war die tatsächliche Einführung einer postamtlich genehmigten „Correspondenzkarte“ andernorts bereits vollzogen worden: Aus ähnlicher Überzeugung wie Stephan, vielleicht aber auch von ihm beeinflusst, hatte der österreichische Gelehrte Emanuel Herrmann den dortigen General-Postdirektor vom Nutzen überzeugen können, mit den Postkarten kurze Nachrichten kostengünstig transportieren zu lassen. Die erste offizielle Correspondenzkarte mit aufgedrucktem Postwertzeichen (eine sogenannte Ganzsachenpostkarte) erschien in der erst zwei Jahre jungen österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie 1869 unter Kaiser bzw. König Franz Joseph I. Wie auf dieser Seite berichtet wird, bestand die erste Postkarte aus einer Adressen- und einer Mitteilungsseite und war, bis auf den Doppeladler, wie die anderen der ersten Jahre bilderlos. Auch die kaiserlichen-und-königlichen Räte befürchteten unsittliche oder gar staatsfeindliche Kommentare. Sie minimierten den möglichen Schaden mit der Postkarten-Aufschrift, dass die Postanstalt keine Verantwortung für die Nachricht übernehme.

Der Höhepunkt des Postkartenwesens

Die österreichisch-ungarische Bevölkerung nahm diese Neuerung dankend an: Bereits im ersten Monat erwarb sie 1,4 Millionen Postkarten. Der internationale Erfolg dieses Mediums in den folgenden Jahrzehnten lag zum Ersten daran, dass das Porto wesentlich günstiger ausfiel als für einen Brief. Zum Zweiten konnten sich die Absender auf die wichtigsten Mitteilungen beschränken. Sich auf Postkarten schriftlich zu äußern, kam demnach für eine breitere Masse der Bevölkerung infrage, als einen Brief aufzusetzen. Zum Dritten sorgte die zunehmende Mobilität mit dem Ausbau der Eisenbahn für rege Mitteilungsbereitschaft aus bislang fern erscheinenden Orten, selbst wenn sich diese meist im Inland befanden. Zum Vierten waren die Karten selbst Massenproduktionen und somit günstig.
Die Schweiz führte ein oder zwei Jahre nach der weltweiten Premiere Postkarten ein. Von 1869 an dauerte es nur einige Jahre, bis mehrere Staaten den Weltpostverein (Universal Postal Union) gründeten (1874/75) – eine weitere Initiative Heinrich Stephans. Diese internationale Organisation machte es bald möglich, die erschwinglichen Postkarten in zahlreiche Länder der Erde zu senden.

Bereits im Jahr 1872 durften auch private Drucker Postkarten mit verschiedenen Motiven in Umlauf bringen. Auf diese mussten die Absender Briefmarken aufkleben. Zugleich setzte das gewerbliche Bemalen oder Bedrucken von Bildern ein. Noch Hitler sicherte sich seinen Lebensunterhalt als Postkartenzeichner. Die umstrittenen Aquarelle oder Zeichnungen des Diktators kommen, wie blick.ch beschreibt, immer wieder unter den Auktionshammer.
Da Stadtansichten schon vor vielen Jahrhunderten bekannt und begehrt waren, kam nach der Einführung der Postkarte die Idee auf, diese zum Beispiel ebenfalls mit Stadtbildern zu zieren. Die Realisierung beim Drucken gestaltete sich zunächst jedoch als zu kostspielig. Abgesehen von einigen Vorläufern, stammt die vielleicht älteste Ansichtskarte laut dieser Auskunft aus dem Jahr 1872 und von einem Nürnberger Künstler. Es handelt sich um einen Stahlstich für einen Züricher Verleger und zeigt dessen Stadt. Bildpostkarten im Lichtdruck, die vor allem die Großstädte porträtierten, kamen im Jahr 1878 in Umlauf und wurden mit der Zeit aufgrund der verbesserten Belichtungs- bzw. Fotografiertechniken zunehmend erschwinglich. Für die frühen Ansichtskarten gilt im Allgemeinen, dass sich das einfarbige Bild auf der Nachrichtenseite befand. Für den Verfasser bedeutete das, über eine möglichst freie Stelle oder quer über die Abbildung zu schreiben.

Die Hochphase der Postkarte setzte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ein, als die mehrfarbigen Chromolithografien für einige Jahre in Mode kamen. Etwa zwanzig Jahre später erschienen die ersten Echtfotopostkarten, zu einer Zeit, als die Postkarten – aus tragischem Anlass – neben dem Brief reißenden Absatz fanden: als Feldpost im 1. Weltkrieg. Die Absender mussten die Fotos nicht mehr beschreiben: Bereits kurz nach der Jahrhundertwende hatte die Postkarte in vielen Ländern den noch heute üblichen Aufbau eingenommen: Adresse, Mitteilung und Briefmarke auf der einen und das Foto/die Grafik auf der anderen Seite.
Eine andere Art Postkarte ist die sogenannte Bildpostkarte. Sie kam zum Beispiel in der Schweiz im Jahr 1923 in Umlauf und zeigte ein kleines Bild auf der Adressseite. Bildpostkarten sind heute aus der Mode gekommen.
Versehen mit verschiedenen Motiven des Alltags oder mit Ansichten exotischer Orte, verschickten etliche Menschen Postkarten nicht nur, um damit vor allem Urlaubs-, teils auch andere Grüße zu senden – sie fanden zudem Gefallen an den Postkarten als Kunstwerk. Verschiedene Philokartie-Vereine entstanden, also Vereinigungen von Postkartensammlern und -forschern. Vor allem der Sammel-, aber auch der Sendeeifer sank allerdings infolge der Weltkriege. Auch danach erreichte die Postkarte trotz der weltweit gesehen zunehmenden Reisemöglichkeiten nicht mehr den Stellenwert, den sie um die Jahrhundertwende genossen hatte.
Heutzutage existieren noch verschiedene Vereinigungen von Philokartisten. Sie stehen der Zahl an Philatelisten und Numismatikern – Briefmarken- und Münzsammlern – insgesamt jedoch nach.

Die neuen Medien – das Ende der Postkarte?

Niedergang der Handschrift

Aufgrund der rasanten Ausbreitung der heutigen Kommunikationsmittel – vor allem E-Mail, Mobilfunk, SMS, MMS, Social Media, Whats App – besonders in den letzten zehn Jahren verliert das Verfassen handschriftlicher Dokumente weiter an Bedeutung. Private Briefe oder Ansichtsportkarten zu verschicken, scheint für viele angesichts der Möglichkeiten digitaler Bild- und Tonerzeugung und -speicherung überflüssig zu werden. Die neuen Medien frühzeitig zu beherrschen, spielt eine derart große Rolle, dass das Erlernen der Schreibschrift im Schulwesen verschiedener Länder, wie unter raabverlag.ch erklärt wird, nur noch Nebensache ist oder sogar der Vergangenheit angehören soll. Und das trotz der Gefahr, die laut einigen Hirnforschern mit ausbleibender Schreibschrift für die Entwicklung motorischer Fähigkeiten verbunden sein kann.
Das folgende Diagramm belegt den geringen Anteil handschriftlicher Dokumente an der zwischenmenschlichen Kommunikation, wenngleich „handgeschriebene Briefe“ bei Schweizer Jugendlichen danach in den letzten Jahren ihren genauen prozentualen Anteil in etwa beibehalten konnten:

 Neue Perspektiven

Internet-Postkarten

In einigen Bereichen des Alltags zeichnet sich eine mehr oder weniger bewusste Abwendung von dessen Schnelllebigkeit ab. Das zeigt sich etwa in der Suche nach Ländlichkeit, beim Kauf von Möbeln im sogenannten Vintage-Stil oder anderer nostalgischer Dinge. In diesem Zusammenhang haben der Brief und die Postkarte durchaus die Möglichkeit, als kreativ-künstlerische Alternative zu den elektronischen Nachrichtenarten breitgefächert fortzubestehen.
Mit innovativen Ideen, zum Beispiel gewieften Klapptechniken, stimulieren nicht nur Verlage und Druckereien die Kunden zum Griff zur Postkarte. Auch die Post geht mit verschiedenen Mitteln auf die Veränderungen im Nachrichtenwesen ein. Sie nutzt die Möglichkeiten der neuen Medien, kombiniert diese mit den herkömmlichen Wegen der Nachrichtenübertragung oder setzt auf ausgefallene Produkte, um das Interesse neuer Kunden am Brief und der Postkarte zu wecken. Briefmarken etwa können in verschiedenen Ländern seit Jahren individuell kreiert und genehmigt werden, aus verschiedenen Stoffen gefertigt sein; sie haben mitunter einen 3-D-Effekt oder sind sogar mit Duftstoffen angereichert. Die Schweizerische Post hat 2005 erstmals Briefmarken ausgegeben, deren Motive Privatpersonen als MMS eingesendet hatten. Detaillierte Informationen zum beliebten Wettbewerb zum Thema „Swiss mobil - Ein Land unterwegs" finden Interessierte in diesem Beitrag.
Die alten Medien profitieren durchaus von den Mobilfunk- und Internetprovidern, die ihrerseits den Wunsch vieler Kunden nach individueller Post unterstützen. So können User beispielsweise eigene Bilder auf eine Anbieterseite hochladen oder auch dort vorhandene Motive auswählen, bearbeiten und als Postkarte bestellen bzw. versenden.

Mobilfunk-Möglichkeiten

In dieser Weise funktioniert auch die Postkartenproduktion via Smartphone-App oder MMS. Die gewünschten Motive, der Text und die Anschrift finden, zuvor zu den Anbietern, darunter auch der Post selbst, hochgeladen, als Postkarte auf dem üblichen Weg in den Briefkasten des angegebenen Empfängers. Zu den Möglichkeiten der sogenannten A-Post bietet sich ein Blick auf diese Seite an.
Das Problem, keine Briefmarke zur Hand zu haben, kann heutzutage jederzeit gelöst werden – wenn ein Smartphone bereitliegt. Die Anwender haben dazu lediglich eine SMS mit dem Text MARKE an 414 zu senden und den daraufhin erhaltenen Code – handschriftlich – auf den Briefumschlag zu schreiben. Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Schweizerischen Post.

Aussagekräftige Relikte – Die historische Bedeutung der Postkarte

Abgrenzung zur Glückwunschkarte

Im Gegensatz zu Postkarten sind Glückwunschkarten bereits für die alten Ägypter, in Europa für die vergangenen fünf Jahrhunderte nachgewiesen. Sie finden aufgrund der zahlreichen Anlässe häufiger Anwendung als die Postkarte, übermitteln Grüße und Glückwünsche: zu religiösen Feiertagen, zum Geburtstag, zu einer bestandenen Prüfung, zum neuen Jahr, zur Hochzeit bzw. in einem Todesfall. Einen besonderen Status haben Trauerbekundungen.
Wie der Brief boten und bieten die kuvertierten Glückwunschkarten die Möglichkeit, der Öffentlichkeit unzugängliche Mitteilungen zu verschicken. Dies stellte sich besonders im Leben in Diktaturen und verschärfter Zensur als sicherer heraus als mit „offenen Karten zu spielen“.

Wertvolle historische Quelle

Städteentwicklung

Die inhaltliche Vielfalt der Postkarten macht sie vor allem für Historiker zu einem wichtigen Instrument, um die vergangenen Epochen im Detail zu rekonstruieren. Das betrifft zum Beispiel urbane Entwicklungen. Die bereits erwähnten Stadtansichten, die Künstler als Auftragsarbeit oder auch aus freien Stücken schufen, zollen der jeweiligen Stadt auch nach Jahrhunderten noch Tribut: Sie geben den Nachkommen teils wertvolle Auskunft darüber, wie sich die Stadt entwickelt hat, den einstigen Standpunkt oder das Alter eines bestimmten Bauwerks, spätere Überbauungsmaßnahmen und andere Fragen von historischem Interesse.

Feldpost

Auch zur exakten Datierung einzelner Ereignisse können Postkarten zuverlässig beitragen. Es kann sich auch um eine direkte oder indirekte – teils auch ironische – Bemerkung des Verfassers zum politischen, kulturellen oder wirtschaftlichen Zeitgeschehen handeln. Deren Bedeutung zu entschlüsseln, bedarf mitunter einer genauen Kenntnis auch der damaligen Denkweise und Mentalität. Auch darüber geben die Mitteilungen auf den Postkarten oft unentbehrliche Auskünfte. Sie geben beispielsweise Einblick in die Sorgen der Soldaten um die eigene Person und die Daheimgebliebenen. Bereits zum Zeitpunkt der Einführung der Postkarten machten die Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 rege von den Karten Gebrauch. Im 1. Weltkrieg, der das Ende der Hochphase der Postkartenproduktion einleitete, wurden zigtausende Postkarten verschickt. Über die Feldpost als Spiegel des damaligen Alltags berichtet dieser Beitrag.

Wirkungsvolles Propagandamittel

Besonders Regime und Kriegsgegner missbrauchten unter anderem auch Postkarten, um

  • die eigene Position/Partei zu stärken
  • einen regelrechten Personenkult zu schaffen
  • Feindbilder zu schaffen und zu verstärken

Untermauert wurden die Ziele entweder durch heroisches Gebaren der zu fördernden Person oder Gemeinschaft, Kriegsverherrlichung, oft Rassismus, die bildliche und schriftliche Ängstigung der Öffentlichkeit vor dem jeweiligen Feind, durch Hetzparolen oder Karikaturen und Zynismus. So extrem Propagandapostkarten auch gestaltet sein können, so sehr haben sie doch historische Aussagekraft und bieten Einblicke in die politisch-kulturellen Ideologien der jeweiligen Epoche.

Fazit

Die Postkarte hat gute Aussichten, trotz des Rückgangs als Medium fortzubestehen: Ihre Stärken liegen in ihrer individuellen Aussagekraft und vor allem aufgrund der Handschrift in der persönlichen Nähe zwischen Absender und Empfänger. Mit einem ansprechenden Foto, einer raffinierten Form oder einem situationsabhängig geeigneten witzigen Spruch sowie einer emotionalen Botschaft hat die Postkarte im Briefkasten das Potenzial, viele Empfänger mehr als eine Nachricht im elektronischen Postfach zu erfreuen.
Nicht nur im Privatleben – auch zwischen Geschäftspartnern, im sogenannten Business-to-Business-Bereich, sorgt die bestätigende, informierende oder grüßende Handschrift für besondere Nähe und das wichtige Vertrauen. Und nicht zuletzt bleibt die handschriftliche Notiz immer noch das schnellste Mittel, um wichtige Daten zu erfassen. Es überrascht nicht, dass zu den aktuell beliebtesten Werbegeschenken unter anderem nicht nur Powerbanks für Smartphones, sondern auch – als der Dauerrenner schlechthin – der Kugelschreiber zählt. Beide Produkte stehen Pate für die elektronische bzw. handschriftliche Kommunikation, die einander schwächen, aber auch unterstützende Wirkung haben können.

(Redaktion)


 


 

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