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Ratingagenturen

Entscheider über Wohl und Wehe

Griechenland vor dem Ruin, Italien finanziell am Abgrund. Nachrichten wie diese fußen auf den Urteilen so genannter Ratingagenturen. Weltweit die wichtigsten sind Standard & Poor's (S&P) sowie Moody's und Fitch.

Ratingagenturen haben nicht nur die Zahlungsfähigkeit ganzer Staaten im Blick. Auch große Unternehmen und Banken werden von den Spezialisten auf ihre Kreditwürdigkeit hin überprüft. Das Bewertungsprinzip folgt den Schulnoten, statt Zahlen kommen allerdings Buchstaben zum Einsatz. Die Bestnote ist ein dreifache A, also „AAA“, über „AA“ und „A“ geht es weiter bis zum einfachen „D“. Dann ist Schluss auf der Skala, und auch für den so bewerteten, denn es bedeutet nichts anderes als zahlungsunfähig. Momentan liegt Griechenland auf dem Level „CCC“.

Nur, wie aussagekräftig ist eine solche Einschätzung? Diese beruht selbstverständlich auf den wirtschaftlichen Fakten, es fließt aber auch immer die persönlich Ansicht des Bewertenden in die Note mit ein. Allerdings bleibt die Frage, in welchem Maße? Fakt ist, dass die Agenturen auch etwas zur Bonität des Kunden sagen – ist die eher im Keller angesiedelt, wird es schwer, frisches Kapital zu besorgen.

Die Buchprüfer der Regierungen

Man kann sich die Gesandten der Ratingagenturen durchaus als Buchprüfer vorstellen, die mal eben einen Blick in die Regierungskassen werfen. Über eine Vielzahl von Rechenmodellen gelangen die Spezialisten zu ihren Bewertungen – die auch schon mal gänzlich daneben liegen können. So wurde im Vorfeld des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarktes 2008 nicht vor Hypothekenanleihen gewarnt.

Die Macht der Ratingagenturen, gegeben dadurch, dass Standard & Poor's, Moody's und Fitch den Weltmarkt quasi unter sich aufteilen, wird zunehmend als problematisch empfunden. Ihren Unmut äußerte etwa EU-Kommissarin Viviane Reding im Gespräch mit der „Welt“. „Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen“, so Reding, die in Sachen Ratingagenturen mehr Transparenz und Wettbewerb anmahnt.

Der Einfluss Europas auf die Großen Drei, allesamt in New York beheimatet, ist gering. Der Ruf nach weiteren Ratingagenturen etwa in Asien und Europa wird laut. Dass ein Kartell aus drei US-Bewertern über das Wohl und Wehe von Volkswirtschaften in anderen Teilen der Welt entscheidet, muss endlich ein Ende haben, so Reding.

(FN)


 


 

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