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Verliebt in eine Frankfurter Sopranistin

200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy am 3. Februar

Die "Mendelssohnruhe" liegt verborgen im Stadtwald. Ein Findling aus Syenit erinnert daran, dass hier im Sommer 1839 ein Fest zu Ehren von Felix Mendelssohn Bartholdy gefeiert wurde. Der Gedenkstein ist heute das einzige sichtbare Zeichen einer langen und innigen Beziehung zwischen dem am 3. Februar 1809 geborenen Musiker und der Stadt am Main.

Im Jahr 1822 gastierte Felix Mendelssohn Bartholdy erstmals in Frankfurt. Das dreizehnjährige Wunderkind und seine vier Jahre ältere Schwester Fanny lösten mit ihrem Klavierkonzert im Musiksaal des Cäcilienvereins beim Publikum regelrechte Begeisterungsstürme aus. Damals begann auch des Musikers lebenslange Freundschaft mit dem Gründer und Leiter des Cäcilienvereins, Johann Nepomuk Schelble (1789-1837). Noch im selben Jahr widmete der jugendliche Komponist dem Chor von seinem Wohnort Berlin aus die Motette "Jube Domine", ein Jahr später ein achtstimmiges "Kyrie".

Kompositionen für den Frankfurter Cäcilienverein

Frankfurt taucht fortan regelmäßig in den Reiseplänen des am 3. Februar 1809 in Hamburg geborenen Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy auf. Nach Stippvisiten in den Jahren 1825 und 1827 wohnte er 1831 für längere Zeit bei Schelble an der Schönen Aussicht. Er nahm oft an den Proben des Cäcilienvereins teil und war voll des Lobes über dessen Qualität: "Die Leute singen mit so viel Feuer und so zusammen, dass es eine Freude ist."

Daher komponierte er während seines Frankfurt-Aufenthaltes nicht nur das Lied "Es ist ein Schnitter, der heißt Tod" für den Chor, sondern begann ein Jahr später mit dem ihm ebenfalls zugeeigneten Oratorium "Paulus". Die Arbeit daran zog sich bis ins Jahr 1835. Da Schelble aus gesundheitlichen Gründen das Werk nicht mit dem Cäcilienverein einstudieren konnte, wurde es schließlich im Mai 1836 in Düsseldorf uraufgeführt.

Ein gar zu nettes Mädchen

 Als Mendelssohn im Sommer desselben Jahres nach Frankfurt kam, um den schwerkranken Schelble als Dirigent zu vertreten, lernte er die acht Jahre jüngere Cécile Charlotte Sophie Jeanrenaud kennen, Sopranistin im Cäcilienverein. Ihr verstorbener Vater war von 1810 bis 1817 Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde Frankfurts gewesen. Mit der Mutter und drei Geschwistern lebte sie im Hause Souchay, der Familie ihrer Großeltern mütterlicherseits, in der Alten Mainzer Gasse am Fahrtor.

Cécile wird von Zeitgenossen einhellig als schön und anmutig beschrieben, ihr Umgang als "wohltuend ruhig, so erquickend wie die reine Himmelsluft oder das frische Quellwasser" (Sebastian Hensel, Mendelssohn-Biograph). Der Komponist schrieb am 24. Juli 1836 an seine Schwester Rebecca: "Ich bin so entsetzlich verliebt, wie noch niemals in meinem Leben, und ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Übermorgen soll ich von Frankfurt abreisen, mir ist aber, als kostete das den Hals, ich will in jedem Fall vor Leipzig wieder hier sein, um dies gar zu nette Mädchen noch einmal zu sehen, aber ob sie sich etwas aus mir macht, das weiß ich eben gar nicht."

Das tat sie zum Glück, und so verlobte sich das Paar am 9. September 1836. Hochzeit am Goetheplatz Der Heirat standen auch keine religiösen Gründe entgegen. Denn obwohl Felix’ Großvater der berühmte jüdische Philosoph Moses Mendelssohn war - Lessings Vorbild für die Titelfigur von "Nathan der Weise" -, war er zusammen mit seinen Geschwistern protestantisch getauft worden. 1822 konvertierten auch seine Eltern, Abraham und Lea Mendelssohn. Seitdem führte die Familie den Doppelnamen Mendelssohn Bartholdy.

Die Trauung fand am 28. März 1837 in der französisch-reformierten Kirche am Frankfurter Goetheplatz statt und war ein großes gesellschaftliches Ereignis. Das Paar führte eine glückliche Ehe, aus der fünf Kinder hervorgingen, die alle in Leipzig, Mendelssohns Hauptwirkungsstätte von 1835 bis 1841, zur Welt kamen. Im Laufe der Jahre entwickelte Felix eine enge Verbindung zur Familie seiner Gattin, weswegen es ihn immer wieder an den Main zog.

In Frankfurt und während seiner Kuraufenthalte in Bad Soden fand er die nötige Ruhe zur Komposition und arbeitete an mehreren zentralen Werken wie dem Violinkonzert e-moll, dem Zyklus der sechs Orgelsonaten und Teilen des Oratoriums "Elias".

Schmelz und Reiz beim Waldfest 1839

Mendelssohn liebte die Tradition des Frankfurter Wäldchestags und ging gern im Stadtwald spazieren, der ihn zu manchen seiner Lieder inspirierte. Um dem Musiker eine besondere Freude zu machen, arrangierte man am 19. Juni 1839 für ihn ein Konzert auf einer Lichtung nahe der Oberschweinstiege, bei dem seine "Sechs Lieder im Freien" uraufgeführt wurden.

Der Geehrte war zutiefst gerührt. In einem Brief an seine Mutter heißt es: "Das Schönste, was ich in meinem Leben bis jetzt von Gesellschaften gesehen habe, war ein Fest im Walde hier, weil es einzig in seiner Art war. (...) Wie lieblich da der Gesang klang, wie die Sopranstimmen so hell in die Luft trillerten, und welcher Schmelz und Reiz über dem ganzen Tönen war, alles so still und heimlich und doch so hell - das hatte ich mir nicht vorgestellt. (...) Nun weiß ich erst, wie Lieder im Freien klingen müssen."

Das jähe Ende

Noch mehrfach fand Felix Mendelssohn Bartholdy in den folgenden Jahren den Weg in die Heimatstadt seiner Frau. Beim letzten Aufenthalt im Mai 1847 erreichte ihn hier die Nachricht vom Tod seiner Schwester Fanny, zu der er ein besonders enges Verhältnis hatte. Sie war völlig unerwartet an den Folgen eines Hirnschlags gestorben. Von diesem Schock erholte er sich nicht mehr. Er starb am 4. November desselben Jahres auf dem Höhepunkt seines Ruhmes mit nur 38 Jahren. Seine Frau kehrte bald darauf nach Frankfurt zurück, wo sie zusammen mit ihren Töchtern im Hause ihrer Mutter lebte. Sie starb am 25. September 1853 und wurde auf dem Hauptfriedhof begraben; die Grabstätte ist erhalten und wurde vor einigen Jahren renoviert.

Autorin: Silke Wustmann

Fotograf: Rainer Rüffer

(Redaktion)


 


 

Felix Mendelssohn Bartholdy
Mendelssohn
Frankfurt am Main

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