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45 000 Menschen bei Großveranstaltung der IG Metall

(bo/ddp-hes). Der Leiharbeiter Claus Hartmann betritt die Bühne mitten in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main. Hinter ihm stehen seine Kollegen, um ihn herum und auf den Zuschauerrängen des Stadions drängen sich 45 000 Menschen. Trotzdem ist die Stimme von Hartmann fest, als er ins Mikrofon spricht. Der in einer Augsburger Firma tätige Leiharbeiter ist einer von sieben Rednern, die am Samstag auf einer Großveranstaltung der IG Metall ihre Lebenssituation und ihre Probleme schildern. Die Gewerkschaft will drei Wochen vor der Bundestagswahl bewusst die Menschen zu Wort kommen lassen - und nicht die Politiker.

Hartmann berichtet von der Angst, seine Familie nicht mehr ernähren zu können. Ständig fürchte er, seinen Job zu verlieren. Schlechte Bezahlung sei normal in der Branche. «Meine Familie verliert dadurch ihr soziales Umfeld», sagt er. Auch Hobbys könnten sie sich nicht mehr leisten. Sein ernstes Gesicht wird groß auf allen Leinwänden im Stadion gezeigt, seine kurze Rede ist per Lautsprecher bis zu den Würstchenbuden vor der Arena zu hören. Der Beifall ist so laut, dass der Anfang des nächsten Redebeitrags kaum zu verstehen ist. Immer wieder während der rund dreieinhalbstündigen Veranstaltung hallen Sprechchöre durch das Stadion: «Was wollt ihr?», ruft ein Teil. «Gute Arbeit», schallt es zurück.

Auf dem Rasen der Arena sind sonst die Spieler von Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt aktiv. Jetzt fordert hier IG-Metall-Chef Berthold Huber lautstark einen Kurswechsel in Politik und Wirtschaft. Deutlich spricht sich Huber gegen eine Koalition aus Union und FDP aus, wettert vor allem gegen die Liberalen: «Die FDP will den Sozialstaat weghauen und wer das will, gehört sofort vom Platz gestellt.» Aus der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren könne es nur eine Lehre geben: Die neoliberale Politik müsse entsorgt werden, ruft Huber in das Mikrofon - und die Menschen auf den Rängen antworten mit tosendem Applaus. Der Gewerkschaftschef kündigt an, dass es vor der Bundestagswahl noch weitere Aktionstage geben werde.

Für die IG Metall ist eine Veranstaltung in einem Fußballstadion eine neue Erfahrung. «Die Leute sind mitgerissen von der Atmosphäre, das merkt man», sagt ein Gewerkschaftssprecher. Das liege auch an dem vielfältigen Programm, am Nachmittag steht Musiker Bob Geldof auf der Bühne. Aus ganz Deutschland sind die Menschen mit etwa 1000 Bussen und zehn Sonderzügen angereist. Ein Bus aus Flensburg fuhr nach Angaben der IG Metall bereits um 3.00 Uhr los, um pünktlich in Frankfurt zu sein. Bereits am Morgen hatten sich rund 10 000 junge Menschen zu einer Kundgebung vor der Alten Oper in der Innenstadt versammelt. Sie forderten ein Recht auf Ausbildung und spätere Übernahme in feste Arbeitsverhältnisse.

Doch auch ältere Menschen bangen in der Krise um ihren Job: Unter den Teilnehmern im Stadion tragen viele gelbe T-Shirts, auf denen der Schriftzug des Autobauers Opel prangt. Ein Opelaner sagt, er sei aus Kaiserslautern angereist: «Ich hoffe auf Rückendeckung von der IG Metall." Die Situation im Werk sei momentan unerträglich: «Was alles mit Opel passieren soll, erfahren wir nur aus den Medien.«

Während auf der Bühne der Rapper Samy Deluxe steht und über die Lage in Deutschland singt, erholen sich die Rentner Dietmar Zwerenz und Claude Walldorf aus Wetzlar vor dem Stadion bei einer Apfelschorle. Die Idee mit dem Stadion finde er gut, sagt Zwerenz. Bei so einer Großveranstaltung würden viel mehr Menschen angesprochen als sonst. «Ob das immer in der Lautstärke sein muss, sei mal dahingestellt», fügt er hinzu. Trotzdem sei er sehr froh über die große Resonanz. Es sei gut, dass die Menschen sich engagierten und die Öffentlichkeit davon erfahre. Sein Kollege nickt und pflichtet ihm bei.

(Redaktion)


 


 

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