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Hinweise und Anregungen

Abgeltungssteuer

In diesem Artikel finden Sie Anregungen und Hinweise zur Abgeltungssteuer 2009; zusammengestellt von Steuerberater Thomas Ewald-Wehner, Karlstraße 7, 61130 Nidderau.

Allgemeines:

Die Erträge aus Kapitalanlagen werden ab 1.1.2009 linear mit 25% (plus 5,5% Soli plus 9% Kirchensteuer) der Einkommensteuer unterworfen. Diese 25% „Abgeltungssteuer“ hat Abgeltungswirkung. Sie begünstigt Steuerpflichtige mit einem Steuersatz von über 25%.

Ziele und Hintergründe für die Einführung der Abgeltungssteuer:

Regierungsoffiziell werden angeführt:
1. erhebliche steuerliche Entlastung
2. drastische Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens von Kapitaleinkünften
3. Kapitalvermögen aus dem Ausland soll durch die Neuregelung in die BRDeutschland zurückfließen

System der „Abgeltungssteuer“

Rechtstechnisch handelt es sich um eine „Kapitalertragsteuer“. Mit der „Abgeltungssteuer“ wird ein Sondertarif eingeführt, der linear einheitlich 25% beträgt (+ 5,5% Solidaritätszuschlag (Einbehalt dann 26,375% - „Schedulenbesteuerung“) plus etwaiger Kirchensteuer (in Hessen 9%)). Sie ist als „relative“ Abgeltungssteuer mit Veranlagungsoption konzipiert. Es werden private Zinsen, Dividenden, Gewinne aus der Veräußerung von Kapitaleinlagen einheitlich mit 25% besteuert.

Bemessungsgrundlage: Bruttoerträge bzw. Veräußerungsgewinn
minus Sparer-Pauschbetrag
= zu versteuern (grundsätzlich ist kein Werbungskostenabzug ab 2009 mehr möglich!)

„Bestandschutz“ gibt es für vor 2009 angeschaffte Finanztitel, die ab 2009 veräußert werden.

a) partielle Hinwendung zur Bruttobesteuerung
b) einheitliche Behandlung der unterschiedlichen Kapitalanlageformen
c) Werbungskosten werden generell nicht mehr berücksichtigt
d) Einkünfte werden mit einem einheitlichen Steuersatz von 25% besteuert
e) in vollem Umfange werden realisierte Vermögenszuwächse im Privatvermögen – unabhängig von der Haltedauer z.B. einer Aktie – der Besteuerung unterworfen
f) für Dividenden etc. gibt es kein „Halbeinkünfteverfahren“ mehr
g) bei betrieblichen Zinseinkünften gibt es jetzt das „Teileinkünfteverfahren“
h) der Verlustausgleich ist eingeschränkt
i) es gibt die Möglichkeit einer „Veranlagungsoption“
j) weniger Veranlagungen, wenn nicht die „Veranlagungsoption“ gewählt wird
k) Erklärungsvordrucke 2009 sollen für den Steuerpflichtigen, der die Veranlagung wählt, einfacher und verständlicher gestaltet sein

Kapitalertragsteuerabzug

Die auszahlende Stelle (i.d.R. die Hausbank) nach § 44 (1) EStG nimmt den 25%tigen Steuerabzug vor. Eine Steuerbescheinigung, die für die „Veranlagungsoption“ bedeutsam ist, wird nur noch auf Verlangen des Anlegers (und wohl nur noch gegen Entgelt) gefertigt.

Abstandnahme vom Steuerabzug (gem. § 44 a EStG)

Nur in folgenden Fällen wird vom Steuerabzug abstand genommen:

1. im „Freistellungsverfahren“ bis 801 € bei Ledigen und 1.602 € bei Verheirateten
2. „NV-Verfahren“ – der Steuerpflichtige legt dem Kreditinstitut eine vom Finanzamt ausgestellte „Nichtveranlagungsbescheinigung“ vor, so dass die laufenden Einkünfte nicht der Besteuerung unterworfen werden.
3. steuerbefreite und öffentlichrechtliche Körperschaften
4. etc.

Gewinnermittlung bei Veräußerungstatbeständen

Wertpapiere, die ab 2009 angeschafft und dann auch verkauft werden (unabhängig von der Haltedauer), sind steuerlich wie folgt zu behandeln:

Veräußerungsgewinn - § 20 (4) EStG
Einnahmen aus der Veräußerung
minus Veräußerungskosten
minus Anschaffungskosten (incl. Anschaffungsnebenkosten)
= Gewinn / Verlust

Der Gewinn wird durch die „auszahlende Stelle“ (der Hausbank) der Abgeltungssteuer unterworfen.

Verlustverrechnung

Grundfall: Verbleibende positive Kapitaleinkünfte
minus Altverluste i.S.v. § 23 EStG
minus sonstige Verluste
= Einkünfte aus Kapitalvermögen

Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden (Verlustausgleichsverbot mit positiven Einkünften aus anderen Auskunftsarten). Verluste aus Aktienverkäufen dürfen nur mit Gewinnen aus Veräußerungen von Aktien ausgeglichen werden. Es gibt keinen „Verlustrücktrag“ in das vorhergehende Jahr. Der „Verlustverrechnungstopf“ – bzw. Verlustverrechnung erfolgt grundsätzlich durch die Bank, die auch die Kapitalertragsteuer einbehält.

„Spekulations-Verluste“ aus privaten Veräußerungsgeschäften bis 31.12.2008

„Alterverluste“ aus 2008 dürfen verrechnet werden mit:

1. Spekulationsgewinnen nach § 23 EStG n.F.
2. mit Veräußerungsgewinnen nach § 20 (2) EStG (allerdings nur bis 31.12.2013)

Nach 2013 können nur noch neue Spekulationsverluste gegen neue Spekulationsgewinne verrechnet werden.

Kirchensteuerabzug

Wenn der Steuerpflichtige einer Kirche (ev./rk.) angehört, besteht ein Wahlrecht:

1. auch die Kirchensteuer wird wie die proportionale Abgeltungssteuer und der Soli. durch die Bank einbehalten (Kirchensteuereinbehalt durch die auszahlende Stelle mit Abgeltungswirkung (vgl. § 51 a (3) EStG) - mit ´integriertem Sonderausgabenabzug` - Beispiel – siehe unten!) oder
2. es erfolgt eine Veranlagung durch das Finanzamt im Rahmen der Einkommensteuerklärung (Veranlagung der Kirchensteuer)

Hinweis: Aus Praktikabilitäts- und Vereinfachungsgründen sollte der Bank (vorab) die Kirchenzugehörigkeit mitgeteilt werden. Die Veranlagung der Kirchensteuer im Rahmen der privaten Einkommensteuer-Erklärung ist vergleichsweise aufwändig! Der Kirchensteuerabzugsverpflichtete haftet für den Abzug der Kirchensteuer.

Veranlagungspflicht / Veranlagungswahlrecht

Die Veranlagungspflicht gilt für Erträge, die nicht dem Kapitalertragsteuerabzug unterlegen haben, weil z.B. die auszahlende Stelle sich im Ausland befindet (es gilt auch hier der Abgeltungstarif von 25%).

Antragswahlrecht (Antragsveranlagung) ist sinnvoll, wenn der Sparer-Pauschbetrag z.B. nicht voll beansprucht wurde; wenn die persönliche Einkommensteuer unter 25% (sog. Günstigerprüfung); wenn eine Verlustverrechnung aus anderen Einkunftsarten möglich ist.

Hinweis: Bei Rentnern könnte sich der Altersentlastungsbetrag und bei Arbeitnehmern der sog. „Härteausgleich“ vorteilhaft auswirken ...

Das Bundesfinanzministerium informiert im Internet

Unter www.bundesfinanzministerium.de informiert das Bundesministerium der Finanzen über die Abgeltungssteuer. Mehrere Beiträge sind erfasst: Z.B. „Abgeltungssteuer – Ausführungen für Jedermann zur Abgeltungssteuer“ (19 Fragen werden verständlich und nachvollziehbar beantwortet) bzw. „Die Abgeltungssteuer von A –Z“ (kurz aber erschöpfend werden die vorgehaltenen Stichworte abgearbeitet!).

Neuer „Sparer-Pauschbetrag“ - § 20 (9) EStG n.F.

Nachfolgend der neue Gesetzestext: „Bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist als Werbungskosten ein Betrag von 801 Euro abzuziehen (Sparer-Pauschbetrag); der Abzug der tatsächlichen Werbungskosten ist ausgeschlossen.“

Ergebnis: Der „alte“ Sparer-Freibetrag (750 €) und der „alte“ Werbungskosten-Pauschbetrag (51 €) werden zum „neuen“ Sparer-Pauschbetrag (= 801 €) zusammengefasst. Damit ist der Ansatz der tatsächlichen Werbungskosten ab 2009 ausgeschlossen. Bei Verheirateten verdoppelt sich der Sparer-Pauschbetrag auf 1.602 €. Die Regelungen zur Übertragung des Sparer-Pauschbetrages unter Ehegatten wird fortgeführt.

Hinweis: Gegebenenfalls können Werbungskosten in das Jahr 2008 vorgezogen werden?!

Steuerbescheinigung / Jahresbescheinigung

Mit der Einführung der Abgeltungssteuer entfällt die Jahresbescheinigung über Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne aus Finanzanlagen. Die notwendigen Informationen über den Steuerabzug und eventuell verbleibende Verluste werden bei Bedarf von der Bank nach Ablauf des Kalenderjahres in einer Steuerbescheinigung ausgewiesen.

Folgende Hinweise zum Umgang mit der Abgeltungssteuer können vorab gemacht werden:

Generell:

Das „Abgeltungsgeschäft“ der Banken ist durch die Finanzmarktkrise ´verhagelt` worden. Vorsicht ist auch jetzt geboten, wenn Finanzinstitute „abgeltungssichere“ Geldanlagen anbieten. Die Entscheidungen sollten nicht überhastet getroffen werden. Verbraucherberatung, Steuerberater etc. sollten konsultiert werden. Anlagekriterium sollte nicht die Abgeltungssteuer sein. Vielmehr sollten folgende Anlagekriterien berücksichtigt werden:

a) Verfügbarkeit (Liquidität)
b) Lebensplanungsaspekte
c) Risikovermeidung

Wertpapiere der Bundesrepublik Deutschland (Bundeswertpapiere) und Termingelder sollten gehalten werden (also kein Umschwenken auf Banktitel, Bankzertifikate etc.!). Gegebenenfalls könnte die Termingeld-/Tagesgeldanlage optimiert werden.

Nutzung der Freistellungserklärung durch Ausschöpfung des Sparer-Pauschbetrages

Von den Kapitaleinkünften ab 2009 kann sich jeder Steuerpflichtige durch den Sparer-Pauschbetrag bis zu einem Betrag von jährlich 801 € sich (anteilig) steuerfrei stellen lassen. Hierzu muss die Freistellungserklärung ( Freistellungsauftrag gem. § 44 a EStG) vorab zielgenau bei der Hausbank eingesetzt werden. Bei Verheirateten und Zusammenveranlagung verdoppelt sich der Sparer-Pauschbetrag auf 1.602 €. Nicht mehr genutzte Freistellungsbeträge sollten konsequent rückgängig gemacht werden.

Nutzung der Nichtveranlagungsbescheinigung

Daneben gibt es vor allem für Rentnerinnen und Rentner auch die Möglichkeit sich durch eine „Nichtveranlagungsbescheinigung“ („NV-Bescheinigung“) von der Abgeltungssteuer befreien zu lassen. Hierzu muss eine Bescheinigung beim zuständigen Finanzamt beantragt und der Hausbank vorgelegt werden. Diese „NV-Bescheinigung“ wird gewährt, wenn das jährliche zu versteuernden Einkommen bei Ledigen jährlich unter dem Jahressteuerfreibetrag von 7.664 € und bei Verheirateten unter 15.329 € liegt.

Werbungskosten in das Jahr 2008 vorziehen

Sofern es für Steuerpflichtige möglich ist, sollten Werbungskosten, die in 2009 anfallen, in das Jahr 2008 vorgezogen werden. Im Jahr 2008 ist neben dem „Sparer-Freibetrag“ für Ledige in Höhe von 750 € (Verdoppelung auf 1.500 € für Verheiratete) der volle Werbungskosten-Abzug noch möglich!

Kirchensteuer und „Abgeltungssteuer“

Nach § 32 d (1) Satz 3 EStG mindert sich die Abgeltungssteuer um 25% der auf die Kapitalerträge entfallenden Kirchensteuer. In Hessen beträgt der Steuersatz 9%. Sinn der Regelung ist es, die Kirchensteuer als (steuermindernde) Sonderausgabe im Rahmen der Festsetzung der Abgeltungssteuer pauschal zu berücksichtigen. Bei der neuen Regelung handelt es sich hierbei letztlich um einen „integrierten Sonderausgaben-Abzug“ der Kirchensteuer. Die Abgeltungssteuer wird so gemindert. Die Formel für die Errechnung der Abgeltungssteuer unter Berücksichtigung des Kirchensteuerabzuges lautet gem. § 32 d EStG:

Formel:
(einkommensteuerliche) Kapitaleinkünfte : (4 + Kirchensteuersatz)
(in Hessen = Kapitaleinkünfte : 409/100)
Beispiel:
Ein Lediger erzielt Zinseinnahmen in Höhe von 4.801 € jährlich (z.B. in 2009). Er ist Mitglied der evangelischen Kirche Ostheim/Nidderau (Hessen) – Kirchensteuersatz damit 9%.
Zinseinnahmen 4.801 €
- Sparer-Pauschbetrag - 801 €
Kapitaleinkünfte 4.000 €
Die Abgeltungssteuer beträgt 978 € ( = 100 x 4.000 € : 409). Ohne Berücksichtigung des „integrierten Kirchensteuerabzuges“ hätte die Abgeltungssteuer 1.000 € betragen.

Die Hausbank hat keinen Anspruch darauf, vom Anleger zu erfahren, welcher Kirche er angehört. Der Kirchenangehörige ist aber berechtigt, die Kirchenzugehörigkeit zu benennen. Sollte die Hausbank nach der Kirchenzugehörigkeit fragen, empfehle ich, diese mitzuteilen. Nur dann kann auch der „integrierte Kirchensteuerabzug“ vorgenommen werden. – Sollte nämlich – trotz Kirchen-Zugehörigkeit – bei der „Abgeltungssteuer“ die Kirchensteuer als Folgesteuer nicht berücksichtigt werden, ist dies ein Vorgang, der im Steuerstrafrecht anzusiedeln ist. Sollte es später dann zu entsprechenden „Korrekturen“ kommen, wird es kompliziert und aufwendig.

Gewinneinkünfte verdrängen Kapitaleinkünfte

Einkünfte aus Kapitalanlagen im Betriebsvermögen führen zu Einkünften aus

a) Land- und Forstwirtschaft
b) Gewerbebetrieb oder
c) Freiberuflicher Tätigkeit

Die Gewinneinkünfte verdrängen die Kapitaleinkünfte. § 20 EStG (=Einkünfte aus Kapitalvermögen) ist subsidiär ...

Hinweis: Das hat 3 Folgen:

1. keine Abgeltungssteuer
2. keine Abgeltungswirkung
3. Teileinkünfteverfahren

1. Keine Abgeltungssteuer

Die Einkünfte aus Kapitalanlagen im Betriebsvermögen unterliegen dem persönlichen Einkommensteuersatz des Inhabers/der Inhaberin.

2. Keine Abgeltungswirkung

Die Kapitalertragsteuer wird wie bisher auf die Einkommensteuer angerechnet. Sie hat daher keine Abgeltungswirkung. Der Inhaber der Kapitalanlage im Betriebsvermögen kann seine Aufwendungen als Betriebsausgaben abziehen, allerdings nur mit 60%, z.B. Schuldzinsen.

3. Teileinkünfteverfahren

Das alte Halbeinkünfteverfahren wird für Anteile an Kapitalgesellschaften im Betriebsvermögen abgelöst durch das Teileinkünfteverfahren:

a) die Dividenden sind steuerpflichtig mit 60%
b) die Aufwendungen können mit 60% als Betriebsausgaben abgezogen werden.

Quelle Foto: www.pixelio.de

(Thomas Ewald-Wehner)


 


 

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