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Mirko Reeh:

„Die Welt ist ein Kochtopf mit spannenden Zutaten“

Der Frankfurter Koch Mirko Reeh liefert weltweit Proben seines Könnens. Ob das Hochzeitsdinner für Kate und William oder das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg – Mirko Reeh mischt im Hintergrund bei der Vorbereitung des Servicepersonals und der Verköstigung mit. Am 12. Juni beginnt der Countdown für sein russisches Gastspiel. Mehrere große Dampfbacköfen und 40 Rezepte hat der Koch im Gepäck.

Das britische Königshaus schwört auf deutsches Organisationstalent. Niemand anders als den Frankfurter Koch Mirko Reeh hat man anlässlich der Hochzeit von Kate und William engagiert, um das Servicepersonal für seinen Einsatz bei der Bewirtung Hochzeitsgäste zu trainieren. Fünf Gänge gab es. Aber bis heute weiß Reeh nicht, was die Queen, was das junge Brautpaar und was seine vielen Gäste kredenzt bekamen. Er nimmt’s gelassen: „Hab’ ja schließlich nur die Abläufe geprobt“. „Nur“ ist gut, dabei kommt es angesichts von rund tausend Gästen auf ein hundertprozentiges Timing beim Servieren an, auf Minuten und Sekunden. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass der Teller fällt.“

Riesenherausforderung in Russland
Eine noch größere Probe seines Könnens ist für den 34 Jahre alten Frankfurter das in wenigen Wochen, vom 16. bis 18. Juni, im russischen St. Petersburg stattfindende Internationale Wirtschaftsforum. Mirko Reeh soll dieses Mal nicht nur für den reibungslosen Ablauf sorgen, sondern zugleich sein Talent als Koch mit einem Vier-Gänge-Menü unter Beweis stellen. Reeh spricht von einer „Riesenherausforderung“, schließlich soll sein Team an drei Tagen rund 1.800 Portionen servieren. Die Russen lassen sich das alles etwas kosten, eine Million Euro betrage, so Reeh, allein das Küchenbudget. Zweimal schon war er zur Probe in St. Petersburg.

Vierzig Rezepte im Reisegepäck
„Beim Training stehe ich mit der Stoppuhr da und laufe mit, bis der Teller am Tisch ist.“ Dabei wählt Reeh stets „den längsten Weg“ von der Küche bis zum Gast. Das können im russischen Fall schon mal 150 Meter sein. Eine Herausforderung für die rund tausend Servicekräfte angesichts dessen, dass jeder Teller, um die Speise warm zu halten, eine glühend heiße Cloche aufgestülpt bekommt. Was sich unter den Hauben verbergen wird, darf Mirko Reeh nicht verraten. Wohl aber: Hundert Köche und Hilfskräfte werden nach seinen Anweisungen, übersetzt von einem Dolmetscher, die Speisen zubereiten. Am liebsten hätte der Frankfurter seinen internationalen Gästen auch einen Handkäs vorgesetzt, „ab er den essen die dort nicht, es muss schon was sehr Globales sein“.

Zutaten aus der Frankfurter Großmarkthalle
Der logistische Aufwand ist groß, denn sämtliches Gerät und eine Vielzahl von Zutaten wird Mirko Reeh aus Deutschland mitbringen. Mehrere große Dampfbacköfen etwa, die allein zwei LKW füllen werden. Eine Spülstraße made in München, Zelte aus Dresden, Laufbänder aus dem Rhein-Main-Gebiet. Viele Lebensmittel werden aus Frankfurts Großmarkthalle kommen. „Das ist einfach viel billiger“, sagt Reeh. Am 12. Juni beginnt der Countdown für sein russisches Gastspiel. „Dann machen wir das Eis, marinieren das Fleisch.“ Besonders aufgeregt ist Mirko Reeh, wenn er an die Weltpressekonferenz anlässlich des Treffens denkt. Dann nämlich wird auch er, der Koch, zu Wort kommen. Dann, aber e rst dann, darf er verraten, was er den vielen Gästen aus aller Welt gekocht hat.

Lockerer Typ mit sozialer Ader
Mirko Reeh ist ein lockerer Typ, einer zum Anfassen. Er liebt es, hessisch zu babbeln, kann „arrogant auftretende Kollegen nicht ausstehen“. Auch wenn er mittlerweile Kultstatus hat, Weltstars wie Barbara Streisand, Sting oder Madonna während ihrer Tourneen als Koch begleitet, Kochschulen auch auf Ibiza und Mallorca betreibt, bereits 20 Bücher geschrieben hat, ist er auf dem Boden geblieben. Er liebt es immer noch, seine „mehr als hundert Kochkurse im Jahr“ in seinem Bornheimer Kochstudio selber zu leiten. Einer seiner Lieblingssätze: „Händ’ wäsche, schötz aaleesche, sitze, esse!“ Das hört sich lustig an, doch Mirko Reeh ist bei aller Heiterkeit auch ein nachdenklicher Mensch, einer, d er sich sozial engagiert. Nach dem 11. September 2001 etwa durchlebte der Frankfurter Koch wohl seine emotional aufgewühlteste Zeit. Drei Monate lang kochten er und 200 Helfer bis zu 30.000 Mahlzeiten für die Rettungsmannschaften am Ground Zero. Bis heute engagiert er sich für krebskranke Kinder, ist Mitglied der „Spitzenköche für Afrika“ und unterstützt damit die von Karlheinz Böhm gegründete Stiftung „Menschen für Menschen“.

Ein Weltenbummler aus Bornheim
Im Schnitt zweimal pro Woche steigt er in den Flieger, liebt das Reisen. „Die Welt ist ein Kochtopf mit vielen spannenden Zutaten“, sagt Reeh. Viele seiner Rezepte entstehen spontan während seiner Flüge. Inspiriert von gesammelten Eindrücken. So hat ein Kollege ihm einmal Eis serviert, ungewöhnlich zubereitet, „mit Wasabi und Gurke“. Doch auch wenn Mirko Reeh ein Weltenbummler ist, nach Frankfurt und in seinen Heimatstadtteil Bornheim zieht es ihn immer wieder zurück. Und der Mittwoch ist für ihn ein ganz besonderer Tag: „Dann geh ich auf den Bornheimer Wochenmarkt und freu mich auf mei Curryworscht!“

(ots / Annette Wollenhaupt)


 


 

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