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Überraschender Trump-Effekt an der Börse

Neue Allzeithochs an der Wall Street und neue Jahreshöchstkurse an der Moskauer Börse erlebten Anleger nach Donald Trumps Sieg bei der US-Präsidentenwahl. Der Ölpreis fällt vor der Opec-Konferenz in November 2016. Gold und Silber befinden sich im freien Fall. Zinsen steigen dagegen. Ein Gastbeitrag von Andreas Männicke.

Am 8. November 2016 wurde überraschend Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA gewählt. Hillary Clinton bekam zwar mehr Stimmen, aber durch das US-Wahlsystem wurde Trump der neue Präsident. Als sich nach europäischer Zeit nachts um 4 Uhr schon relativ deutlich abzeichnete, dass Trump der neue US-Präsident wird, brachen zunächst die Aktienkurse in Japan ein, wo schon gehandelt wurde. Auch der Dax startete mit einem Minus von 3 Prozent. vorbörslich sogar bei knapp unter 10.000 Indexpunkten. Schon am 9. November gab es dann aber eine bemerkenswerte Rallye, die kaum einer erwartet hatte. Der Dax schloss dann per Saldo mit über 10.600 Indexpunkten sogar im Plus: die Wall Street ebenfalls. Besonders stark stiegen die Kurse an der Moskauer Börse. Die Frage ist jetzt, wie lange der positive Trump-Effekt anhält.

Trump-Effekt: Aktien top, Gold ein Flop, aber Zinsen steigen

Am 10. und 11. November 2016 erreichten die Kurse an der Wall Street sogar neue Allzeithöchststände. Der Dow Jones Industrial Index kletterte erstmals auf über 18.840 Indexpunkte. Es stiegen auch die Zinsen stark an. Gold und Silber konnten entgegen den Erwartungen nicht vom Wahlsieg profitieren und brachen im Kurs ein, weil unter Trump höhere Zinsen erwartet werden.

Gold erreichte zwar am 9. November zunächst einen neuen Höchstkurs von 1.335 US-Dollar/Unze; der Kurs brach dann aber um mehr als 100 US-Dollar auf nunmehr 1.228 US-Dollar/Unze ein, weil der US-Dollar und auch die Zinsen in den USA stark anstiegen. Noch stärker gab Silber nach, das am 9. September fast auf 19 US-Dollar anstieg, dann aber allein am vergangenen Freitag um 6,7 Prozent auf 17,31 US-Dollar einbrach. Kupfer stieg zunächst um 20 Prozent von 5.000 auf 6.000 US-Dollar/Unze, gab am Freitag jedoch wieder auf 5.558 US-Dollar die Tonne nach (minus 1,09 Prozent).

Starker Dollar und steigenden Zinsen als neuer Trend?

Der Euro stieg zum Dollar zunächst auf 1,12 Euro/US-Dollar an, brach aber nun auf 1,08 Euro/US-Dollar ein. Gold und Silber fielen auch deswegen so stark, weil die US-Renditen von Staatsanleihen deutlich ansteigen. In Europa ebenfalls: So fiel der T-Bond-Future von 163 auf 155 und der Euro-Bund-Future von 163 auf 160. Der T-Bond-Future war im Juli noch bei 175. Der Trend steigender Zinsen ist in den USA also schon etwas älter, in Europa dagegen neu, denn im September lag der Euro-Bund-Future nach dem Allzeithoch noch bei 168.

Die meisten Experten und Analysten hatten genau das Gegenteil im Fall eines Wahlsiegs von Trump erwartet, zumindest kein neues Allzeithoch an der Wall Street und auch keinen neuen Monatstiefststand bei Gold und Silber. Der Trend steigender Zinsen und auch Inflationsraten dürfte sich fortsetzen. Daher wird die US-amerikanische Notenbank am 14. Dezember 2016 die Zinsen wohl erhöhen und diesen Trend steigender Zinsschritte auch 2017 fortsetzen. Dies sind dann weitere Schritte zur Normalisierung, die sich sehr schmerzlich für die Aktienmärkte im Jahr 2017 auswirken könnten. Es besteht nun die Gefahr, dass die Anleihen-Blase platzt und dass es zu einem Anleihen-Crash kommt, was dann auch negative für die Aktienmärkte haben könnte. Dann dürfte eine Jahresendrallye ausbleiben. Die Kursschwankungen dürften in jedem Fall zunehmen.

Wehret den Anfängen!

Als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor zählen auch die Wahlen am 5. Dezember 2016 in Italien, wo es auch zu einer Art Protestwahl kommen könnte. Das Gefährliche wäre dann, dass sich in westlichen Industrienationen Nationalisten und Populisten immer mehr durchsetzen mit der Folge von mehr Protektionismus. Wie wir alle wissen, entstand aus einem solchen Szenario in den 30er-Jahren der Zweite Weltkrieg. Man kann nur hoffen, dass die jeweilige politische Elite nun endlich die richtige Ansprache und auch die richtigen Argumente findet, den nationalistischen und populistischen Tendenzen zu begegnen. Denn sonst entsteht 2017 Chaos in Europa. Möglicherweise waren der Brexit der erste Schritt und Trump der zweite Schritt zu Tendenzen, die in einem Chaos und Bürgerkrieg, vor allem aber auch zur Spaltung Europas enden können. Wehret den Anfängen!

Prognosen lagen falsch

Wie schon beim Brexit lagen alle falsch: Für die Medien und Wahlprognosen kam bei der US-Präsidentschaftswahl nur einen Kandidat in Frage – und zwar Hillary Clinton. Auch für die Wettbüros in Großbritannien stand der Sieger schon fest, nachdem die zentrale Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten FBI bei der E-Mail-Affäre von Clinton keine strafbaren Taten feststellen konnte. Wer auf Trump setzte, konnte in Wettbüros viel Geld verdienen, denn die Quoten für Trump sprangen über Nacht am 7. November vom 15 auf 50. Auch für die westlichen Politiker kam nur Clinton als Wahlsieger in Frage. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Trump sogar als „Hassprediger“.

Alternative Medien freuen sich über Trumps Wahlsieg

In den alternativen Medien im Internet, wo es zum Teil wesentlich bessere Hintergrundinformationen gibt, war jedoch Trump der Favorit. Dort war es keine Überraschung, dass Trump die Wahl in den USA gewann. Im Gegenteil: Dort wird der Sieg Trumps auch als Sieg gegen die sehr einseitig informierende und damit desinformierende „Lügenpresse“ gefeiert – und das sind nicht wenige, sondern zunehmend mehr.

Auch hier sollten einige Medienvertreter einmal von ihren hohen Ross herunterkommen und versuchen, die Realitäten richtig einzuschätzen, vor allem aber differenzierter zu informieren und besser zu recherchieren. Dies gelang beim Syrien und Ukraine-Konflikt bisher nicht und auch nicht bei dem USA-Europa-und-Russland-Konflikt, wo die Leitmedien oft sehr einseitig (des)informierten, was schon zuweilen wie Propaganda anmutete. Aber auch das merkt das „Volk“.

Folgt unter Trump eine neue Entspannungspolitik mit Russland?

Vor allem dürften nun die Spannungen mit Russland abnehmen, denn Trump will mit Russland Präsident Wladimir Putin zusammen gegen die Terrormiliz IS kämpfen. Unter Clinton wäre es in der Tat zu einer Eskalation mit Russland (nicht nur) in Syrien kommen. Das wurde nun vermieden. Dies honorierte vor allem Putin, der als einer der Ersten Trump zum Wahlsieg gratulierte, ebenso wie Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Oppositionspartei Front National und Präsidentschaftskandidatin in Frankreich. Dort wird im Mai ein neuer Präsident gewählt. Le Pen will aus der Nato austreten, raus aus der Europäischen Union und raus aus dem Euro.

Moskauer Börse profitiert stark von Trumps Wahlsieg

Aufgrund der Möglichkeit einer Entspannung des angespannten Verhältnisses zwischen den USA und Russland kam es zu einem Kursprung an der Moskauer Börse nach Trumps Wahlsieg. Der russische RTS-Index überwand wieder die magische 1000er-Marke, schloss aber am Freitag bei 970 Indexpunkten, da der Ölpreis stark nachgab. Besonders stark stiegen zunächst Öl- und Gas-Aktien wie Gazprom und Lukoil sowie Stahl- und Kohleaktien wie Severstal und die Evraz Group, weil Trump auch diese Sektoren in den USA fordern will. So kam es zu einem positiven Trump-Effekt auch an der Moskauer Börse, den zuvor keiner erwartet hatte.

Opec uneinig – Öl fällt

Wichtig für Russland wird nun auch die nächste Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) Ende November 2016. Der Brentölpreis gab zuletzt auf 46 US-Dollar/Barrel nach, weil die wenigstens glauben, dass sich die Opec tatsächlich auf eine zuvor angekündigte Fördermengenverringerung einigen kann. Iran und Irak wollen immer noch ihr eigenes Süppchen kochen.

Osteuropa bleibt top

Dennoch bleibt auch nach dem überraschenden Wahlsieg Trumps die Moskauer Börse mit einem Plus von mehr als 30 Prozent einer der Top-Performer der Welt. Zehn Börsen aus Osteuropa sind weiterhin unter den 30 am besten performenden Börsen der Welt, also immerhin ein Drittel. Es lohnt sich also wieder ein Blick über den Tellerand, vor allem nach Osteuropa.

(Andreas Männicke)


 


 

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