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Ölkartell unter Zugzwang – wohin entwickelt sich der Ölpreis?

Die Wall Street und die Moskauer Börse profitieren vom Trump-Effekt. Der Ölpreis schwankt stark vor der anstehenden Opec-Konferenz. Industriemetalle sind stark gestiegen, Gold hingegen entwickelt sich weiter schwach. Bitcoins werden stark gefragt.

Am 30. November 2016 findet die nächste Opec-Konferenz in Wien statt. Schon im Vorfeld wird heftig diskutiert, ob sich die Organisation erdölexportierender Länder zumindest auf eine Deckelung, besser noch eine Verminderung der Ölproduktion einigen kann. Unsichere Kandidaten bei der Einigung sind der Iran und Irak.

Russische Aktien profitierten in der vergangenen Woche von dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA. Der Micex-Index stieg sogar auf ein neues Allzeithoch. Noch wichtiger für Russland ist aber der zukünftige Ölpreis. Putin würde sich mit einer Deckelung der Fördermenge einverstanden erklären, wenn auch die Opec sich darauf auch einigen würde.

Die Höhe der Ölpreise ist nicht nur für die russische Wirtschaft und die russische Haushaltseinnahmen von großer Bedeutung – mehr als 50 Prozent der Haushaltseinnahmen kommen aus den Öl- und Gassektor in Russland –, sondern global für die zukünftige Inflationsrate. Diese wird ohnedies im nächsten Jahr stark ansteigen, da alle Rohstoffpreise 2016 stark gestiegen sind, insbesondere die Industriemetalle nach dem Wahlsieg Trumps. In diesem Jahr stieg der Brentölpreis fast um 30 Prozent. Am 25. November brachen jedoch der Brentölpreis um 3,92 Prozent auf 47,12 US-Dollar/Barrel und der WTI-Ölpreis sogar um 4,3 Prozent auf 45,9 US-Dollar/Barrel ein. Zuvor stieg der Brentölpreis allerdings von 43 auf fast 50 US-Dollar/Barrel stark an.

Internationale Ölagentur sieht Angebotsdefizite erst ab 2017

Es bestehen immer noch große Zweifel, dass sich der Iran und der Irak auf eine Deckelung der Fördermengen einigen können. Saudi-Arabien und Russland scheinen aufgrund der zunehmenden Haushaltslücken jetzt für eine Deckelung der Ölpreise bereit zu sein. Die Öllager sind aber in den USA immer noch sehr voll. Zudem will Trump die Umweltauflagen bei den Ölbohrungen für Schieferöl erleichtern. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in den USA geht davon aus, dass erst ab 2017 das Ölangebot langsam fallen wird. Durch den schwachen Ölpreis gab es in diesem Jahr 250 Milliarden US-Dollar weniger an Investitionen. Die Schieferölproduktion nahm erst in den zurückliegenden Monaten etwas zu, nachdem sie zuvor eingebrochen war. Es besteht daher Spielraum sowohl für langfristig steigende als auch für kurzfristig fallende Ölpreise.

Moskauer Börse und Rubel stark vom Ölpreis abhängig

Die Moskauer Börse profitiert in diesem Jahr nicht nur von dem stark gestiegenen Ölpreis, sondern auch von dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA. So stiegen russische Öl-/Gasaktien wie Gazprom und Lukoil auf neue Jahreshöchststände. Noch stärker stiegen die Kurse russischer Stahl- und Kohleaktien, da der designierte US-Präsident diesen Sektor ebenfalls sehr favorisiert. Zudem hoffen die Anleger nun, dass Trump Infrastruktur-Investitionen im Volumen von 1 Billion US-Dollar vornehmen und damit das Wachstum in den USA erhöhen wird.

Moskauer Börse profitiert vom Trump-Effekt

Auch hoffen die Börsianer jetzt auf eine Entspannung in der Außenpolitik der beiden Großmächte USA und Russland, die unter Hillary Clinton hätte eskalieren können. Sogar ein dritter Weltkrieg war schon im Gespräch, vor dem der Investmentguru George Soros nach wie vor warnt. Russische Anleger jubeln derzeit über Trumps Wahlsieg. Der russische RTS-Index stieg zwar schon in diesem Jahr um mehr als 30 Prozent, gab aber am 25. November um 1,01 Prozent auf 1.018 Indexpunkte nach, da die Ölpreise auch strak nachgaben. Der Euro erholte sich zum Rubel um 0,99 Prozent auf 68,81 Euro/Rubel, verlor aber seit Februar zum Rubel um mehr als 20 Prozent an Wert. Damit konnten deutsche Anleger Währungsgewinne für sich verbuchen, was in den vergangenen beiden Jahren nicht der Fall war. Auffallend ist die globale Dollar-Stärke, so dass der Rubel zum US-Dollar bei 64,4 US-Dollar/Rubel relativ stabil blieb.

Bitcoins stark nachgefragt, Goldkurs bricht weiter ein

Der Euro brach nach dem Wahlsieg Trumps von 1,12 auf unter 1,06 Euro/US-Dollar ein und droht in Zukunft unter die Parität zu fallen. Aufgrund des starken US-Dollars und der stark gestiegenen US-Renditen bei den US-Staatspapieren fiel auch der Goldpreis auf unter 1.200 US-Dollar. Damit ist Gold keinesfalls der „sichere Hafen“, denn dies scheint jetzt der US-Dollar zu sein. Der Goldpreis fiel schon in den vergangenen drei Monaten um 11 Prozent von 1.350 auf nunmehr nur noch 1.182 US-Dollar/Unze. Damit ist er seit Jahresbeginn allerdings noch mehr als 10 Prozent im Plus. In den vergangenen fünf Jahren gab Gold trotz aller Krisen sogar um 31 Prozent von über 1.900 auf nunmehr 1.182 US-Dollar/Unze nach.

Langfristig gilt Gold als ein sehr guter Werterhalter, insbesondere bei Schwachwährungen mit hohen Inflationsraten. Wenn am 4. Dezember 2016 Italiens Regierung unter Ministerpräsident Matteo Renzi (Demokratische Partei PD) das Referendum zu einer Verfassungsänderung verliert, könnte es Neuwahlen und einen Sieg der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung geben. Die Fünf-Sterne-Bewegung will, dass Italien den Euro abschafft. In Frankreich könnte im Mai die Rechtspopulistin Marine Le Pen die Präsidentschaftswahl gewinnen. Das wäre dann das Ende der Europäischen Union und des Euros.

Das hat bisher kaum jemand im Blick: Die Spaltung Europas und das Ende des Euros wäre ein „Black Swan“ für die Weltwirtschaft, aber ein Kaufgrund für Gold. Le Pen und der neue französische Präsidentschaftskandidat François Fillon von der konservativen Partei (Die Republikaner) stehen für eine Annäherung an Russland. Russland könnte daher – so oder so – auch 2017 im politischen und wirtschaftlichen Aufwind bleiben.

Stark gestiegen ist aus diesen Gründen auch der Wert der Bitcoins auf über 700 Bitcoins/Euro. Diese Kryptowährung wird immer mehr als gute Alternative zu Gold betrachtet. Denn während der Goldpreis nach dem Wahlsieg Trumps stark einbrach, stiegen die Bitcoins auf neue Jahreshöchstkurse. Es gibt jetzt auch einige Finanzprodukte für Bitcoins.

(Andreas Männicke)


 


 

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