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Applaus

Bauerntag wird zur Abschiedsfeier für den scheidenden Ministerpräsidenten

(bo/ddp-hes). Der hessischen Bauerntag in Kassel geriet zu einer großen Abschiedsparty für Roland Koch (CDU). Immer wieder wurde der scheidende Ministerpräsident am Freitag mit kräftigem Applaus gefeiert.

Vor der documenta-Halle strahlte die Sonne, drinnen im
Vortragssaal konnte Koch sich förmlich im Zuspruch sonnen. «Im Namen aller Bauern und Bäuerinnen in Hessen danke ich für zehn Jahre gute Zusammenarbeit», verkündete der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider.

Er lobte Kochs «ausgewogene Agrarpolitik» und das offene Ohr des
Ministerpräsidenten. Ein Besuch bei Koch habe ausgereicht, um
Änderungen an der Erbschaftssteuer zu verhindern, die für die
Landwirtschaft sehr teuer geworden wäre, berichtete der
Bauernverbandschef. Die beiden an die Wand projizierten Kühe unter
dem Bauerntags-Logo blickten milde auf die Szene herab.

Koch selbst, nur noch wenige Wochen im Amt, erinnerte launig an
den Beginn seiner Amtszeit. So mancher habe sich damals gefragt, «ob
jemand, der so unmittelbar aus dem Umkreis von Frankfurt kommt, schon weiß, wie eine Kuh aussieht», sagte der langjährige
Ministerpräsident. Es habe ihm dann immer wieder Spaß gemacht, mit
Kenntnissen über die Landwirtschaft zu überraschen.

Als «irreversiblen Fehler» der Politik bezeichnete Koch die
Zerstörung der Schlachthofkapazitäten in Hessen. Als Fehler der
Bauernschaft beschrieb er den Mangel genossenschaftlicher Molkereien. Der Politiker mahnte die Bauern, künftig Zukunftschancen zu nutzen und etwa hochwertige veredelte Lebensmittel in Schwellenländer zu exportieren. «Heute gibt es auf der ganzen Welt Menschen, die genug
Geld haben, mindestens so gut einzukaufen wie wir», betonte Koch.
Wenn es etwa gelinge, Teile der chinesischen Mittelschicht für
deutschen Rohmilchkäse zu begeistern, ergebe das enorme
Absatzchancen.

Doch auch für die nahe Umgebung hielt Koch Anregungen bereit. Vor
Jahren habe jedes Dorf ein Bürgerhaus haben wollen, sagte er. Heute
gelte es, Läden im Dorf zu erhalten oder wieder möglich zu machen.
Auch Mietzahlungen von Gemeinden hält der scheidende
Ministerpräsident dabei nicht für falsch.

Der Duft hessischer Bratwurst wehte bereits in die Halle, als Koch
die Goldene Ehrennadel des Bauernverbandes verliehen bekam. Als
erstem Ministerpräsidenten überhaupt werde ihm diese Ehre zuteil,
betonte Bauernpräsident Schneider. Wieder gab es kräftigen Applaus.

Dann war Ilse Aigner (CSU) an der Reihe. Zwar wurde auch der
Bundesagrarministerin Lob gezollt. Doch von ihr erwartete das
Publikum verbindliche Antworten für die Zukunft. Sie versprach, sich
für Kontinuität in der europäischen Agrarpolitik einzusetzen und mit
diesem Ziel in diesem Jahr zu direkten Gesprächen in 15
Mitgliedsländer zu reisen. Sie bekannte sich zum Kampf gegen neue
Bürokratie, räumte aber auch ein, dass dieser Kampf schwer ist. Wie
viel Geld in Zukunft aus Brüssel noch nach Deutschland fließen wird,
konnte sie nicht sagen.

Noch ehe Aigners Rede zu Ende war, musste Koch aufbrechen. Noch
einmal klatschten ihm die Bauern hinterher. Und die Bundesministerin
gab ihm mit: «Alles, alles Gute, Herr Ministerpräsident!»

(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)


 


 

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