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Amöneburg

Geheimtipp auf steilen Klippen

(bo/dapd-hes). Der steil aufragende Basaltkegel in der flachen Ohmebene sticht schon von Ferne ins Auge. Auf 365 Metern erhebt sich östlich von Marburg das Bergstädtchen Amöneburg, das trotz seiner ungewöhnlichen geografischen Lage immer noch als Geheimtipp gilt.

Ein Muss ist der Spaziergang an der alten Stadtmauer, der rund um den 721 von Bonifatius gegründeten Ort führt. Nur eine halbe Stunde dauert die Promenade, die einen weiten Blick über das Marburger Land erlaubt.

Unterhalb des Weges liegt das zweitälteste Naturschutzgebiet Hessens, das sich wie ein Gürtel rund um den steilen Berg vulkanischen Ursprungs zieht, der vor etwa acht Millionen Jahren entstanden ist. Das Klima in Amöneburg ist ungewöhnlich. "Es ist das niederschlagärmste Gebiet in Hessen", sagt der Leiter des Naturschutzinformationszentrums, Robert Cimiotti. Während der Nebel über dem Tal hängt, scheint in der mehr als 1200 Jahre alten Stadt die Sonne.

Im Frühjahr und Herbst ist es bis zu sechs Grad wärmer. Doch im Winter bleibt der Schnee länger liegen als anderswo. Auf der Nordseite der Basaltkuppel ist es so kühl, dass sich Moose, Flechten und Farne angesiedelt haben, die man sonst nur aus den Alpen und aus Skandinavien kennt. Dafür wachsen an der Südseite mediterrane Pflanzen, wie man sie sonst erst wieder am Kaiserstuhl sieht. Blindschleichen, Wachteln und seltene Käfer mögen die warmen Hänge.

Jahrhundertealte Eichen

Die Spaziergänger passieren jahrhundertealte Eichen und reich tragende Nussbäume. Sie können aber auch einen Abstecher zu den Ruinen der Wenigenburg und zu einem Spielplatz mit Fernblick machen. Und wer noch dringend Freunde oder Verwandte in Hamburg oder München anrufen muss, kann dies sogar umsonst erledigen. Am Mauerrundweg steht Hessens älteste kostenlose Telefonzelle - der Werbegag eines örtlichen Telekommunikationsunternehmens. In Kürze soll sie vor das Rathaus verlegt werden.

Das 560 Jahre alte Fachwerkhaus steht am zentralen Treffpunkt Amöneburgs - dem großen quadratischen Marktplatz. Gleich mehrere Eisdielen und Restaurants, darunter der hoch gelobte Dombäcker, locken hier mit Tischen und Stühlen in der Sonne. Rund 1000 Schüler aus dem ganzen Umland laufen jeden Tag über den Platz, um die 125 Jahre alte Stiftsschule St. Johann - ein katholisches Gymnasium - zu besuchen. Dabei hat die im Mittelalter so bedeutende Fachwerkstadt heute nur noch 1500 Einwohner.

Freilich scheint der sehr katholisch geprägte Ort auch viele eigenwillige Menschen hervorzubringen. Hier lebt der Mann, dem als blinder Passagier in einem Schulbus eine spektakuläre Flucht aus der DDR gelang. Hier wohnt der Veteran des Widerstands gegen das umstrittene Autobahnprojekt A49, obwohl diese schon seit Jahrzehnten nicht mehr am Fuß der Amöneburg verlaufen soll.

Parteiloser Bürgermeister nach Streit abgewählt

Und auch politisch ist das Bergstädtchen bemerkenswert. Die schwarze Hochburg, die 50 Jahre lang nur CDU-Bürgermeister hatte, bröckelt seit 2002. Damals gelang es dem parteilosen Anders Arendt, im Alter von erst 30 Jahren Stadtoberhaupt zu werden. Der junge Mann überwarf sich allerdings schnell und gründlich mit allen anderen Fraktionen des Stadtparlaments. Persönlich streifte er durch die Gassen und Gaststätten der Stadt, um sich in Flugblättern mit dem Titel "Schikane, Polemik, Rufmord" zu verteidigen. Es nützte ihm nichts. Anfang 2005 wurde er abgewählt. Zum Nachfolger wurde mit Michael Richter-Plettenberg völlig überraschend ein Sozialdemokrat gewählt.

Der Bürgermeister möchte dem Tourismus gemeinsam mit der Nachbarstadt Marburg zu neuem Aufschwung verhelfen. Bislang kommen nämlich hauptsächlich Tagesausflügler, die vor allem an schönen Frühjahrs- und Herbsttagen die Cafés bevölkern. Dem stehen aber nur 5.000 Übernachtungen pro Jahr gegenüber. Dabei ist der Richter-Plettenberg überzeugt: "Dieser Berg in der Landschaft ist bis heute ein magischer Ort."

(dapd )


 


 

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