Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell News
Weitere Artikel
Bewährung

Haftstrafe von Anhänger rechtsextremistischer Kameradschaft

(bo/dapd-hes). Die Gefängnisstrafe eines Anhängers der rechtsextremistischen Kameradschaft "Freie Kräfte Schwalm-Eder" unter anderem wegen schwerer Körperverletzung ist am Montag zur Bewährung ausgesetzt worden.

Das Marburger Landgericht fasste drei einzelne Urteile zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren zusammen und hob den Haftbefehl auf. Damit folgte die Kammer dem Antrag der Verteidigung. Auch die Staatsanwaltschaft sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus.

"Es gibt Anhaltspunkte für eine positive Sozialprognose", sagte Richter Carsten Paul. Gleichwohl wolle er nicht verschweigen, dass die Äußerungen des Angeklagte in einigen Punkten "ambivalent" seien. Deshalb soll der junge Mann als Auflage 150 Sozialstunden ableisten. Zudem muss er an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen und sechs Termine bei einer Alkoholsuchtberatung belegen.

Als Anhänger der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" war der 22-Jährige bereits mehrfach mit rechtsextremistischen Gewalttaten aufgefallen. So war er am 2008 vor einem Jugendclub an einem Überfall auf einen Mann mit Rastalocken beteiligt. Die Neonazis beschimpften diesen als "Zecke", schlugen ihn zu Boden, traten mit ihren Schuhen auf ihn ein und schleiften ihn an den Haaren über den Asphalt. Der Angeklagte wurde wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Es folgte eine Haftstrafe von vier Monaten, weil er vor einer Gaststätte einen Mann beleidigt und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Zuletzt verurteilte ihn das Amtsgericht wegen des Zeigens des Hitlergrußes und Angriffs auf einen Mann in der Toilette einer Kneipe in Treysa zu einem Jahr Gefängnis.

Alle Vorwürfe eingeräumt - Taten mit Alkoholkonsum erklärt

Im Berufungsverfahren vor dem Marburger Landgericht räumte der junge Mann alle Vorwürfe ein. Bei den Taten habe der Alkohol eine große Rolle gespielt, dadurch sei die Hemmschwelle gesunken. Diie Opfer täten ihm "relativ leid", sagte der Angeklagte und einigte sich mit dem Nebenkläger auf ein Schmerzensgeld von 800 Euro für einen Geschädigten. Nach der Haft wolle er den Kontakt mit den "rechten Leuten" abbrechen und stattdessen die Zeit mit seiner Freundin verbringen oder Sport treiben. Er könne sich generell auch vorstellen, aus Schwalmstadt wegzuziehen, sagte er.

Der Verteidiger berichtete, dass sein Mandant seit 2005 nur für negative Schlagzeilen gesorgt habe. Doch die acht Monate in der Untersuchungshaft hätten ihm viel Zeit zum Nachdenken gegeben. Jetzt habe er vor Gericht zum ersten Mal uneingeschränkt zu den Taten gestanden und zudem bedauert, dass den Betroffenen Leid zugefügt worden sei. "Ich bin sicher, dass ihm das nicht einfach gefallen ist", sagte der Anwalt. Es sei schwierig zu beantworten, ob der Angeklagte tatsächlich einen Sinneswandel vollzogen habe. Doch er gehe von einer günstigen Prognose für die Zukunft aus, zumal der Mann eine feste Anstellung als Maler habe.

Staatsanwaltschaft hofft auf günstigen Einfluss der Freundin

Diese Einschätzung teilte die Anklagebehörde. Der Staatsanwalt sprach ebenfalls von einer günstigen Prognose, allerdings "mit gewissen Unsicherheiten". Vielleicht könne die Freundin des Angeklagten einen guten Anlass zur Umkehr bieten. Auch andere Anhänger hätten es geschafft, sich durch eine Beziehung aus der rechten Szene zu lösen. Es sei jedoch sicher, dass es ein schwieriges Unterfangen werde.

Der Richter hielt dem jungen Mann in seiner Urteilsbegründung zugute, dass er sich von der rechtsextremistischen Gruppierung distanziert habe. Die Kammer billige ihm zu zu erproben, ob er in Freiheit die Begehung weitere Straftaten begehe. Allerdings werde er weiter unter Beobachtung stehen, warnte Richter Paul, die Bewährung werde auf vier Jahre ausgesetzt.

Mitglieder der rechtsextremistischen Kameradschaft sind immer wieder durch brutale Überfälle aufgefallen. Im Sommer vor zwei Jahren hatten Neonazis der "Freien Kräften Schwalm-Eder" ein Zeltlager der Linksjugend in Nordhessen überfallen, dabei wurde ein 13-jähriges Mädchen schwer am Kopf verletzt.

(dapd )


 


 

Angeklagte
Anhänger
Taten
Staatsanwalt
Freien Kräfte Schwalm-Eder
Bewährung
Gefängnisstrafe

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Angeklagte" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: