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Metall-Tarifgespräch abgebrochen

Arbeitgeber wollen «zentral verhandeln» - IG Metall spricht von «Provokation»

(bo/ddp-hes). Die zweite Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist am Donnerstag in Mainz ergebnislos abgebrochen worden. Die Arbeitgeber hätten vorgeschlagen, nun bundesweit Tarifgespräche für alle Bezirke zu führen, sagte ihr Verhandlungsführer Eduard Kulenkamp. IG-Metall-Bezirkschef Armin Schild lehnte das als «Provokation» ab und forderte ein Angebot. Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten der Branche acht Prozent mehr Geld. Am Morgen hatten in Mainz rund 4000 Metaller für diese Forderungen demonstriert.

Die Südwestmetall-Unternehmen hatten bereits bei den
Tarifverhandlungen in Sindelfingen am Mittwoch zentrale Gespräche der
Parteien vorgeschlagen. Unmittelbar vor Gesprächsbeginn am Donnerstag
erklärte Kulenkamp, die Arbeitgeber der Mittelgruppe schlössen sich
diesem Vorhaben an und hätten kein Angebot mitgebracht. Das Treffen
der Tarifparteien dauerte dann nur eine gute Stunde. Beide Seiten
sprachen nicht von einem Ende, sondern von einem «Abbruch» des
Gesprächs.

Kulenkamp begründete den Vorschlag für eine zentrale Einigung mit
der «Kluft zwischen den Parteien». Die Acht-Prozent-Forderung der IG
Metall sei «unannehmbar und eine Regelung auf Bezirksebene
unwahrscheinlich». Den Unternehmen werde gewerkschaftsseitig
ungerechtfertigt Verzögerungstaktik vorgeworfen. «Wir wollen die
Einigung und sofort zentrale Verhandlungen noch in der
Friedenspflicht», sagte Kulenkamp. Die Friedenspflicht endet am 31.
Oktober, danach ist ein Arbeitskampf möglich.

Die Gewerkschaft hatte am Donnerstag ein Angebot der Arbeitgeber
an die in den drei Bundesländern rund 430 000 Beschäftigten der
Branche erwartet. Stattdessen hätten sich die Unternehmen jetzt fürs
«Zocken» entschieden, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Schild nach
dem Gesprächsabbruch. «Diese Nachricht wird in den Betrieben
einschlagen wie eine Bombe», versicherte er. Eine Einigung am 6.
November, dem dritten Verhandlungstermin, sei nun unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher sind jetzt Warnstreiks schon in den ersten
Novembertagen. Angekündigt hat sie der Betriebsratsvorsitzende von
Opel Kaiserslautern, Alfred Klingel, bereits am Donnerstagmorgen.
Selbst wenn noch verhandelt werde, «organisieren wir Warnstreiks
jeden Tag in jeder Abteilung», verkündete er während der
Protestaktion in der Mainzer Innenstadt. Zu der Kundgebung und der
anschließenden Demonstration waren nach Polizeiangaben rund 4000
Metaller aus ganz Hessen und Rheinland-Pfalz angereist.

Allein von Opel Kaiserslautern hätten 600 Beschäftigte an der
Protestaktion teilgenommen, gab die IG Metall bekannt. Unter starkem
Beifall der Demonstranten bezeichnete Klingel die
Acht-Prozent-Forderung der Gewerkschaft als «Minimum» und als
unerlässlich für eine «notwendige Stärkung» der Binnennachfrage. «Den
Absatzrückgang auch bei Opel haben nicht wir angerichtet, sondern die
Kapitalseite in ihrer maßlosen Gier», rief Klingel den Demonstranten
zu.

IG-Metall-Bezirksleiter Schild verkündete daraufhin das «Ende des
Neoliberalismus». Die Gewerkschaft werde auf seinen Grabstein die
Worte «Acht Prozent» schreiben. Bei seinen angereisten Kollegen fand
Schild große Zustimmung. Ein 47-jähriger Opel-Mitarbeiter aus
Kaiserslautern kommentierte: «Schild hat bei den Verhandlungen jeden
Rückhalt bei uns.» Trotzdem stand Schild wie auch
Arbeitgebervertreter Kulenkamp kurze Zeit später ohne
Verhandlungsergebnis da.

(rheinmain)


 


 

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