Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell
Weitere Artikel
Museums-Entwicklungshilfe

Frankfurter Senckenberg hilft beim Aufbau des Nationalmuseums in Malawi

(bo/dapd-hes). Mit ein paar Strichen zeichnet der Frankfurter Paläoanthropologe Friedemann Schrenk eine Landkarte von Afrika auf einen Zettel. Er umreißt eine Fläche, schraffiert sie, sagt: "Die Ablagerungen dort sind 240 Millionen Jahre alt, dort wurden Therapsiden gefunden, die den Übergang von Reptilien zu Säugetieren markieren."

Eine andere Fläche markiert Schrenk mit Punkten, 110 Millionen Jahre alte Dinosaurierfossilien lagen und liegen dort. Eine dritte Fläche entlang des Ostafrikanischen Grabens kennzeichnet der als Entdecker des ältesten Hominiden weltweit bekannte Urmenschenforscher als Fundgrube für fünf bis eine Million Jahre alte Hominidenreste. "Die drei Flächen überschneiden sich in einem eher kleinen Gebiet, in der Region Karonga im Norden Malawis", sagt Schrenk.

In dieser für Paläontologen so aufschlussreichen Region forscht Friedemann Schrenk seit bald 30 Jahren. Dort half er beim Aufbau eines Museums mit. Nun bat ihn die Führung des kleinen südostafrikanischen Staats um Hilfe bei der Errichtung eines Nationalmuseums in der Hauptstadt Lilongwe. Im Januar, hofft Schrenk, wird die Kooperation verbindlich vereinbart. Sollte Senckenberg tatsächlich als Partner an diesem Prestigeobjekt für die Regierung mitwirken können, profitierte auch das renommierte Frankfurter Naturmuseum davon.

Überzeugungsarbeit beim Präsidenten

Bislang gebe es in Lilongwe nicht mehr als einen Bauplatz für das Nationalmuseum und den Wunsch des Staatspräsidenten Bingo Wa Mutharika nach einem repräsentativen Gebäude. "Das ist aber für die Bevölkerung wohl eher uninteressant", sagt Schrenk. Und für ihn selbst auch. Ginge es nach ihm, entstünde in Lilongwe weniger ein Museum nach europäischem Konzept, sondern neben einem Ort der Wissensvermittlung und Forschung auch ein sozialer Treffpunkt für die Bürger der Hauptstadt. Von dieser Idee will er den Präsidenten überzeugen.

Friedemann Schrenk hat für sein Modell ein konkretes Vorbild: das Cultural & Museum Centre in Karonga, der Hauptstadt der gleichnamigen Region. Schrenks Philosophie als Paläoanthropologe ist es, Fossilien am Ort des Fundes zu lassen. "Wir leben ja nicht mehr im Kolonialismus, als alles nach Europa gebracht wurde", sagt er. Zudem sei das Wissen, dass in Afrika die Wiege der Menschheit stand, auf dem Kontinent selbst noch zu wenig verbreitet.

Fundstücke sollen vor Ort bleiben

In Karonga fand Schrenk im Jahr 1991 einen 2,4 Millionen Jahre alten Unterkiefer - das erste entdeckte Fossil eines Angehörigen des Homo rudolfensis, des ältesten Vertreters der Gattung Homo. Später kamen weitere Fossilien aus jener Zeit ans Licht. In Karonga passierte bald darauf etwas für Afrika Ungewöhnliches, wie Schrenk berichtet: "In der Bevölkerung entstand der Wunsch, die Fundstücke zu behalten und dort auszustellen, und es gründete sich eine Stiftung zum Aufbau eines Museums." Schrenk half dabei mit, fand weitere Geldgeber. 2004 wurde das Museum eröffnet - und wurde zu einem Ort, an dem sich zunehmend Bürger auch zu Diskussionen trafen.

Der Frankfurter Forscher knüpfte bei seinen häufigen Aufenthalten in Malawi wichtige Kontakte und profitierte von dem Sichtungs- und Grabungsrecht für die Region Karonga, die man sich wie ein Fenster in die Urgeschichte der Menschen vorstellen kann. "Das darf man aber nicht ausnutzen, sondern es muss immer eine Kooperation sein. Wir müssen etwas zurückgeben", betont er. Europäische Forscher müssten Geldmittel werben, ihr Wissen etwa für die Einrichtung geeigneter Aufbewahrungsorte für die Fossilien weitergeben und bei der Ausbildung von afrikanischen Paläontologen helfen. Im Gegenzug erwartet Schrenk ein weiteres langfristiges exklusives Grabungsrecht. Der 54-Jährige mit den leuchtend blauen Augen will noch viel entdecken.

(dapd )


 


 

Schrenk
Fossil
Museum
Fläche
Paläoanthropologe
Karonga
Nationalmuseum
Aufbau

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Schrenk" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: