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Walter-Hallstein-Preis

Außenminister a. D. Joschka Fischer würdigt Preisträger als großen Europäer und fordert „starkes Europa“

Der italienische Schriftsteller Claudio Magris erhält heute Abend in Frankfurt am Main den Walter-Hallstein-Preis 2008. Die Initiatoren des Preises – die Dresdner Bank, die Stadt Frankfurt und die Goethe-Universität – ehren den Literaten und Journalisten für sein Gesamt-werk, in dem dieser „wie kaum ein anderer die Idee eines kulturellen Mitteleuropas entfaltet“, heißt es in der Begründung der Jury. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Laudatio im Rahmen der feierlichen Preisverleihung hält Bundesaußenminister a. D. Joschka Fischer.

Von Claudio Magris und seiner Wortkunst „profitiert nicht nur Italien, davon profitiert ganz Europa,“ so der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Dr. Herbert Walter.

Nach Walters Ansicht dürfe „Europa-Kritik nie dazu führen, dass wir uns von Europa abwenden.“ Denn Europa stehe vor immensen Aufgaben. Eine der wichtigsten sei die angemessene Antwort auf die Finanzkrise. „Mit ihrer mutigen Reaktion auf die Spannungen an den Finanzmärkten haben die EU-Staats- und Regierungschefs Anfang Oktober bewiesen, dass Europa gemeinsam handlungsfähig ist.“ Der Schwung müsse jetzt genutzt werden, eine gemeinsame europäische Finanzarchitektur zu etablieren. Dazu gehörten eine effektive Regulierung, transparente Märkte und ein europaweiter Schutz der
Anleger.

Joschka Fischer weist in seiner Laudatio auf die wichtige Bedeutung der Kultur bei der Vermittlung des Themas Europa hin. Die Texte von Magris würden einmalige Bilder der realen und symbolischen Orte Europas zeichnen. In diesen Texten sei ein Freiheitswille spürbar, der zu dem kostbarsten Erbe Europas zählt, „denn hier verbinde sich in einzigartiger Weise die Suche nach Freiheit mit Ironie, Demut und Beharrungswillen“, so Fischer. Mit Bezug zur aktuellen Diskussion um die Finanzsysteme sagt Fischer: „Nicht nur die Kultur, auch der Finanzplatz Deutschland braucht ein starkes Europa. Wer heute
national handelt, verkennt den Ernst der Lage.“

Claudio Magris wurde am 10. April 1939 in Triest geboren. Seit 1978 ist er Professor für moderne deutschsprachige Literatur an der Universität Triest. Magris gilt als einer der wichtigsten italienischen Germanisten und als brillanter Kulturpublizist. Neben wissenschaftlichen Arbeiten und politischen Essays veröffentlichte er Erzählungen und Kurzgeschichten.

Der Hallstein Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, die die Europäische Union als Friedensordnung vorangebracht haben. Benannt ist der Preis nach dem ersten gewählten Nachkriegsrektor der Universität Frankfurt und ersten Präsidenten der Europäischen Kommission, Walter Hallstein. Die bisherigen Träger des Walter-Hallstein-Preises sind:

  • 2007: Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments
  • 2006: Prof. Dr. Vaira Vike-Freiberga, Staatspräsidentin der Republik Lettland (1999 bis Juli 2007)
  • 2005: Jean-Claude Juncker, Premierminister des Großherzogtums Luxemburg und ständiger Vorsitzender der Finanzminister der Euroländer
  • 2004: Dr. Willem F. Duisenberg († 2005), erster Präsident der Europäischen Zentralbank (1998 bis 2003)
  • 2003: Prof. Dr. h.c. mult. Gil Carlos Rodriguez Iglesias, Präsident des Europäischen Gerichtshofes (1994 bis 2003)
  • 2002: Lord Ralf Dahrendorf, deutsch-britischer Sozialwissenschaftler und Politiker

Quelle: Dresdner Bank AG

(Redaktion)


 


 

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