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Ausstellung

Statue von Pharao Sahure in Frankfurt eingetroffen

(bo/ddp-hes). Auch eine vergleichsweise kleine Statue aus dem alten Ägypten ist monumental, lernt derzeit der Besucher im Frankfurter Skulpturenmuseum Liebieghaus.

Die einzige bekannte Statue von Pharao Sahure zum Beispiel ist nur 64 Zentimeter hoch, 46 Zentimeter breit und 41,5 Zentimeter tief. Sie ist der Höhepunkt der Ausstellung «Sahure - Tod und Leben eines großen Pharao» (ab 24. Juni) über den Herrscher aus der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. und ist, anders als die meisten Abbilder der altägyptischen Könige, sehr gut erhalten: Nase und die Königsinsignien Nemes-Tuch und falscher Bart sind nach mehr als 4400 Jahren noch intakt.

Nachdem die Statue aus der Sammlung des New Yorker Metropolitan
Museum of Art in einem eigenen Raum im Liebieghaus aufgestellt worden ist, nimmt Kurator Vinzenz Brinkmann sie in Augenschein. «Vielleicht ist sie zu klein, um im Totentempel der Pyramidenanlage des Sahure gestanden zu haben», sagt er. «Ich vermute, dass sie eher in einem anderen Heiligtum stand.» In dem Fall wiederum gäbe es Grund zur Annahme, dass Sahure bereits zu Lebzeiten wie eine Gottheit verehrt
wurde. «Das wäre extrem spannend», sagt Brinkmann.

Dass die Skulptur aus Gneis, einer harten und damals sehr
wertvollen Gesteinsart, während der Herrschaftszeit Sahures (etwa
2428 bis 2416 v. Chr.) entstand, gilt als gesichert. Die Statue zeigt
den Pharao auf einem breiten Sitz, neben ihm eine kleinere Figur. Sie
stellt einen oberägyptischen Gaugott dar, der die Hieroglyphe für
Leben («anch») in der Hand hält und damit Sahure als Herrscher in
Ewigkeit huldigt.

Kurator Brinkmann schätzt die Skulptur nicht nur ihrer
Vollständigkeit wegen. Sie erlaube auch einen Schluss, wie es im
sogenannten Fünf-Statuen-Raum in Sahures Pyramidenanlage aussah: «Es gab ziemlich sicher noch eine Statue, die Sahure mit einer
unterägyptischen Gottheit zeigt, und eine weitere als Osiris, den
Gott der Unterwelt.» Dem Mythos nach ist Sahure dem Pharao Cheops,
der rund 100 Jahre früher lebte, als einer von drei Söhnen des
Sonnengottes Re vorausgesagt worden. «Eine tolle Story», findet
Brinkmann.

Ins Schwärmen gerät der Ägyptologe, geht es um Sahures
Pyramidenanlage in Abusir unweit des heutigen Kairo: «Sie ist die
besterhaltene und damit schönste und am besten erforschte Anlage in
Ägypten.» Dass sie im Vergleich zu der drei mal so hohen
Cheops-Pyramide von Gizeh recht unbekannt sei, habe mit dem Schielen der meisten nach purer Größe zu tun, glaubt Brinkmann.

Die Sahure-Anlage aber habe in den Reliefen auf ihren Wänden «das
größte und schönste von den begabtesten Bildhauern der damaligen Zeit gearbeitete Bilderbuch Ägyptens» beinhaltet. «Und das auf 10 000
Quadratmetern! Ich frage mich, ob das gesamte Abendland auf so viel
Relief kommt. Am Parthenon auf der Akropolis gibt es vielleicht 250
Quadratmeter», sagt Brinkmann. Er zeigt auf die Hände einer Figur auf
einer Relieftafel, die dem Liebieghaus gehört: «Sehen Sie nur, wie
zart und durchstrukturiert das ist.»

In den Besitz der wertvollen Stücke kam das Liebieghaus dank des
Einflusses der Frankfurter Bürgerin Mimi Borchardt, der Frau von
Ludwig Borchardt. Der «Shooting-Star der deutschen Ägyptologie», wie
Brinkmann sagt, entdeckte vor rund 100 Jahren nicht nur die
weltberühmte Büste der Nofretete, sondern auch die Sahure-Anlage in
Abusir. Viele Teile daraus wanderten ins Ägyptische Museum in Berlin,
einige nach Frankfurt. Ein Modell aus Holz und Gips und Pappe nach
seinen Plänen gibt in der Sahure-Ausstellung einen Überblick über die
Anlage.

Die große Grabpyramide liegt dabei am Ende des sogenannten
Aufwegs, der am Taltempel beginnt. Dazu gibt es Säulengänge und eine
Nebenpyramide. «Eine Pyramidenanlage besteht nicht nur aus der
Pyramide», erklärt Brinkmann. Dem Kurator liegt daran, das Auge des
Betrachters auf das scheinbar Geringere zu lenken.

(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)


 


 

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