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Automobilwirtschaft

Autoindustrie fährt «auf Sicht»

(bo/ddp.djn). Die deutsche Autobranche erwartet 2009 das schlechteste Jahr seit mindestens zwanzig Jahren. Der Verband der Automobilwirtschaft (VDA) rechne bundesweit mit 2,9 Millionen Pkw-Neuzulassungen - und das auch nur bei günstigen politischen Rahmenbedingungen, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Mittwoch in Frankfurt am Main. Auch eine noch schlechtere Entwicklung sei nicht auszuschließen. Wegen der anhaltenden Talfahrt deutete Wissmann auch einen Abbau von Arbeitsplätzen an.

Für dieses Jahr erwartet der VDA in Deutschland knapp unter 3,1
Millionen Pkw-Neuzulassungen, womit das Niveau von 2007 nicht
erreicht werde. «Die Automobilmärkte haben eine Talfahrt genommen,
die in dieser Geschwindigkeit und Ausprägung noch nie vorher
stattgefunden hat», betonte Wissmann. Auch der Export und die
Produktion würden 2009 prozentual zweistellig rückläufig sein. Die
Krise beschränke sich nicht auf ein Land, sondern habe alle wichtigen
Märkte weltweit erfasst.

Angesichts des «dramatischen Nachfragerückgangs» würden die
deutschen Hersteller ihre Produktion drosseln. «Dies wird auch
Auswirkungen auf die Beschäftigung haben», sagte Wissmann. Zuletzt
seien bereits 8000 bis 10 000 Leiharbeitsstellen abgebaut worden. Der
seit dem Frühjahr 2007 zu beobachtende Beschäftigungsaufbau sei
mittlerweile zum Stillstand gekommen. Neben dem Auslaufen von
Zeitarbeitsverträgen, dem Abbau von Überstunden sowie der Nutzung der
Arbeitszeitkonten seien «weitere Anpassungsprozesse» nicht
ausgeschlossen.

Wissmann zeigte sich überzeugt, dass «die deutsche Autoindustrie
besser als ihre Wettbewerber aus der Krise hervorgehen» werde. Dazu
müssten die Investitionen in Forschung und Entwicklung auf dem
höchstmöglichen Niveau weitergeführt werden. Mit Blick auf den
EU-Klimakompromiss sprach Wissmann erneut von einer «enormen
Herausforderung». Er unterstrich, dass niemand die Ziele verfehlen
und Strafzahlungen leisten wolle. Am Montag hatten sich Mitglieder
des EU-Parlaments, der EU-Kommission und der Mitgliedsstaaten auf
eine schrittweise Reduzierung des CO2-Ausstoßes von Neuwagen bis 2015
verständigt und waren der Autoindustrie dabei deutlich
entgegengekommen.

Wissmann rief die Politik auf, endlich eine Entscheidung über die
Reform der Kfz- Steuer zu treffen. Außerdem erneuerte er seinen
Appell, auch Warenkreditversicherer am Bankenrettungspaket zu
beteiligen. Sollten sich die Kreditversicherer zurückziehen und die
Lieferkette deshalb reißen, hätte das dramatische Auswirkungen auf
den gesamten Autostandort Deutschland, warnte Wissmann.

Bereits am Dienstagabend hatten die um ihr Überleben kämpfenden
US-Autohersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler in einem
zweiten Anlauf beim US-Kongress staatliche Hilfen von diesmal 34
Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro) beantragt. Dies ist deutlich
mehr als die noch im November erbetenen 25 Milliarden Dollar. GM und
Chrysler erklärten, ihnen drohe ohne staatliche Hilfe bis zum
Jahresende der finanzielle Kollaps. Vor allem bei der
Opel- Muttergesellschaft GM habe sich die Lage drastisch zugespitzt.
GM beantragte Finanzhilfen von 18 Milliarden Dollar und damit 6
Milliarden Dollar mehr als bislang. Zudem will GM bis 2012 weitere 31
500 Arbeitsplätze in den USA streichen.

(Redaktion)


 


 

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