Börsencompass
Die aktuelle Einschätzung der täglichen Börse
Rhein-Main. Das Topthema des Tages war die gestrige EZB-Ratssitzung. Der Aktienmarkt tendierte gestern durch die guten Konjunkturdaten aus Deutschland und den verstärkten Hoffnungen des erfolgreichen Schuldenschnitts in Griechenland sehr freundlich.
Rentenmarkt / Konjunktur
Am gestrigen Nachmittag – im Rahmen und nach der EZB-Pressekonferenz – ging es an den Rentenmärkten etwas volatiler zu. Zu Beginn der Pressekonferenz tendierten die Bundesanleihen zunächst kurzfristig schwächer, so dass in Folge der Bekanntgabe der erhöhten EZB-Inflationsprojektionen die Rendite der 10-jährigen Laufzeit bis auf 1,83% anzog, bevor sich über die nach wie vor schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen in der Eurozone und die nach außen getragene Gelassenheit der EZB zum Thema Target-Salden eine dennoch unveränderte Geldpolitik in der Erwartungsbildung an den Finanzmärkten durchsetzte. Die Bundesanleihen begrenzten daraufhin ihre Kursverluste, die Risikoneigung an den europäischen Staatsanleihemärkten kehrte rasch zurück. Im Tagesverlauf konnten sich die Renditen italienischer Staatsanleihen um 5 bis 15 Basispunkten verringern, bei den spanischen Bonds waren es immerhin 3 bis 5 Basispunkte. Damit wurde die etwas ansteigende Risikoaversion in den vergangenen Tagen durch die EZB-Pressekonferenz begrenzt. Nach dem nochmals kräftigen Anstieg der ADP-Beschäftigung in den USA im Februar, und den – verglichen mit der Situation im Herbst letzten Jahres – nachhaltig verringerten Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sollte diese durch die heutigen Arbeitsmarktdaten nicht gleich wieder anziehen – da sind die Ergebnisse der griechischen Umschuldung in Teilnahmequote und politischen Folgen schon eher als Determinanten der EWU-Staatsanleihemärkte für den heutigen Tagesverlauf zu sehen.
Aktienmarkt
Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern sehr freundlich. Verantwortlich hierfür zeichneten neben der sich im Handelsverlauf verstärkenden Hoffnung auf einen erfolgreichen Schuldenschnitt in Griechenland auch gute Konjunkturdaten aus Deutschland. In diesem Umfeld legte der Dax um 2,5% zu und schloss nahezu auf dem Tageshoch. Tagesgewinner im Dax war die Aktie der Deutschen Post (+5,7%). Die Börse honorierte neben dem positiven Geschäftsausblick auch die erhöhte Dividende. Die erfolgreiche Umschuldung in Griechenland bescherte der Notierung der Deutschen Bank ein Plus von 4,4% (Commerzbank: +2,4%). Henkel gewann nach Vorlage der Geschäftszahlen nach schwachem Start rd. 4,7%. Im MDax (+3,2%) legte das Indexschwergewicht EADS nach der Präsentation sehr guter Zahlen um fast 10% zu. Auf europäischer Sektorebene erzielte die Autobranche mit einem Plus von 3,8% die höchsten Gewinne. Nahezu unverändert notierten dagegen die Sektoren Versorger und Pharma. Auch die US-Börsen legten in Erwartung eines erfolgreichen Schuldentausch Griechenlands deutlich zu. Der S&P 500 gewann knapp 1%. Schwächere US-Arbeitsmarktdaten wirkten sich nicht negativ aus. Auf Sektorbasis führten Rohstoffaktien die Performancerangliste mit durchschnittlichen Aufschlägen von 1,6% an. In Asien setzte sich die gute Laune fort. Der Nikkei 225 gewann unterstützt von einem schwächeren Yen und der Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen in China 1,7%. Im Tagesverlauf stieg er sogar erstmals seit Anfang August 2011 über die Marke von 10.000 Punkten. Der Kospi gewann 0,9%; die Aktie von Samsung Electronics kletterte um 4,2% auf ein neues Rekordhoch.
Topthema des Tages
Nachdem am 29.2. der zweite der beiden im Dezember angekündigten Dreijahrestender im Rekordvolumen von 529,5 Mrd. und einer Beteiligung von 800 Banken zugeteilt worden war, standen neue geldpolitische Beschlüsse bei der gestrigen EZB-Ratssitzung nicht zur Debatte. Über eine Senkung des Reposatzes habe man nicht diskutiert, sagte EZB-Präsident Draghi. Eine weitere Leitzinssenkung, die wir ohnehin nicht mehr erwartet haben, ist auf Basis ihrer neuen Projektionen noch unwahrscheinlicher geworden. Demnach erwartet sie eine Preissteigerungsrate in 2012 zwischen 2,1 und 2,7% (Ölpreis, Anhebung indirekter Steuern) und für 2013 zwischen 0,9 und 2,3%; die Wachstumsprojektion (2012: -0,5 bis 0,3%) korrigierte sie nur leicht nach unten; doch sieht sie die Abwärtsrisiken überwiegen. Bezüglich des Erfolgs der Langfrist-tender zeigte sich Draghi sehr zufrieden. Er habe die Risiken im Finanzsystem stark verringert, es gelte jetzt, die komplexen Wirkungen abzuwarten und zu analysieren. Er betonte, dass viele kleine Banken, die gewöhnlich Kredite an kleine und mittlere Unternehmen vergeben, sich Liquidität beschafft haben, was ein gutes Zeichen sei. Die Tatsachen, dass die Einlagefazilität gleichzeitig einen neuen Rekordstand erreicht habe, sei kein Indiz für die Wirkungslosigkeit dieser Strategie mit Blick auf die Kreditvergabe; denn sie werde von anderen Banken genutzt als von denen, die sich die Liquidität besorgt hätten. Zwar ist ein neuer Langfristtender nicht geplant, doch könnte eine neuerliche Eskalation der Krise etwa infolge der Verfehlung von Konsolidierungszielen oder politischen Widerständen in den Problemländern eine Neuauflage früher oder später erzwingen. Die EZB bleibt unter dem Diktat der Krise.
(ots / Commerzbank AG)
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