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Hochschulen platzen nicht aus Nähten

«Bewerberansturm» für das Wintersemester ist Mehrfachanträgen geschuldet

(bo/ddp-hes). Die Hochschulen in Hessen sehen dem Bewerberansturm zum neuen Wintersemester ab Oktober gelassen entgegen. «Für die 3500 neuen Plätze haben sich bei uns rund 22 000 Studienwillige beworben», sagt Stephan Hübner, Sprecher der Frankfurter Goethe-Universität. Trotzdem werde niemandem die akademische Laufbahn verwehrt bleiben. Hübners Prognose beruht auf der bei Abiturienten beliebter werdenden Vorgehensweise, sich bei mehreren Hochschulen zu bewerben. «Online ist da schnell mal ein halbes Dutzend Unis angeschrieben», erläutert Hübner.

Die übrigen Hochschulen in Hessen schätzen die Lage ähnlich ein.
«7000 Bewerbungen», vermeldet Ralf Thaetner von der Hochschule in
Fulda. Dies seien 2000 Kandidaten mehr als im Vorjahr. «Doch am Ende
schreiben sich wieder nur rund 1000 neue Studenten bei uns ein», sagt
Thaetner voraus. In Fulda ist das Online-Verfahren erst für das
Wintersemester 2008/09 neu eingerichtet worden. «Das führt bei den
Bewerbungen zu einer gewissen Beliebigkeit.» In Fulda gebe es bei
einigen Studiengängen wie etwa Angewandter Informatik sogar noch
freie Plätze.

Die bis 2010 geplante flächendeckende Einführung des
Bachelor-Abschlusses, an den sich ein Master-Studiengang anschließen
kann, verlagert außerdem in einigen Fächern den Vorlesungsbeginn auf
das Wintersemester. Ein Trend, der nach Auskunft der Universitäten
anhalten wird, ohne dass sich dabei die Gesamtzahl der Studenten an
der jeweiligen Hochschule ändern muss. Für den Fall, dass es für die
Neuankömmlinge tatsächlich mal eng wird, planen die meisten
Studienstandorte Parallelveranstaltungen. Nur an der Frankfurter und
der Kasseler Universität sind neue Hörsaalgebäude entstanden.

Auf dem Campus «Lichtwiese» der Technischen Universität (TU)
Darmstadt steht ein beheizbares Großzelt für die Studenten bereit.
«Aber nicht, wie viele denken, wegen des Bewerberansturms»,
versichert TU-Sprecher Wolf Hertlein. «Sondern weil unser Audimax
saniert wird.» Nicht nur der größte Hörsaal ist in Darmstadt wegen
Bauarbeiten geschlossen, in anderen Trakten wird ebenfalls noch
gewerkelt. Einige Wochen lang werden die Studenten daher auch in den
bequemen Sesseln zweier Innenstadtkinos für ihre Vorlesungen Platz
nehmen.

Den hessischen und bundesweiten Trend des Anstiegs der
Bewerberzahlen spiegeln die Daten in den Rechnern der TU Darmstadt
exakt wider. «Vor zwei Jahren hatten wir fürs Wintersemester 9100
Bewerbungen», sagt Hertlein. Vergangenes Jahr haben dem TU-Sprecher
zufolge 11 900 Nachwuchsakademiker Interesse an einem Studienplatz
bekundet, dieses Jahr seien es knapp 16 000 gewesen. Unverändert
geblieben sei jedoch die Zahl der tatsächlichen Neu-Einschreibungen
zu Vorlesungsbeginn. «Auch dieses Jahr werden wir wieder rund 4000
Studenten im ersten Semester haben.»

Der Wegfall der Studiengebühren in Hessen habe, so die einhellige
Auskunft der Unis, keinen Einfluss auf die Zahl der
Neu-Einschreibungen. Neben der Möglichkeit, einen Antrag online zu
versenden, bestehe aber in einem Hochschul-internen Numerus Clausus
eine weitere Ursache für den Bewerberansturm. Ist ein Studiengang an
einer Universität individuell zulassungsbeschränkt, müssen die
angehenden Studenten mit einer Absage rechnen und bewerben sich daher
gleichzeitig an mehreren Standorten.

Nach Zahlen des Wiesbadener Kultusministeriums werden zum
Wintersemester 2008/09 in Hessen rund 25 000 Studenten ihr erstes
Vorlesungshalbjahr erleben. Dafür hat sich jeder im Schnitt auf rund
vier Studienplätze beworben - bei den Hochschulen im Land sind knapp
100 000 Bewerbungen eingegangen. Auch Ralf Thaetner von der
Hochschule Fulda erinnert sich an eine Studentin, die 2007 über zehn
Bewerbungen verschickte und fünf oder sechs Zusagen erhielt. «Sicher
ist sicher», sagt er: «Studiert hat sie dann ganz woanders.»

(rheinmain)


 


 

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