Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell
Weitere Artikel
Islamistische Audiobotschaft

Totengebet für bin Laden: Hassprediger plant Grußkundgebung in Frankfurt

(bo/dapd). Ein öffentliches islamisches Totengebet für Osama bin Laden will der radikal-muslimsche Prediger Pierre Vogel bei einer Großkundgebung am Samstag in Frankfurt am Main sprechen. Das kündigte der vom Verfassungsschutz beobachtete Prediger am Montag auf seiner Internetseite an.

Das Frankfurter Ordnungsamt verbot die Kundgebung. Stadtrat Volker Stein (FDP) sagte, dass eine derartige "öffentliche Verhöhnung der Opfer vom 11. September und zahlreicher weiterer Opfer islamistischen Terrors" unter keinen Umständen hinzunehmen sei.

Die Veranstaltung mit dem Titel "Wie erreicht man den Frieden auf der Welt" wurde mit 1.000 bis 1.500 Teilnehmern auf dem Roßmarkt angemeldet. Der Ordnungsdezernent bezeichnete eine solche Kundgebung als gezielte Provokation der deutschen Öffentlichkeit. "Aus meiner Sicht ist es daher nicht ausgeschlossen, dass es zu Ausschreitungen kommt, wenn dieser Hassprediger auftritt", sagte Stein. Ob der Prediger gegen das Verbot vorgeht, war zunächst nicht bekannt.

"Übelste Kritik am perversen Weltbild"

Vogel sagte in seiner Audiobotschaft, jeder Muslim habe das Recht, dass man für ihn das Totengebet spreche. Bei der Veranstaltung wolle er auch die Umstände des Todes bin Ladens und die Reaktionen darauf ansprechen: "Wir werden dort übelste Kritik üben an dem perversen Weltbild, was einige Leute hier haben, an dem Feiern von einem Tod von einem Menschen."

Vogel betonte, es gehe nicht darum, die Anschläge des 11. September 2001 zu verteidigen. Diese seien "aus islamischer Perspektive unislamisch". Der rheinländische Konvertit äußerte jedoch Zweifel, ob die Terrorakte tatsächlich bin Laden zuzurechnen seien. "Warum hat man seine Leiche den Haien zum Fraß vorgeworfen?", fragte Vogel.

Bei der geplanten Kundgebung sollte auch der Vorsitzende des salafistischen Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP), Sven Lau, sprechen. Die Mönchengladbacher Gruppe wird vom Verfassungsschutz beobachtet, das nordrhein-westfälische Innenministerium prüft die Einleitung eines Verbotsverfahrens.

Auch Dschihad-Verherrlicher haben sich angekündigt

Als Teilnehmer haben sich in Internetforen auch Vertreter der extremistischen und den bewaffneten Dschihad verherrlichenden, Gruppe "Die wahre Religion" angekündigt. Gegen ihren Kopf, den früheren Geschäftsmann Ibrahim Abou-Nagie, ermittelt seit einigen Wochen die Kölner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung, des öffentlichen Aufrufs zu Straftaten und der Verunglimpfung von Religionsgemeinschaften.

Der Generalsekretär der in Verfassungsschutzberichten ebenfalls als islamistisch beschriebenen, aber als deutlich weniger radikal geltenden, deutschen Vereinigung "Milli Görus", Oguz Ücüncü, kritisierte Vogels Ankündigung. Die "unverhohlene Freude" über den Tod bin Ladens sei zwar unangemessen. "Jede Art von Aktionismus, die Lagerdenken befördert, finde ich aber kontraproduktiv", sagte Ücüncü der Nachrichtenagentur dapd. Wenn es tatsächlich ein Totengebet für bin Laden gebe, werde sich jeder Muslim äußern müssen, ob dies eine Solidarisierung mit einem Terroristen sei.

Auch Anhänger von Pierre Vogel kritisierten dessen Ankündigung teils heftig. "Geht's denn noch, das finde ich absolut daneben", schrieb der Nutzer "Strebe nach Wissen" auf Facebook. "Bint Younes" vermutete, Vogel wolle nur Aufmerksamkeit: "Lasst diese provokative Art sein, es reicht langsam."

Der Kanzlerin empfahl Vogel die Einführung der Scharia

Pierre Vogel wurde durch Talk-Show-Auftritte und Internet-Ansprachen bundesweit bekannt. Der 32 Jahre alte Ex-Boxer und der Verein "Einladung zum Paradies" werden zum Spektrum des Salafismus gezählt, der als die am schnellsten wachsende Strömung innerhalb des fundamentalistischen Islam gilt. Vogels Ansprachen gelten als verfassungs- und integrationsfeindlich. Er bezeichnete die Scharia als dem westlichen Rechtssystem überlegen und schlug Kanzlerin Angela Merkel in einer Ansprache in Mönchengladbach vor, das islamische Rechtssystem in Problemvierteln wie Berlin-Neukölln auszuprobieren. Terroranschläge in westlichen Ländern hat Vogel stets verurteilt.

In der Frankfurter Innenstadt hatte Vogel bereits vor zwei Wochen gemeinsam mit dem wegen homophober Äußerungen aufgefallenen kanadischen Prediger Bilal Philips gesprochen. Philips wurde nach der Veranstaltung des Landes verwiesen.

Ulrich Kraetzer

(dapd )


 


 

bin Laden
Großkundgebung
Verfassungsschutz
Totengebet
Tod
Pierre Vogel
Terrorakte
Hassprediger

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "bin Laden" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: