Börsenkompass
Die tägliche Einschätzung der Börse
Frankfurt/Main. Der gestrige Handelstag war zunächst geprägt durch eine abwartende Haltung. Bundesanleihen schlossen kaum verändert zum Vortag. Auch die Euro-Peripherie tendierte kaum verändert.
Rentenmarkt/Konjunktur
Lediglich spanische Staatsanleihen verbuchten mit Blick auf schlechte Arbeitsmarktdaten und die heute anstehende Auktion einen leichten Renditeanstieg. Erst das Protokoll der letzten Fed-Sitzung – aus dem hervorgeht, dass es kein neues Anleihekaufprogramm geben wird – ließ die Renditen an den US-Märkten im späten Handel deutlich ansteigen. Konjunkturdaten standen durch die Erzeugerpreise im Euroraum und die Auftragseingänge der Industrie in den USA an. Erstere bestätigten den Preisauftrieb in der Eurozone (+3,6% im Jahresvergleich), welcher maßgeblich auf die gestiegenen Energiepreise zurückzuführen ist. Die Kernrate im Jahresvergleich lag bei 1,7%. Die Auftragseingänge in den USA stiegen im Februar mit 1,3% zudem et-was schwächer als erwartet. Insgesamt bestätigen beide Daten unser bestehen-des Bild von einem intakten Preisauftrieb in der Eurozone und einer wenig dynamisch aber wachsenden US-Wirtschaft.
Am heutigen Tag sind die Blicke auf die Zinsentscheidung der EZB gerichtet. Ebenso sollten die Auftragseingänge der deutschen Industrie, sowie der ISM-Index (Dienstleistung) und der ADP-Beschäftigungsbericht in den USA die Marktteilnehmer interessieren.
Aktienmarkt
Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern schwächer. Die Leitindizes verloren um bis zu 2,7% (Spanien). Die Handelsaktivität war allerdings relativ gering. Verantwortlich für die Gewinnmitnahmen zeichneten insbesondere Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Schuldenkrise in Spanien, worunter Bankaktien litten (Deutsche Bank: -3%; Commerzbank: -3,4%) sowie die schwache konjunkturelle Entwicklung in der Euro-Zone. Auch die Auftragseingänge der US-Industrie lagen unter den Schätzungen der Analysten. Tagesgewinner im Dax (-1,1%) war die Notierung der Lufthansa (0,8%). In der zweiten Reihe fiel die Aktie von Sky Deutschland infolge des Bieterwettstreits um die TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga weiter um 1,3%. Die Notierung von HHLA gewann 5%, nach-dem das Land Niedersachsen der Elbvertiefung zugestimmt hatte. Auf europäischer Sektorebene zählten die Branchen Banken (-2,4%), Bau (-1,6%) sowie Versicherungen und Versorger (jeweils -1,5%) zu den größten Verlierern. Pharmatitel büßten dagegen im Schnitt nur 0,2% ein. Die US-Börsen tendierten ebenfalls schwächer. Für Enttäuschung sorgten v.a. die Aussagen der US-Notenbank hinsichtlich des moderaten Erholungskurses der heimischen Wirtschaft. Damit wurden die Hoffnungen der Börsianer auf weitere geldpolitische Lockerungen erst einmal gedämpft. Energieaktien büßten aufgrund eines sinkenden Ölpreises als Tagesverlierer im Schnitt 1% ein (Versorger: +0,1%). Die Börsen in Asien tendierten heute schwächer, wobei die Aktienmärkte in China, Hongkong und Taiwan feiertagsbedingt geschlossen hatten. Der Nikkei 225 büßte 2,1% ein und schloss somit wieder unter der Marke von 10.000 Punkten. Auch der KOSPI (Korea) fiel um 1,5%.
Topthema des Tages
Seit einigen Wochen zählt die japanische Börse zu den weltweit besten Aktienmärkten. Seit Jahresbeginn gewann der Nikkei 225 rd. 19% und damit fast genau so viel wie der Dax, der in Europa unter den Leitindizes die beste Performance aufweist. Was sind die Gründe für die kleine Renaissance am Kabutocho? Hauptverantwortlich für den überraschenden Kursaufschwung in Tokio zeichnet die unerwartete geldpolitische Lockerung durch die Bank of Japan (BoJ) Mitte Februar. Die Notenbank stockte ihr Programm zum Kauf von Wertpapieren um die Hälfte auf. Überdies verkündete die BoJ erstmals ein Inflationsziel von 1%. Nach dem jüngsten Anstieg ist der Topix mit einem KGV von 13,2 auf Basis der für das Fiskaljahr 2011/12 geschätzten Indexgewinne in Höhe von 64,6 Yen relativ zu den Börsen in Europa und den USA aber nicht mehr günstig bewertet (KGV 2012/13e: 11,2). Der faire Wert für den Topix hängt jedoch stark vom Yen-USD-Verhältnis ab. Seit Anfang 2012 schwächte sich der Yen gegenüber dem USD in der Spitze um mehr als 8% ab. Eine weitere Abwertung des Yen würde u.E. eine Ausweitung des KGV rechtfertigen, da die Sensitivität der Umsatz- und Ergebnisentwicklung in Abhängigkeit vom Yen-USD-Wechselkurs recht hoch ist. Allerdings erwarten wir bis zum Ende des Jahres kein großes Abwertungspotential für den Yen mehr. Aus Bewertungsge-sichtspunkten empfehlen wir innerhalb unseres Regionenrankings weiterhin eine neutrale Gewichtung des japanischen Aktienmarktes. Der jüngste Tankan-Report enttäuschte. Die Großunternehmen sind weiterhin vorsichtig. Sie streben 2012 keine Steigerung ihrer Investitionen an. Positiv für die Börse wäre u.a. eine forcierte expansive Geldpolitik in China.
(Commerzbank AG)
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