Börsencompass
Die tägliche Einschätzung der Börse
Frankfurt. Das Topthema des Tages ist die Zwischenerholung der US-Handelsbilanz
Rentenmarkt / Konjunktur
Die wieder stärkere Verunsicherung an den Finanzmärkten war auch gestern zu spüren. Zwar schloß der Bund Future gestern Abend nahezu unverändert, die Schwankungen im Tagesverlauf waren jedoch erheblich. Nach einem Rücklauf von zunächst fast 60 Ticks infolge der Ankündigung aus dem EZB-Direktorium, notfalls über bestehende Anleihenkaufprogramm zugunsten spanischer Anleihen intervenieren zu wollen, wurde der Tageshöchststand am Nachmittag nochmals erreicht. Hierfür war der Anstieg der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslo-senhilfe in der Woche vor dem 7. April auf 380 Tausend verantwortlich. Zusam-men mit dem schwächeren Beschäftigungsaufbau im März hat dies die Sorgen über die US-Konjunktur-entwicklung in den vergangenen Tagen angeheizt. Nach einer fast euphorischen Aufnahme der US-Makrodaten im 1. Quartal neigen die Finanzmärkte aktuell zu einer zu pessimistischen Interpretation. Zum einen lag der Beschäftigungsaufbau zwischen November und Februar durchschnittlich deutlich über 200 Tausend pro Monat, zum anderen sind bei den wöchentlichen Daten Sondereffekte zu Ostern zu berücksichtigen. Die Nervosität beschränkte dann auch die Entlastungseffekte bei Anleihen aus der EWU-Peripherie. Spani-sche Bonds konnten ihre Rendite nur um wenige Basispunkte verringern. Mit einer Rendite von 5,8% liegt die 10-jährige Laufzeit trotz der jüngsten EZB-Aussagen noch immer 100 Bp. höher als Anfang März. Bei italienischen Lang-läufern (5,4%) sind es zumindest 80 Bp. Die Krise ist halt alles andere als vorbei.
Aktienmarkt
Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern mit Aus-nahme der Börse in Spanien (-0,8%) überwiegend freundlich. Die Leitindizes legten bei gestiegener Volatilität um bis zu 1,8% (Österreich) zu. Verantwortlich für die letztlich positive Tendenz zeichneten vor allem zum Teil besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten (Erzeugerpreise), die die Hoffnung auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung in den USA stärkten. Im Dax (+1%) führte die Notierung von Infineon mit einem Plus von 5,8% die Gewinnerliste an; hier beflügelte auch eine Kaufempfehlung. Gefragt waren zudem Autoaktien wie VW (+2%) oder BMW (+2,9%). Metro büßte dagegen als Tagesverlierer 1,8% ein. In der zweiten Reihe legte die Aktie von Gerresheimer nach Zahlen rd. 10% zu. Sky Deutschland gewann nach einem positiven Analystenkommentar sogar 14,5%. Ein 15-Jahrestief markierte hingegen die Nokia-Aktie; sie büßte nach dem sehr schwachen Vortag nochmals fast 8% ein. Auf europäischer Sektorebene führten Rohstoffaktien mit durchschnittlichen Aufschlägen von 3% die Performancerang-liste an. Versorgeraktien verloren dagegen im Schnitt 0,2%. Die US-Börsen tendierten trotz enttäuschender Arbeitsmarkt-daten sehr freundlich. Der Markt honorierte v.a. positive Aus-sagen der Fed in Bezug auf eine Fortsetzung der sehr expan-siven Geldpolitik bis 2014. Die Aktie von HP gewann nach positiven Analystenkommentaren 7,2%. Wie in Europa legten Rohstofftitel (+2,8%) am stärksten zu. Die Börsen in Asien tendierten trotz eines schwächer als erwartet ausgefallenen BIP-Wachstums in China für Q1 in Höhe von 8,1% ebenfalls freundlich. Dafür beflügelte v.a. eine höhere Kreditvergabe chinesischer Banken im März.
Zwischenerholung der US-Handelsbilanz
In den USA ist das Handelsbilanzdefizit im Februar deutlich um 6,5 auf 46,0 Mrd. USD gesunken. Ausschlaggebend hier-für war vor allem ein unerwarteter Rückgang der Importe um 2,7% M/M, während die Exporte mit +0,1% M/M fast unverän-dert blieben. Bei der Länderbetrachtung fällt auf, dass vor allem das Defizit mit China geschrumpft ist, das seit geraumer Zeit etwa die Hälfte des Gesamtdefizits ausmacht. Dies legt den Schluss nahe, dass hier Verzerrungen infolge der Feier-lichkeiten um das chinesische Neujahrsfest zu Lieferverzöge-rungen in die USA geführt haben; jedenfalls war schon in den vergangenen Jahren häufig im Februar ein Rückgang des bilateralen Handelsdefizits zu beobachten.
Daher wäre es verfehlt, aus den nachlassenden Importen vorschnell auf eine erlahmende US-Binnennachfrage zu schließen. Vielmehr gehen wir davon aus, dass die Erholung in den USA in einem Tempo weitergeht, das für eine rege Importnachfrage sorgt. Da das US-Importniveau derzeit etwa 25% höher ist als das Exportniveau, müsste die Wachstums-rate der Exporte dauerhaft um das 1,25-fache höher sein als die der Importe, um das Handelsdefizit allein schon konstant zu halten. Doch von diesem Punkt ist die Exportdynamik - bei zugleich starkem Importsog - noch einiges entfernt. Insofern ist die jüngste Erholung der US-Handelsbilanz wohl nur eine kurze Gegenbewegung im Verschlechterungstrend. Trotzdem ist festzuhalten: Mit Blick auf die BIP-Statistik sind die Belas-tungen von Außenhandel im 1. Quartal wohl geringer als bis-lang erwartet, was Raum für eine positive Überraschung bietet.
(Commerzbank AG)
Tags:- Importe
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