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Börsenkompass

Die aktuelle Einschätzung der Börse

Das Topthema des Tages bezieht sich heute auf die Deutsche Industrie und die Verringerung der Auftragseingänge. Der Aktienmarkt sollte zum Wochenbeginn einen Impuls erhalten, stattdessen wurde er aber durch den verdoppelten Haushaltsdefizit von Ungarn belastet. Auf dem Rentenmarkt und der Konjunktur verzeichnen die Bundesanleihen einen Anstieg.

Rentenmarkt / Konjunktur

Die Bundesanleihen verzeichneten nach Meldung eines deutlich stärker als erwarteten Anstiegs der deutschen Exporte im November (+2,5% M/M nach -2,9% M/M) gestern zwischenzeitlich leichte Kursverluste; im späten Handel erholten sie sich aber wieder und erzielten per Saldo Kursgewinne. Französische Staatspapiere tendierten von Tagesbeginn an freundlich und erzielten deutlichere Kursgewinne. Die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen stiegen per Saldo leicht an, griechische Staatstitel kamen sehr stark unter Druck.
Die gestrige Auktion deutscher Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von 6 Monaten und einem Volumen von 3,9 Mrd. EUR erzielte einen Durchschnittszins von minus 0,01%. Das bedeutet, dass der Staat für die kurzfristige Kreditaufnahme am Geldmarkt keine Verzinsung zahlen muss, sondern sogar eine kleine Prämie erhält. Eine Emission mit negativer Rendite gab es in Deutschland noch nie und lag auch an der Umstellung des Auktionsverfahrens, bei dem die Bieter keine Renditen, sondern Kurse bieten. Bei Kursen von über 100% des Nennwertes können die Renditen ins Negative fallen. Im Sekundärmarkt sind die Geldmarktrenditen schon im November und die Renditen von Bundesschatzanweisungen im Dezember ins Negative gesunken. Dies liegt am extrem niedrigen Renditeniveau, das vor allem aus Übertreibungen der Staatsschulden- und Bankenkrise resultiert und spiegelt die Suche der Investoren nach sicheren Anlagen wider. Bei einer Entspannung der Krise dürften die Übertreibungen zurückgehen.

Aktienmarkt

Zum Wochenauftakt konnte das Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy den europäischen Aktienmärkten nicht die erhofften Impulse bringen. Stattdessen belastete am Nachmittag die Meldung, dass das ungarische Haushaltsdefizit 2011 doppelt so hoch wie erwartet ausgefallen ist. In diesem Umfeld standen vor allem die Banken unter Druck. Im Dax war die Commerzbank (-3,8%) erneut der schwächste Wert. Dagegen standen im Vorfeld der Automesse Detroit Auto Show Automobilwerte im Fokus. BMW (+2,3%) proftierte zudem von einer Analysten-empfehlung. Im EUROSTOXX 50 mussten Banken (-2,7%) die mit Abstand stärksten Abgaben hinnehmen, während Nahrungsmittel (+1,4%) deutlich positiv herausragten. Leicht positiv (+0,2%) entwickelte sich auch der Energiesektor. An der Wall Street konnten die Indizes im Handelsverlauf die negativen Vorgaben aus Europa abschütteln und schlossen mehrheitlich im Plus. Nur der durch Google (-4,2%) belastete Nasdaq 100 fiel leicht zurück. Insgesamt standen Technologiewerte eher auf der Abgabeseite, die Branche gab als einzige leicht nach (-0,3%). Stärkster Wert im Dow Jones Index war vor den nachbörslich veröffentlichten Quartalsgewinnen Alcoa (+2,9%), diese fielen dann im Rahmen der Erwartungen aus. In Fernost können die meisten Indizes heute Morgen deutlicher zulegen. Vor allem Shanghai verzeichnet angesichts der Erwartung weiterer Lockerungsmaßnahmen Kursgewinne. Einzig der Nikkei entwickelt sich nur leicht fester. Nach diesen Vorgaben werden auch die europäischen Börsen mit Kursgewinnen eröffnen. Weder von der Makroseite noch aus Unternehmenssicht sind wichtige Daten auf der Agenda.

Topthema des Tages

Deutsche Industrie bekommt die Bremseffekte zu spüren

Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie haben sich im November im Vergleich zum Vormonat um 4,5% verringert – und der Output folgte auf Tritt. Mit einem Rücklauf um 1,0% im Vergleich zum Vormonat setzte die deutsche Industrie den Trend aus den Vormonaten fort – bereits seit dem Spätsommer ist diese Tendenz zu beobachten. Durch die witterungsbedingten Zuwächse im Bauhauptgewerbe ist das produzierende Gewerbe insgesamt nur um 0,6% geschrumpft. Dennoch sollte die Entwicklung der Auftragseingänge auch nicht zu sehr verunsichern. Sie unterliegen starken monatlichen Schwankungen – wie der deutliche Anstieg noch im Oktober zeigt – und abstrahieren von einem zuletzt verbesserten Umfeld. Die US-Konjunkturindikatoren kommen bereits seit dem Herbst freundlicher herein, so dass die transatlantischen Impulse in den kommenden Monaten wieder stärker werden. Darüber hinaus konnten auch die Frühindikatoren in einigen Schwellenländern zuletzt wieder spürbar zulegen. Sie hatten sich im Herbst kräftig eingetrübt – tragen nun aber deutliche Anzeichen einer raschen Gegenbewegung, so dass die eigentliche konjunkturelle Verlangsamung weniger dynamisch ausfallen sollte. Darüber hinaus wurden nun auch in diesen Ländern Maßnahmen der geldpolitischen Lockerung umgesetzt. Mit fiskalischen Maßnahmen ist zu rechnen, falls dies zur Stabilisierung der Konjunktur nicht ausreicht. Der Exportzuwachs im November – rasche Gegenbewegung nach dem Rückgang im Oktober – spricht jedenfalls nicht gerade für eine einbrechende Nachfrage bei deutschen Industrieprodukten. Zentrales Risiko bleibt vielmehr die EWU-Schuldenkrise.

(ots / Commerzbank AG)


 


 

Renditen
November
Vormonat
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Negative
Oktober

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