Börsenkompass
Die tägliche Einschätzung der Börse
Rhein-Main. Golf freut sich, denn die QE3-Phantasie wurde wiederbelebt. Die Stimmung am Aktienmarkt klang im Laufe des Tages deutlich ab. Der gestrige Handelstag war von den Primäraktivitäten Spaniens und Italiens abhängig.
Rentenmarkt / Konjunktur
Der gestrige Handelstag war aufgrund weniger bewegender Makrodaten abhängig von den Primärmarktaktivitäten Spaniens und Italien. Zwar wurden auch diverse Indikatoren zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht, allerdings waren diese uneinheitlich. In den USA und Deutschland sank das Vertrauen leicht. In Frankreich hingegen stieg die Zuversicht der Verbraucher an. Die Platzierung von spanischen Geldmarktpapieren wurde am Markt ebenso schlecht aufgenommen wie die von italienischen Anleihen verschiedener Laufzeiten. Die Renditen beider Länder stiegen über den Tagesverlauf erneut leicht an. Die als sicher geltenden Staatsanleihen der USA und Deutschlands waren hingegen gefragt. Eine zwei jährige US-Emission fand am Markt Anklang. Die Kurse von Bunds und Treasuries erholten sich weiter nach der letzten Korrektur Mitte März.
Heute werden neben ersten Verbraucherpreisen für März in Deutschland auch die Geldmenge und Kreditvergabe im Euroraum und das Unternehmervertrauen in Italien vermeldet. In den USA werden heute Nachmittag die Aufträge langlebiger Güter veröffentlicht. Mit einem erneuten Rückgang im Februar ist zu rechnen. Die USA begeben heute zudem eine fünfjährige Anleihe (35 Mrd. USD) und Italien möchte am Geldmarkt nochmals 8,5 Mrd. Euro aufnehmen. Erstklassige Staatsanleihen sollten in diesem Umfeld heute erneut Unterstützung finden.
Aktienmarkt
Während die positiven Vorgaben des Vortages – gestützt durch die Aussagen der Fed, die angesichts der fragilen Situtation des US-Arbeitsmarkts weiter reichlich Liquidität für die Finanzmärkte und die Wirtschaft bereitstellen will – die asiatischen Börsen noch weiter befeuerte, klang diese positive Stimmung im Handelsverlauf der europäischen Börsen deutlich ab und es wurden sukzessive Gewinne mitgenommen. Angesichts der vergleichsweise leeren Agenda gab es keine fundamentalen Meldungen, die diesen Stimmungswandel auslösten, der schwache Richmond-Aktivitätsindex war am späten Nachmittag nur ein Verstärker dieser Bewegung. In diesem Umfeld wurden die Aktienkurse wieder stark von Analystenkommentaren bestimmt. So stand die Dt. Lufthansa (+2,2%) trotz der Ausweitung der Streiks wegen einer Kaufempfehlung an der Spitze der deutschen Kursliste. Im Gegensatz zum Dax, der sich letztendlich gehalten präsentierte, verlor der EUROSTOXX 50 angesichts der sehr schwachen Entwicklung der Öl- und Gaswerte (-3,7%), die wegen eines Lecks an einer Gasplattform der französischen Total-Gruppe vor der schottischen Nordseeküste unter Druck gerieten. Total (-6%) war mit Abstand schwächster Titel im Index. Auch an der Wall Street gaben die Kurse leicht nach. Stärkster Titel war hier Pfizer (+1,5%) nach einem positiven Brokerkommentar, während Bank of America (-3,3%) wegen einer Herabstufung deutlicher verlor. In Asien entwickeln sich heute Morgen die Märkte ingesamt schwächer. Dementsprechend dürften auch die europäischen Börsen etwas leichter eröffnen. Die wichtigste Meldung auf der heutigen Agenda werden die US-Auftragseingänge für langlebige Güter (14:30 Uhr) sein.
Topthema des Tages
Gold freut sich, dass QE3 lebt
Totgesagte leben länger: Nachdem die Märkte zuletzt kaum mehr an ein neues quantitatives Lockerungsprogramm der US-Notenbank geglaubt haben und begannen erste Leitzinserhöhung für 2013 einzupreisen, hat Fed-Chef Ben Bernanke am Montag die QE3-Phantasie wiederbelebt. Er hat damit auch dem Zinsanstieg im USD vorerst einen Riegel vorgeschoben und die Weltleitwährung geschwächt. Der Goldpreis stieg daraufhin deutlich und hat seine Korrektur seit Ende Februar beendet. QE3 ist offensichtlich wichtig für den Goldpreis, denn das Auspreisen war auch ein Grund für die letzte Schwäche. Entscheidend ist jedoch nicht, ob es tatsächlich ein drittes quantitatives Kaufprogramm geben wird, sondern vielmehr, dass die Phantasie erhalten bleibt. Denn solange die Phantasie verhindert, dass die Zinsen im USD steigen und damit die Opportunitätskosten für das Halten von Gold, reicht dies, um den langfristigen Goldpreistrend zu untermauern. Für den US-Konsumenten und den Staatshaushalt sind nied-rige (reale) Zinsen essentiell, das weiß auch Ben Bernake. Er bzw. die US-Notenbank werden daher alles dafür tun, dass diese niedrig bleiben – im Zweifel mit einem QE3-Programm. Der Goldpreis wurde zuletzt aber nicht nur durch das Auspreisen der QE3-Phantasie belastet, sondern auch durch eine schwache physische Nachfrage: Indien, mit ca. 25% Anteil größter Nachfrager nach Gold, hat den Importzoll von 2% auf 4% verdoppelt. Die Juweliere befinden sich seitdem in einem Streik, was die Goldnachfrage in der aktuellen Hochsaison belastet. Wir sehen dies nur als temporär an. Nach Ende des Streiks könnte ein Nachholeffekt eintreten.
(ots / Commerzbank AG)
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