Börse
Der Wochenausblick auf die Deutsche Börse
Rhein-Main. Der Wochenausblick befasst sich mit dem Kapitalmakrt und zeigt auf, was für die kommende Woche in der Volkswirtschaft, auf den Aktienmärkten und auf dem Rentenmarkt erwartet wird.
Volkswirtschaft
Rückblick
Die in den vergangenen Wochen „zu sorglosen“ Finanzmärkte haben sich zuletzt wieder etwas stärker an den makroökonomischen und politischen Fundamentalrahmen angelehnt. Zum einen hat sich die Weltwirtschaft seit Herbst letzten Jahres zwar erholt, sie ist aber alles andere als in einer dynamischen Konjunkturbelebung. Mit Blick auf die US-Wirtschaft bedeutet dies, dass die US-Bauwirtschaft sich zwar langsam erholt, jedoch auch in den kommenden Monaten fortgesetzt Bremsfaktoren wirken werden. Vor diesem Hintergrund konnten die Neubaubeginne im März (annualisiert 717 Tsd. Einheiten) nun zwar ihr Niveau aus dem Herbst 2008 wieder erreichen, die bisher nur mäßig belebten Verkäufe neuer und bestehender Immobilien deuten jedoch auf einen noch nicht abgeschlossenen Preisanpassungsprozess hin. Dies bremst die Wohnungswirtschaft, so dass seitens der Bauwirtschaft ein positiver, aber allenfalls kleiner Wachstumsbeitrag zu erwarten ist. Während jedoch in den USA die Industrie wieder kräftiger läuft – und sogar wieder Beschäftigung aufbaut – befindet sich das Verarbeitende Gewerbe in China noch in der Talsohle. Es ist erkennbar, dass die geld- und fiskalpolitischen Impulse die Binnenwirtschaft in den vergangenen Monaten stabilisieren konnten, die noch schwache Verfassung der Weltwirtschaft und damit die Exportgüternachfrage verhindern jedoch eine zeitnahe und gleichzeitig auch kräftige Belebung. Der rückläufige HSBC-Einkaufsmanagerindex auf 48,1 Punkte im März unterlegt dies deutlich. Noch schwieriger ist das konjunkturelle Umfeld in der Eurozone. Während sich die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor zuletzt kaum verändert haben (Frankreich 50,0 nach 50,0 Punkte, Deutschland 51,8 nach 52,8 Punkte, Eurozone 48,7 nach 48,8 Punkten) sind die baugleichen Indikatoren für das verarbeitende Gewerbe deutlich schwächer gemeldet worden (Frankreich 47,6 nach 50,0 Punkten, Deutschland 48,1 nach 50,2 Punkten und Eurozone 47,7 nach 49,0 Punkten). Auch hier ist das exportseitig noch schwache Nachfrageumfeld erkennbar. Zusammenfassend bedeutet dies, dass nach der Belebung der Frühindikatoren nun eine – eher holprige – Seitwärtsphase folgt. Die US-Wirtschaft läuft dabei aber im Vergleich zu den anderen Regionen so kräftig, dass zumindest von dort keine wesentlichen Konjunkturängste ausgehen sollten.
Ausblick
Vor diesem Hintergrund werden die US-Auftragseingänge langlebiger Güter im Februar wieder angestiegen sein. Gerade in der Abgrenzung „ziviler Kapitalgüter ex Flugzeuge“ sollte kein zweiter schwacher Monat in Folge gemeldet werden. Die v.a. einkommensseitige Belebung des Verbrauchervertrauens dürfte sich fortsetz-ten und der Chicago-PMI sollte mit Blick auf den ISM allenfalls leicht korrigieren.
Rentenmarkt
Rückblick
Der seit der geldpolitischen Sitzung der Fed andauernde Verkaufsdruck an den Rentenmärkten hielt bis Mitte vergangener Woche an. Danach setzte eine deutliche Stimmungsaufhellung ein, die von schwächeren US-Immobiliendaten eingeleitet wurde. Vor allem die über Erwarten schwachen Einkaufsmanagerindizes in Europa (März) verstärkten die positive Stimmung und sorgten für steigende Risikoaversion der Anleger. Die Renditen längerlaufender erstklassiger Staatsanleihen kompensierten dadurch in der zweiten Wochenhälfte einen Großteil der erlittenen Kursverluste der letzten Tage. Während die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen bis Mittwoch auf 2,07% anstieg, auf den höchsten Stand seit Mitte Dezember 2010, ging sie kurzzeitig wieder auf 1,85% kräftig zurück. Auch im kurzen Laufzeitenbereich sanken die Renditen merklich. Während in Italien und Spanien die Renditen wieder anstiegen, gingen sie in Portugal zurück.
Ausblick
Es hat sich gezeigt, dass die Rentenmärkte weiterhin sehr volatil tendieren. Wir rechnen jedoch nicht mit einem nachhaltigen Rückgang der Renditen sondern mit einer Aufwärtstendenz ausgehend von den USA, insbesondere wenn die Fed ihre Käufe längerfristiger Staatsanleihen im Sommer einstellt. Bei positiven US-Konjunkturdaten dürfte zudem die Erwartung hinsichtlich zusätzlicher quantitativer Maßnahmen abnehmen. Bundesanleihen können weiterhin noch von der Wachstumsschwäche im Euroraum und der reichlichen Liquidität aus den 3-Jahrestendern profitieren. Die Erwartungen einer weiteren Zinssenkung der EZB sind zudem kaum zurückgegangen. Im Fokus dürften diese Woche vor allem die Neuemissionen in Italien mit einem Volumen bis zu 10 Mrd. EUR stehen. Außerdem ist am Freitag ein Treffen der Finanzminister der Eurogruppe geplant, bei dem eine Ausweitung des Volumens des EMS erwartet wird.
Währungen
Bei aufkommender Risikoaversion tendierten die Rohstoffwährungen vergangene Woche schwächer. Unter den großen Währungen gab es indes kaum neue Anregungen und so blieb der Handel recht ereignislos. Dies umso mehr, als auch bei den großen Themenblöcken wie der europäischen Schuldenkrise eine Beruhigung eingetreten ist. Eine andere Frage - etwa mit Blick auf die steigenden Risikoaufschläge Spaniens - ist freilich, wie lange diese Ruhe anhält. Auch beim Dauerthema „Geldpolitik“ gab es kaum neue Akzente. Das Protokoll der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Rates der Bank of England zeigte, dass dieser mittlerweile Zweifel hegt, dass die Inflation so schnell wie bislang unterstellt auf bzw. sogar unter das Zielniveau (2%) zurückgeht. Dies belegt: eine abermalige quantitative Lockerung der BoE wird unwahrscheinlicher.
In dieser Woche dürften vor allem die gewichtigen US-Daten auf ihre Implikationen für die Fed abgeklopft werden. Um quantitative Lockerungsphantasie hervorzurufen und den USD gegenüber dem EUR zu schwächen, müssten diese aber schon sehr enttäuschend ausfallen. Wir gehen davon aus, dass die Seitwärtsbewegung beim EUR-USD weiter andauert.
Aktienmärkte
Rückblick
Eine unter dem Zeichen wieder steigender Konjunktursorgen stehende Handelswoche endete am Freitag trotz der insgesamt erlittenen Abgaben mit einer festeren US Börse noch relativ versöhnlich. Sich erholende Rohstoffpreise bremsten den starken Abwärtstrend der Energie- und der Grundstoffbranche in den USA und sorgten für einen Turnaround im Handelsverlauf. Mit der Unterstützung der Wall Street konnten sich auch die europäischen Börsen wieder fangen und deutlich über den Tagestiefstständen schließen. Im Wochenverlauf hatte vor allem die Ballung enttäuschender Meldungen aus China (zu den negativen Aussagen von Premier Jiabao zum Immobilienmarkt und der Reduzierung der Absatzerwartungen des Automobilverbands kam auch noch der schwach ausgefallene HSBC Flash PMI) und die unter den Erwartungen liegenden europäischen Einkaufsmanagerindizes wieder Wachstumsängste aufkommen lassen und vor allem rohstofforientierte Branchen belastet. Weitere Impulse für Einzelunternehmen kamen von diversen Jahresberichten und Neueinstufungen durch Analysehäuser.
Ausblick
Auch wenn die europäischen Börsen dank der positiven US-Stimmung die Handelswoche etwas fester beginnen dürften, ist damit zu rechnen, dass die Molltöne vorerst anhalten sollten. Selbst wenn die schlimmsten Belastungen durch die Staatsschuldenkrise mit der gelungenen Umschuldung Griechenlands vorerst abgewendet sind, schwelt sie im Hintergrund weiter. Vor allem Italien, Spanien und Portugal werden weiter mit Skepsis beäugt. Von konjunktureller Seite werden die wichtigsten kursbestimmenden Meldungen mit Verbrauchervertrauen, Auftragseingängen langlebiger Güter und dem Chicago Einkaufsmanagerindex aus den USA kommen, diese sind aber nur der Auftakt zu den ungleich wichtigeren ISM- und Arbeitsmarktdaten in der nächsten Woche. In Deutschland wird besonders der Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag interessieren. Von Unternehmenseite wird es kaum marktbewegende Nachrichten geben. Die Berichtssaison der Blue-Chips ist beendet, jetzt berichtet hauptsächlich noch die zweite Reihe.
Rohstoffe
Genauso wie die Aktienbörsen waren auch die Rohstoffmärkte von den aufkommenden Konjunkturängsten belastet. Dabei zeigten sich vor allem die Ölpreise erneut durch die geopolitischen Spannungen unterstützt und konnten sich zum Wochenende von den vorherigen Preisabschlägen etwas erholen, als die Internationale Energieagentur berichtete, dass sie keinen Anlass zu der Freigabe von strategischen Ölreserven sieht. Auch Edelmetalle konnten sich dem allgemeinen Abwärtstrend nicht entziehen. Einzig Gold konnte sich noch relativ stabil halten, während die anderen, stärker industriell genutzten Edelmetalle stärker unter Druck gerieten. NE-Metalle erlebten die intensivsten Abgaben, da die allgemeinen Wirtschaftssorgen noch dadurch geschürt wurden, dass zwei der größten Minenunternehmen äußerten, dass sie eine Eintrübung der Nachfrage nach Rohstoffen in China erwarten. Etwas stabiler präsentierten sich die Agrarrohstoffe. Während Weizen und Mais etwas zulegten, blieben die Preise für Kaffee unter Druck.
(ots / Commerzbank AG)
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