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Deutschlands jüngster Bundesbank-Chef geht an den Start

(dapd). Der Abgang des alten ist gleichzeitig die Einführung des neuen Chefs. Am 2. Mai verabschiedet sich Axel Weber in Frankfurt offiziell von der Bundesbank, und bei dieser Gelegenheit wird Jens Weidmann als neuer Präsident eingeführt.

Jens Weidmann kommt als Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und diese Vertrautheit ist Segen und Fluch zugleich: Weidmann kennt das Spiel der politisch Mächtigen viel besser, als Weber es jemals tat. Andererseits wird er beweisen müssen, dass er trotzdem unabhängig arbeiten kann.

Die Unabhängigkeit der Bundesbank ist, darin sind sich die Experten einig, wichtiger denn je in Zeiten wie diesen, wo der Euro permanent unter Druck steht, wo immer noch kein Rezept gefunden wurde, der Gemeinschaftswährung dauerhaft Stabilität zu verleihen. Der parteilose Weidmann wird wissen, dass er deshalb als ehemaliger Berater der Kanzlerin unter besonderer Beobachtung steht. Zumal er mit 43 Jahren der jüngste Notenbankchef aller Zeiten ist. Was im Fußball als alt gilt, muss im Finanzgeschäft mit dem Vorwurf leben, es mangele an Erfahrung.

Ex-Bundesbankpräsident Ernst Welteke lästerte bereits in einem Interview, eine Schwäche des neuen Chefs sei, "dass Weidmann noch nie einen so großen Apparat mit so vielen Mitarbeitern geführt hat". Allerdings stehe Weidmann als Bundesbankchef nicht alleine da, sondern die Institution funktioniere auch "aus sich heraus".

Ausgezeichneter Ruf

Gemessen an Weidmanns Lebenslauf ist Welteke gehörig auf dem Holzweg. Durch sein unprätentiöses Auftreten und sein breit gefächertes Wissen hat sich Weidmann in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt einen ausgezeichneten Ruf erworben. Zielstrebigkeit, Entschlossenheit, Stressresistenz und Bodenständigkeit, das schätzte auch Kanzlerin Merkel an ihrem Berater - er wird sich die Leitung der Bundesbank kaum aus den Händen nehmen lassen und beides schaffen: Die rund 10.000 Mitarbeiter zu führen und eigene Akzente in der Finanzpolitik zu setzen.

Was Weidmann kann, bewies er beim Ausbruch der Finanzkrise. An der Seite seines Duzfreundes und ehemaligen Studienkollegen, Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, war er maßgeblich an den Verhandlungen über den Rettungsplan für den angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) beteiligt und arbeitete am Konjunkturprogramm der Bundesregierung mit. Weidmanns sachliche Analysen und sein unermüdlicher Einsatz sorgten damals mit dafür, dass die erwartete Panik ausblieb und die Bürger weiter Vertrauen zur Geldpolitik der Bundesregierung hatten.

Sein Rüstzeug hatte der 20. April 1968 in Solingen geborene Weidmann nach dem Abitur beim Studium der Volkswirtschaftslehre in Aix-en-Provence, Paris und Bonn erworben. Er hospitierte bei der Banque de France sowie im Wirtschaftsministerium und bei der Zentralbank von Ruanda. Anschließend promovierte er mit einer Arbeit über die europäische Geldpolitik beim Geldtheoretiker Manfred Neumann.

Bekannt mit den Großen der Zunft

Zwischen 1997 bis 1999 war Weidmann für den Internationalen Währungsfonds in Washington tätig, danach arbeitete er von 1999 bis 2003 als Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Dessen Jahresgutachten mit dem Titel "20 Punkte für Beschäftigung und Wachstum", vorgelegt im November 2002, trägt deutlich Weidmanns Handschrift. In großen Teilen floss es in die Agenda 2010 des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) ein.

Im Jahr 2003 wechselte Weidmann ins Management der Bundesbank nach Frankfurt am Main und war dort als Abteilungsleiter für Geldpolitik und monetäre Analyse verantwortlich.

Nach dem Ruf ins Kanzleramt Anfang 2006 setzte Weidmann dort schnell Akzente. Neben seiner Arbeit während der Finanzkrise brachte sich der Ehemann und zweifache Vater bei der Unternehmenssteuerreform und der Sanierung des Haushalts ein, ständig unterbrochen von zahllosen Konferenzen rund um den Erdball. Anfang 2007 schmiedete er ein Konsortium aus privaten und öffentlichen Banken für die Übernahme von Anteilen des europäischen Rüstungskonzerns EADS von DaimlerChrysler.

Ende 2009 machte Merkel ihren Wirtschaftsberater Weidmann auch noch zum "Sherpa", also zum persönlichen Beauftragten für die Vorbereitung der G-8- und der G-20-Gipfel. Davon wird er profitieren: Weidmann kennt die Regierungschefs, er kennt die maßgeblichen Köpfe in der zweiten Reihe - und umgekehrt.

Bei seiner Berufung ins Kanzleramt hatte Weidmann eine Empfehlung von Axel Weber im Gepäck. Der lobte kürzlich, auch mit Blick auf die künftige Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, die Zukunft der Bank sei "mit dem jetzigen Vorstand und mit diesen beiden Verstärkungen in guten Händen. Das ist eine Situation, die man sich wünscht, wenn man ein Institut verlässt".

Stefan Lange

(dapd )


 


 

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