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Freiwilligendienst: große Nachfrage, aber zu wenig Plätze

(bo/dapd). Die Zahl der Plätze für den Bundesfreiwilligendienstes muss nach Ansicht der Sozialverbände in Hessen dringend erhöht werden.

Derzeit gebe es bundesweit nur 35.000 Plätze für den Bundesfreiwilligendienst, davon ganze 1.500 in Hessen, sagte der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hessen, Günter Woltering, am Freitag in Wiesbaden. Das seien aber viel zu wenige: "Wir können uns nicht retten vor Anfragen, stehen aber vor dem Problem, Interessierten keine neuen Plätze anbieten zu können", sagte er.

Der Sozialverband forderte deshalb gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden die sofortige Freigabe des Kontingents. Der Bundesfreiwilligendienst wurde zum 1. Juli 2011 als Ersatz für den mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst eingerichtet. Zivildienstleistende habe es in Hessen bislang rund 5.000 gegeben, für den Bundesfreiwilligendienst gebe es jetzt aber nur 1.500 Plätze, kritisierte Woltering. So habe etwa der Paritätische Wohlfahrtsverband nur 145 Plätze, könnte aber 400 bis 800 besetzen. Wegen der Kontingentierung dürfe man aber keine weiteren Verträge abschließen, auch nicht, wenn man sie selbst bezahle.

Der Bund habe einfach "einen fiktiven Betrag von 100 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt", so sei die Begrenzung von 35.000 Plätzen bundesweit zustande gekommen, sagte Woltering. Das sei "ein Sparprogramm" von Bundesministerin Kristina Schröder (CDU) gewesen. Für die Abwrackprämie habe der Bund stolze fünf Milliarden Euro bereitgestellt, in Hessen seien es nun ganze sieben Millionen Euro für den Bundesfreiwilligendienst, fügte er hinzu. Der Paritätische Wohlfahrtsverband will am 19. März seine Probleme und Forderungen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) vortragen.

Auch Rentner und Studienanfänger interessiert

Für den neuen Dienst gebe es zudem jetzt eine neue Zielgruppe, weil sich dafür auch Rentner bewerben könnten, die sich noch einmal engagieren wollten, erläuterte die Koordinatorin des Bundesfreiwilligendienstes beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, Heike Lange. Dazu gebe es viele Bewerbungen von angehenden Studenten, die ihre Wartezeit bis zum Studienstart überbrücken wollten. Statt dieses Engagement zu nutzen, blieben nun Betreuungsplätze im Bereich der Behindertenarbeit, beim betreuten Wohnen von psychisch Kranken oder in Kindertagesstätten unbesetzt. "Erst macht man den Leuten den Mund wässrig, jetzt sagt man ihnen: Nein, du kannst dich nicht engagieren", kritisierte Lange. .

Wir sind "übermannt vom Erfolg", sagte auch der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Städtetags, Jürgen Dieter. Der derzeitige Run auf die Plätze sei "eine Sensation, das müssen wir jetzt nutzen", betonte er. Für viele soziale Einrichtungen auch bei Rettungsdiensten oder Sportverbänden wäre alles andere ein "herber Rückschlag."

Städtetag, Landkreistag sowie der Städte- und Gemeindebund forderten deshalb gemeinsam mit dem Wohlfahrtsverband den Bund auf, mehr Plätze für den Freiwilligendienst zur Verfügung zu stellen und die Kontingentierung aufzuheben. Es gehe auch um die Zukunft des sozialen Netzes, mahnte der Geschäftsführende Direktor des Landkreistages, Jan Hilligardt. Die Kommunen seien in Zeiten knapper Kassen zunehmend auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen, um ihre sozialen Leistungen aufrechterhalten zu können, betonte auch der Geschäftsführende Direktor des Städte- und Gemeindebunds, Karl-Christian Schelzke. Der Run auf die Plätze zeige doch: "Es gibt noch viel Solidarität und Bereitschaft zum Engagement."

Gisela Kirschstein

(dapd )


 


 

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