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Vorwurf der Nähe zum rechtsextremistischen Rand sorgt für Protest

(bo/dapd-hes). Studentenverbindungen schlägt derzeit heftiger Gegenwind entgegen: Nach öffentlichen Protesten darf der Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA) seine Festveranstaltung am Wochenende doch nicht den Räumen der IHK in Frankfurt abhalten.

Für einen Empfang im Römer steckt die Stadt Schelte ein. Und auch beim Ausweichquartier in Darmstadt gibt es Ärger. In beiden Städten sind Gegendemonstrationen geplant, das Motto lautet: "Der Reaktion ins Bier spucken". Im Aufruf wird den Korporationen ein reaktionäres Weltbild vorgeworfen. Zudem wird den Verbindungen Nähe zu Neonazis unterstellt.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Akademikerverbände Rhein-Main (VAV), Günter Paul, versteht die Aufregung nicht. "Damit haben wir nicht gerechnet", sagt der Anwalt. In 35 Jahren habe es nie Probleme gegeben. Die Verbindungen würden "auf die plumpeste Weise" in die rechte Ecke gestellt. Dabei sei an den Vorwürfen überhaupt nichts dran. In seinem Zusammenschluss habe er nie einen Satz mit rechtsradikalem Gedankengut gehört. Und wenn, würde die Person sofort ausgeschlossen, fügt Paul hinzu. Er glaube, dass der linken Szene derzeit einfach kein besseres Thema zum Protestieren eingefallen sei.

Die Kritik entzündet sich vor allem an der Deutschen Burschenschaft (DB): In ihren Reihen finden sich offenkundig rechtsextremistische Mitglieder, die sogar vereinzelt vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Es geht zum Beispiel die Gießener Burschenschaft Desdensia Rugia, die vor einigen Jahren ins Blickfeld des Landesamts geriet, als einige Verbandsbrüder für die NPD in den sächsischen Landtag einzogen. Der hessische Verfassungsschutz berichtet, dass es darüber hinaus immer wieder Versuche von rechtsextremistischen Einzelpersonen gebe, auf rechtskonservative Burschenschaften Einfluss zu nehmen. Daraus könne jedoch nicht abgeleitet werden, dass die jeweilige Verbindung als Ganzes als rechtsextremistisch zu bezeichnen sei, fügt ein Behördensprecher hinzu.

Große Mehrheit der Verbindungen nicht rechtsextrem

Für die Kritiker des Akademikertags ist das Problem klar: Die Deutsche Burschenschaft sei ein Sammelbecken für Rechtsextremisten - und gleichzeitig Mitglied im CDA. "So gehts nicht", betont der Burschenschaftsexperte Stephan Peters, der selbst mal Mitglied in einer Verbindung war und jetzt regelmäßig Vorträge zu dem Thema hält: "Wenn jemand Rechtsextreme in seinem Verband duldet, hat er auch dafür gerade zu stehen." Der Autor geht fest davon aus, dass Rechtsextremisten die Veranstaltung am Wochenende besuchen werden - auch wenn sie nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen seien oder durch rechte Parolen auffielen. "Trotzdem werden sie da sein, so etwas lassen sie nicht entgehen", sagt Peters.

Die große Mehrheit der Studentenverbindungen werde zu Unrecht mit rechtsextremen Burschenschaften in einen Topf geworfen. Doch da habe er kein Mitleid, sagt der Autor. Die Verbände mussten klar Flagge zeigen und die Deutsche Burschenschaft rausschmeißen. Andernfalls sei die Unterscheidung für Außenstehende schwer. Die Corps hätten es vorgemacht und seien aus Protest aus dem CDA ausgetreten, berichtet Peters, "es geht also". Seines Wissens sei es das erste Mal, dass sich der öffentliche Protest jetzt auch gegen ein Treffen des Convents richtet, berichtet Peters. Das liege daran, dass die Beobachtungen empfindlicher würden.

Auch die Gießener Politologin Alexandra Kurth sagt, dass es derzeit viel Kritik an Studentenverbindungen gebe. Das habe damit zu tun, dass einige Verbände in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von rechtsextremen Skandalen produziert hätten - und die anderen Verbindungen hilflos darauf regiert hätten. Als Grund führt die Studienrätin am Politikinstitut der Uni Gießen "Loyalität" an. Die Verbände hätten Angst vor Streitigkeiten in ihren Reihen. Die Fachfrau zählt in Hessen sechs Verbindungen, die ihrer Meinung nach eindeutig dem rechtsextremistischen Spektrum zuzurechnen sind.

Drei Damenverbindungen

Im Kern seien die meisten Verbindungen konservativ, das Nationale spiele eine große Rolle, sagt Kurth, doch die Verbände bewegten sich im Rahmen der Verfassung. Ihren Angaben zufolge gibt es in Hessen insgesamt rund 100 Verbindungen: in Kassel, Marburg, Gießen, Darmstadt und Frankfurt. Davon sind demnach drei Damenverbindungen, und zwölf nehmen potenziell auch Frauen auf. "Ob sie es real auch machen, ist leider nicht verzeichnet", sagt Kurth. In den meisten Burschenschaften werden nur Männer deutscher Abstammung akzeptiert. Bei den Verbindungen sieht es theoretisch etwas besser aus: Etwa die Hälfte nehme auch Studenten mit Migrationshintergrund auf, berichtet die Politologin, in der Realität komme das aber so gut wie gar nicht vor.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Vereinigung der Akademikerverbände Rhein-Main ist das Wichtigste, dass die Verbände auf dem Boden der Demokratie stehen. Der Protest lässt ihn kalt. "Es ändert nichts daran, dass die Verbindungen fröhlich fortbestehen", betont Paul. Eigentlich müsse er den Gegnern für ihr "freches Verhalten" Blumen schicken. Schließlich hätten sie den Verbindungen kostenlose Werbung beschert.

(dapd )


 


 

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