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Business-on.de: Interview Roland Koch

Business-on im Gespräch mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch

„Der Aufschwung wird anhalten und das Rhein-Main-Gebiet wird auch mittelfristig die Konjunkturlokomotive des anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs sein“, da ist sich Ministerpräsident Roland Koch sicher.

business-on.de: Herr Ministerpräsident, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in der Region Rhein-Main in diesem Jahr?

Roland Koch: Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Dynamik auch in diesem Jahr fortsetzt. Die Konjunkturprognose 2008 sieht Hessens Wirtschaftsleistung über dem Bundesdurchschnitt und spricht von einer ‚hervorragenden Entwicklung’. Wachstumstreiber ist dabei erneut das produzierende Gewerbe, wobei sich aber auch der Dienstleistungssektor stärker als in den vergangenen Jahren entwickeln wird. Insbesondere die unternehmensnahen Dienstleistungen profitieren von der guten Geschäftslage im produzierenden Gewerbe.

business-on.de: Wie wird sich der Arbeitsmarkt in der Region entwickeln?

Roland Koch: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt in Hessen geht mit voller Kraft voran. Im Gegensatz zum Bund hat die Arbeitslosigkeit in Hessen während der Herbstmonate weiter abgenommen. Im Dezember 2007 gingen die Arbeitslosenzahlen nur in Hessen und Nordrhein-Westfalen völlig gegen den Trend zurück. Und schaut man sich den Bestand an offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr an, hat dieser nur noch im Stadtstaat Bremen stärker zugenommen als in Hessen. Das sind deutliche Belege dafür, dass wir mit unserer Wirtschaftspolitik die Weichen für Aufschwung und neue Arbeitsplätze richtig gestellt haben. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Hessen ist 2007 deutlich gestiegen. Damit sich diese positive Entwicklung auch 2008 fortsetzt, werden wir klaren Kurs halten. Auch in der Rhein-Main-Region wird sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessern. Die Arbeitgeber der Region rechnen mit einer Zunahme der Gesamtbeschäftigung um 1,3%, so eine Umfrage des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur. Erfreulicherweise werden die meisten zusätzlichen Arbeitsverhältnisse sozialversicherungspflichtig sein.

business-on.de: Welche Faktoren zeichnen den Standort Rhein-Main besonders aus?

Roland Koch: Das Rhein-Main-Gebiet ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas, die in besonderem Maße global vernetzt ist. Die Dichte an Einrichtungen sorgt für kurze Wege zwischen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Hochschulen, Industrie und Dienstleistungsunternehmen in der Region. Mit dem House of Finance oder der Science City hat Frankfurt sein zukünftiges Potenzial als Metropole weiter ausgebaut, denn Netzknoten wachsen dort, wo die Köpfe sind. Rhein-Main hat seine besondere Stärke bei Finanz- und unternehmensnahen Dienstleistungen. Banken, Messe, Börsen und Versicherungen prägen die herausragende Stellung des Finanzplatzes. Nicht nur dafür ist auch die zentrale Lage und optimale Verkehrsinfrastruktur wichtig. Sie ist die Grundlage für zwei wesentliche künftige Entwicklungen: Mobilität und Logistik - als zwei Seiten einer Medaille. Aber auch im Bereich der Industrie, der in Deutschland und Hessen eine gewisse Renaissance erlebt, braucht sich Rhein-Main nicht zu verstecken. Ich denke hier beispielsweise an den Branchenschwerpunkt Medizintechnik/Pharma/Biotechnologie.

Insbesondere ist die Rhein-Main-Region aber ein internationaler Standort, der auch für ausländische Arbeitskräfte attraktive Bedingungen wie beispielsweise ein internationales Schul- und Bildungsangebot bietet. Um ausländische Spitzenkräfte einen schnellen Start zu ermöglichen, wird die Dauer von Genehmigungsverfahren für Aufenthaltsanträge entscheidend verkürzt. Dafür hat auf Initiative der Landesregierung die FrankfurtRheinMain GmbH die Kräfte der Stellen, die für die Ansiedlung von ausländischen Unternehmen und die Einreise von ausländischen Arbeitskräften zuständig sind, gebündelt und in einem parallelen Verfahren die Prüfzeit für die Genehmigung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen von Hochqualifizierten auf vier Wochen verkürzt.

business-on.de: Wie schätzen Sie die Perspektiven für 2008 ein? Hält der Aufschwung an?

Roland Koch: Ja, der Aufschwung wird anhalten und das Rhein-Main-Gebiet wird auch mittelfristig die Konjunkturlokomotive des anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs sein und die Landesregierung wird diesen Prozess weiter befördern. Allerdings dürfte sich der Aufschwung etwas abschwächen, vor allem wegen der Entwicklung auf den Finanz- und Energiemärkten. Zudem droht die US-Binnenkonjunktur durch die Finanzkrise in den USA weiter nachzulassen.

business-on.de: Welche Chancen und Risiken wird das Jahr für den Standort Rhein-Main bringen?

Roland Koch: Die konjunkturelle Entwicklung bleibt deutlich aufwärts gerichtet. Beschäftigung und Einkommen steigen und die Arbeitslosigkeit wird weiter erheblich zurückgehen. Vor allem aber haben wir mit der Genehmigung des Flughafenausbaus das Entwicklungspotenzial der Region langfristig gesichert und gesteigert. Dagegen müssen wir die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf den Finanzplatz Frankfurt auf der Risikoseite verbuchen. Auch belastet die starke Abwertung des US-Dollars die deutsche Exportwirtschaft und Hessen kann sich von dieser Entwicklung nicht abkoppeln. Das Land wird aber angesichts seiner Exportstruktur weniger stark betroffen sein als der Bund. Schließlich treibt der steigende Ölpreis die Energiekosten der Unternehmen in die Höhe und dämpft damit die Unternehmensgewinne.

business-on.de: Wie sieht es mit der Steuer - und Abgabenlast in Rhein-Main aus? Wie stellen Sie sicher, dass der Standort für Unternehmer attraktiv bleibt?

Roland Koch: Gemeinsam mit Bundesfinanzminister Steinbrück habe ich ein Konzept zur Neugestaltung der Unternehmenssteuer vorgelegt, das seit Jahresbeginn in Kraft ist. Wir haben mit dieser Reform erreicht, dass die Steuerbelastung für die Wirtschaft deutlich sinkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigt. Diesen positiven Effekt werden selbstverständlich auch die Unternehmen in Hessen und der Rhein-Main-Region spüren.

business-on.de: Wie sieht es generell mit der Unternehmerfreundlichkeit in der Region aus? Welche Maßnahmen, beispielsweise im Bereich Wirtschaftsförderung, sind für das kommende Jahr geplant?

Roland Koch: Hessen ist ein unternehmerfreundliches Land. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die hessischen Unternehmen werden ständig weiter verbessert. Dies dokumentiert sich nicht nur in der aktiven Mitgestaltung der Unternehmensteuerreform und dem Ausbau der Infrastruktur . Zusätzlich hat die Landesregierung beim Bürokratieabbau und bei der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren große Erfolge erzielt. Die hessische Wirtschaft spricht dem Land denn auch ein Lob für seine Standortpolitik aus. Denn 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen gaben Hessen die besten Noten. Das ist das Ergebnis des Mittelstandsbarometers 2007 von Ernst & Young. Hessen steht damit bundesweit gesehen auf Platz 2 nach Baden-Württemberg.

business-on.de: Was sind die wichtigsten Trends, die im kommenden Jahr einen maßgeblichen Einfluss auf die Region Rhein-Main haben werden?

Roland Koch: Neben den bereits erwähnten binnen- und weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Wachstum und Beschäftigung in Hessen mit beeinflussen, werden vor allem der Ausbau der Gesundheits- und Kulturwirtschaft und der Bereich Umweltschutz und Energiesparmaßnahmen positive Auswirkungen auf die hessische Wirtschaft haben.

(Redaktion)


 


 

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