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Castor-Transport

Aktivisten besetzen Gleise und seilen sich über Brücke ab

(bo/dapd-hes). Atomkraftgegner haben den Castortransport mit Atommüll auf seiner Fahrt durch Hessen in der Nacht zum Sonntag zweimal gestoppt. In Darmstadt besetzten Demonstranten kurzzeitig die Bahngleise, im nordhessischen Morschen seilten sich zwei Aktivisten von einer Brücke ab.

"Insgesamt ist alles sehr friedlich abgelaufen", sagte ein Sprecher der hessischen Einsatzleitung in Fulda. Es habe keine gewalttätigen Auseinandersetzungen und keine Verletzten gegeben. Auch die Protestveranstaltungen in Gelnhausen, Fulda, Kassel und Witzenhausen verliefen ohne Störung.

Der Castortransport auf seinem Weg von La Hague in Frankreich ins Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen wurde auf seiner Strecke mehrfach aufgehalten. Deshalb erreichte er Südhessen erst mit einiger Verspätung am Samstag gegen 20.30 Uhr. An einer friedlichen Mahnwache in Darmstadt beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 100 Menschen, die Veranstalter sprachen von 300 Teilnehmern. Acht von ihnen gelang trotz des starken Polizeiaufgebots, die Gleise nördlich des Bahnhofs Darmstadt-Kranichstein zu blockieren, darunter auch die Fraktionschefin der Linken im Wiesbadener Landtag, Janine Wissler. Die Atomkraftgegner stellten sich auf die Schienen und wurden von Einsatzkräften abgeführt.

Friedliche Mahnwache in Fulda

Die Aktion führte zu einem außerplanmäßigen Halt des Sonderzugs. Der Transport wurde nach Angaben der Polizei wegen der Gleisbesetzung schon im Bahnhof Darmstadt-Nord vorsorglich angehalten und setzte seine Fahrt nach einer halben Stunde fort. Entlang der erwarteten Route organisierten Atomkraftgegner auch in Fulda eine ganztägige Mahnwache. Über den Tag verteilt nahmen nach Angaben der Initiatoren etwa 100 bis 200 Menschen teil. Als der Zug mit dem Atommüll durch den Bahnhof rollte, quittierten sie den Castortransport mit Pfiffen und Sprechchören.

Die Polizei hatte in Ost- und Nordhessen keine großen Protestaktionen erwartet. "Hier ist traditionell wenig los", sagte ein Polizeisprecher in Hünfeld. Dort wurde der Castorzug für einen Personalwechsel der Begleitpolizei und eine technische Überprüfung angehalten. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte mitgeteilt, dass sie bei der Auswertung von Wärmebildaufnahmen eine erhöhte Temperatur an einer Achse zwischen dem sechsten und siebten Waggon entdeckt habe. Bei der Überprüfung wurden laut Polizei jedoch keine Mängel festgestellt.

Aktivisten seilen sich über ICE-Strecke ab

Nur rund 30 Kilometer weiter in Bebra musste der Sonderzug erneut außerplanmäßig eine Stunde halten. Es wurde eine Lok ausgetauscht. Nähere Gründe wurden nicht genannt. Im nordhessischen Morschen südlich von Kassel brachten Atomkraftgegner den Transport zum zweiten Mal innerhalb Hessens zum Stehen. Zwei Aktivisten seilten sich von einer ICE-Brücke ab und behinderten so die Weiterfahrt des Zuges. Etwa 50 Menschen unterstützten die Aktion und blockierten die Gleise. Nach Abschaltung der Oberleitung setzte der Zug nach zweieinhalb Stunden seine Tour fort und fuhr in Schrittgeschwindigkeit unter den beiden noch in den Seilen hängenden Aktivisten hindurch. Ohne weitere Störung erreichte er am Sonntag um 7.12 Uhr die Grenze zu Niedersachsen.

(dapd )


 


 

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1 Kommentar

von Hardy
09.11.10 15:12 Uhr
Lächerlich

Ich glaube nicht, dass wir uns französische Maßstäbe aneignen sollten. Dieser blinde Vandalismus hat nichts mehr mit Demonstration zu tun oder mit konstruktiver Kritik. Das ist nur noch peinlich und vor allem teuer!
Mal abgesehen davon, in welcher Gefahr sich die "Demonstranten" selbst und die Polizisten sich befinden...wenn man liest, dass selbstgebaute kleine Bomben und angespitze Holzpflöcke verwendet werden, dann wird einem schlecht...
Ich bin entsetzt, wie gewaltbereit ein Großteil der Bevölkerung mittlerweile geworden ist. Für mich hat es wieder mal den Eindruck, dass es nicht mehr um eine Sache und eine Demo geht, sondern um nackten Vandalismus und Frustabbau...

 

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