Kapitallücke
Frist für die Kapitalstärkung der Commerzbank rückt näher
Frankfurt/Main. (bo/dapd) Die Uhr tickt für die Commerzbank: Bis zum Freitag muss das Frankfurter Institut bei der Finanzmarktaufsicht BaFin in Bonn Pläne für das Stopfen ihrer bis zu 5,3 Milliarden Euro großen Kapitallücke vorlegen.

Deutschlands zweitgrößte Bank muss bis Freitag Lücke in Höhe von bis zu 5,3 Milliarden Euro schließen.
Bisher demonstrierte das Management Zuversicht: Am Ende wolle die Commerzbank eine bessere Quote erreichen als der Branchenprimus Deutsche Bank, sagte der Liquiditätschef Thorsten Kanzler der Nachrichtenangentur dapd.
Vorstandsvorsitzende Martin Blessing holte sich am Montagabend bereits den Segen des wichtigsten Anteilseigners, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, wie das "Handelsblatt" am Dienstag berichtete. Der Staat hält eine Sperrminorität in Höhe von 25 Prozent und einer Aktie an der Commerzbank. Auch die Münchner Allianz Versicherung, der andere wichtige Teilhaber, will laut Medienberichten helfen.
Die Commerzbank-Spitze bereitet sich derzeit auf eine entscheidende Sitzung vor: Der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing und sein Finanzchef Eric Strutz wollen die umfassende Kapitalstärkung beschließen. Spätestens Donnerstag müssen sie ihr Zahlenwerk dem Aufsichtsrat präsentieren. Dann geht es zur deutschen Finanz- und Börsenaufsicht BaFin in Bonn. Eine Woche drauf muss es bei der europäischen Aufsichtsbehörde EBA in London sein.
Statt Bonus sollen die Mitarbeiter Aktien wählen dürfen
Doch wie genau Deutschlands zweitgrößte Bank die neue Norm erreichen will, ist bislang unklar. Den Staat um Geld bitten will Blessing nicht. Die einfachste Lösung, nämlich neue Aktien auszugeben, ist durch das Misstrauen der Märkte verwehrt.
Aktien sollen aber den Mitarbeitern schmackhaft gemacht werden - zumindest jenen, die im Arbeitsvertrag eine Klausel haben, die ihnen einen Bonus zusichert, heißt es im Umfeld. Statt der Prämie sollen die Commerz-Banker Aktien zum normalen Preis erwerben können, was ihnen mit gewissen Anreizen schmackhaft gemacht werden soll.
Denn die Aktie ist zu einem gefährlichen Zockerpapier geworden: Sie stieg seit dem Tiefststand von rund 1,15 Euro pro Aktie vor wenigen wieder auf Werte über 1,40 Euro. Am Dienstag war sie aber wieder das Schlusslicht im Dax und verlor zeitweise um ein Prozent.
Berichte über die Allianz
Die Allianz ist über eine Stille Einlage in Höhe von 750 Millionen Euro mit der Commerzbank verbunden. Laut Medienberichten war bereits in der vergangenen Woche vereinbart worden, dass diese Stille Einlage so umgewandelt werden soll, dass die EBA sie in Zukunft zum Kernkapital zählen kann. Weder die Commerzbank noch die Allianz wollten das bislang öffentlich kommentieren.
Aufsicht kann keine abschließenden Vorgaben machen
Das Vorhaben ist ein schwieriges Unterfangen, denn die EU hat noch nicht beschlossen, was Kernkapital sein soll. Ein Sprecher der Finanzmarktaufsicht BaFin verweist auf eine geplante EU-Verordnung über "Aufsichtsanforderungen an Kreditinstitute und Wertpapierfirmen". "Bislang existiert diese Verordnung jedoch lediglich in Form eines Vorschlags der EU-Kommission vom Sommer 2011", sagte der BaFin-Sprecher. "Er ist also in Einzelpunkten noch Gegenstand der Diskussion."
Klar ist nur, dass Kernkapital möglichst ähnlich behandelt werden soll wie Aktien. Mit Aktien haben die Anleger die Möglichkeit, bei Gewinnen zu profitieren - müssen aber auch Verluste ertragen. Häufig gibt es auch eine Ausschüttung in Form von Dividenden. Das wird auch bei anderen Kernkapitalformen erlaubt sein.
(dapd-hes)
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