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Verlust von 285 Millionen Euro

Commerzbank nimmt Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch

(bo/ddp.djn). Die Finanzmarktkrise zwingt die Commerzbank zur Inanspruchnahme des Rettungspakets der Bundesregierung. Nach einem deutlichen Verlust im dritten Quartal wird das Frankfurter Kreditinstitut nach eigenen Angaben vom Montag eine stille Einlage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro vom Finanzmarktstabilisierungsfonds, dem Banken-Rettungsfonds der Bundesregierung, erhalten. Zudem räume der Sonderfonds der Commerzbank als Option eine Garantie für Schuldverschreibungen für 15 Milliarden Euro ein.

«Wir machen von den Instrumenten des Pakets Gebrauch, weil dies
gut für die Bank, ihre Mitarbeiter und Kunden ist. Die Commerzbank
sichert damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich ab», sagte der
Vorstandssprecher Martin Blessing. Durch die stille Einlage der
Bundesregierung, die zu 100 Prozent auf das Kernkapital angerechnet
werde, steige die Kernkapitalquote wieder auf 11,2 Prozent und
erfülle damit die Anforderungen an die Kapitalausstattung
beispielsweise von Ratingagenturen und der Bankenaufsicht. Nach der
Übernahme der Dresdner Bank werde die Quote jedoch wieder sinken.

Neben der Bekanntgabe, das Rettungspaket zu nutzen,
veröffentlichte die Commerzbank überraschend bereits am Montag ihre
Quartalszahlen. Danach verzeichnete die Bank im dritten Quartal einen
Konzernverlust von 285 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war noch
ein Gewinn nach Steuern in Höhe von 339 Millionen Euro erzielt
worden. Der operative Verlust habe im dritten Quartal bei 475
Millionen Euro gelegen, teilte das Finanzinstitut weiter mit.

Mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro wurde demnach das Ergebnis in
den Monaten Juli bis September belastet. Die Summe entstand unter
anderem durch die Ausfälle aus dem Konkurs der US-Investmentbank
Lehman Brothers und dem Island- Moratorium . Auf verbriefte
US-Immobilienkredite schrieb die Bank 144 Millionen Euro ab. In den
ersten neun Monaten erwirtschaftete die Commerzbank einen Gewinn von
900 Millionen Euro.

Das Kreditinstitut wird nach eigenen Angaben 2009 und 2010 auf die
Zahlung einer Dividende verzichten. Auch die Vorstandsbezüge würden
auf 500 000 Euro pro Vorstandsmitglied reduziert. Bonifikationen
würden für 2008 und 2009 nicht gezahlt.

Die Eigner der HSH Nordbank wollten am Montag über eine
Inanspruchnahme des Rettungspakets entscheiden. Jüngst hatte der
HSH-Vorstand den Eigentümern eine Teilnahme am Rettungspaket
vorgeschlagen. Die HSH Nordbank hatte Anfang Juli angekündigt, sie
rechne im zweiten Halbjahr mit weiteren Abschreibungen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann,
hatte hingegen am Sonntag in der ZDF-Sendung «Berlin direkt» erneut
betont: «Wir werden aus heutiger Sicht nicht mitmachen, weil wir
stark sind». Banken, die «wirklich schwach sind und gerettet werden
müssen», sollten dagegen «so schnell wie möglich unter den
Rettungsschirm», mahnte Ackermann.

Am Freitag hatte der Bankenrettungsfonds dem angeschlagenen
Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) eine Finanzspritze von
15 Milliarden Euro bewilligt. Die HRE hatte die Hilfe zur
Überbrückung von Zahlungsschwierigkeiten am Dienstag beantragt.
Derzeit wird bei der WestLB noch geprüft, ob sie den staatlichen
Rettungsschirm nutzt. Im Fall der BayernLB steht eine Entscheidung
des Bundes zu den beantragten Hilfen noch aus.

(rheinmain)


 


 

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