Hit Radio FFH
Corny Littmann bei HIT RADIO FFH:
„Ich inszeniere gerade meine Trauerfeier“
Rhein-Main. Er ist Theaterbesitzer (seit 1988) und führte mehr als sieben Jahre lang als Präsident den Fußballverein FC St. Pauli: am heutigen Sonntag (25. März, 9 bis 12 Uhr) war Corny Littmann (59, „Schmidt-Theater“) zu Gast in der Sendung „Silvia am Sonntag“ beim hessischen Privatsender HIT RADIO FFH.
Mit Moderatorin Silvia Stenger sprach Littmann, der seit 17 Jahren mit dem Opernsänger Madou Ellabib zusammen lebt, darüber, dass er nicht „fremdgeht, sondern bekannt“, dass er beim Fußballschauen „hundertprozentig Macho“ sei, dass er sich Beerdigungen „bunter und persönlicher“ wünscht und daher seine eigene Trauerfeier schon inszeniere – „um zu verhindern, dass da falsche Worte gesagt werden“.
Cornelius „Corny“ Littmann wurde 1952 in Münster/Westfalen geboren, wuchs in Münster und Berlin auf und zog 1970 nach Hamburg. Als er zehn Jahre alt war starb, seine Mutter. Littmann sagte im FFH-Interview: „Das hat mich sehr geprägt in meiner Kindheit, dieses Alleinsein. Damit musste ich erst mal fertig werden. Es hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin, das hat mich auch stark werden sein lassen müssen. Und es hat meine Einstellung zum Tod verändert, die Endlichkeit ist immer Thema in meinem Leben, ich habe auch viele Freunde in den 80er Jahren durch HIV verloren. Das bestimmt auch meine Haltung zum Leben, zur Arbeit. Ich versuche jeden Tag zu genießen, mit Freude zu leben.“ Littmann erzählte bei FFH: „Beerdigungen müssen bunter und persönlicher werden. Vielleicht werde ich noch mal Beerdigungsunternehmer. Zu meiner Beerdigung darf keiner Schwarz tragen. Wer Schwarz trägt, kommt nicht rein. Gedanklich habe ich meine Trauerfeier schon inszeniert, aber ich werde das jetzt aufschreiben und verhindern, dass da falsche Worte gesagt werden. Aber ich hoffe, mit 80 noch auf der Bühne zu stehen.“
Zwischen 2003 und 2010 war Littmann Präsident des Fußballvereins FC St. Pauli. Im FFH-Talk sagte er: „Ich wurde Präsident, weil ich jahrelang Fan dieses Vereins war. Ich liebe diesen Verein. Gut war: ich kannte ihn nicht von innen. Der Traum wurde schnell zum Albtraum. Wenn ich alles gewusst hätte, hätte ich es nicht gemacht. Aber wenn ich einmal Ja sage, fühle ich mich meinem Wort verbunden. Jetzt kann ich Fußball wieder genießen. Ich kann mir heute wieder ein Spiel unbeschwert anschauen. Ich trauere nicht das ganze Wochenende, wenn die mal verlieren. Das dauert ein paar Stunden, dann ist es wieder gut.“ Zum Aufstiegskampf in der 2. Fußball-Bundesliga sagte Littmann bei FFH: „Wer auch immer aufsteigt, wird es schwer haben. Die Eintracht (Frankfurt, Anm.) ist sehr viel mehr darauf angewiesen, in die 1. Liga zu kommen. St. Pauli kann da noch ein, zwei Jahre ganz gut damit leben. Wenn’s gelingt, sagt keiner Nein, aber bei noch einer Saison 2. Liga geht die Welt nicht unter. Es ist ein schöneres Gefühl, Heimspiele zu gewinnen, auf der anderen Seite will man auch Bayern und Dortmund zu Hause. Beides hat seinen Reiz.“
„Fußball war meine erste Leidenschaft“, so Littmann im FFH-Gespräch: „Ich kann mich noch gut an die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 erinnern. Da war ich sechs Jahre alt, schon damals war ich fußballbegeistert. Ich bin ein Fan des FC Barcelona, ein großer Fan von Messi. Ich schaue mir Spiele anders an, als manche schwule Artgenossen: die achten mehr auf den Körperbau. Im Fußball bin ich hundertprozentig Macho.“
Seit 17 Jahren ist Littmann mit dem Opernsänger Madou Ellabib zusammen und seit fünf Jahren mit ihm verheiratet. Im FFH-Interview sagte Corny Littmann: „Er ist ein wunderbarer Sänger. Wir sind wie ein altes Ehepaar, wir haben noch zwei Jahre bis Heidi und Seal. Ich war ziemlich schnell von ihm beeindruckt, mit einer gewissen Beharrlichkeit meinerseits haben wir uns ineinander verliebt. Wir sind eigentlich stinknormal, es gibt die gleichen Probleme über den Abwasch und Einkauf, wie bei den meisten Paaren. Wir haben jetzt ein Kind, eine französische Bulldogge, sie heißt Carlos.“ Und Littmann sagte auch: „Treue ist ein schönes Ziel, das in der Realität meistens nicht standhält. In der Liebe bin ich sehr treu, ich gehe nie fremd, nur bekannt.“
Mit seinem „Schmidt Theater“ gastiert Corny Littmann vom 29. März bis 16. Juni in Hessen. Littmann zu FFH: „Wir freuen uns sehr, wir fühlen uns sehr wohl hier in Mühlheim am Main. Normalerweise machen wir das nicht so gerne, wegzugehen von Hamburg. Das ist auch für uns ein großes Abenteuer. Gerda und Jutta von der ‚Kleinen Weltbühne‘ sind gute Freunde und die haben mal gesagt: Da nebenan in der großen Halle müsst ihr spielen. Und die Verantwortlichen, Bürgermeister und Kulturreferenten, waren toll. Es ist nicht die Reeperbahn, aber es gibt wenigstens Parkplätze, die gibt’s auf der Reeperbahn nicht. Aber innen ist es wie auf der Reeperbahn. Wir freuen uns auf Hessen - und keine Angst: wir werden kein Hessisch babbeln.“
(Hit Radio FFH Dominik Kuhn)
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