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Die Museumslandschaft ist in Bewegung

Das Frankfurter Museumsufer erweitert und komplettiert sich

Innerhalb von rund drei Jahrzehnten sind zu beiden Seiten des Mains neue Museen entstanden und alte gründlich restauriert worden. Dabei hat die Konzeption, historische Bauten mit modernen Erweiterungen und Häusern zu kombinieren, ein einzigartiges Ensemble geschaffen. Im "Besucherranking" hält Frankfurt mit seinen Museen nach Berlin den zweiten Platz.

Das Museumsufer steht nie still, und auch zurzeit tut sich wieder einiges. "Die Museumslandschaft ist in Bewegung", stellte Kulturdezernent Felix Semmelroth erst kürzlich bei der Vorstellung der neuen Auflage des Buches "Museen in Hessen" fest. Poetische Gemüter vergleichen das Frankfurter Museumsufer gern mit einer Perlenkette. Durchaus passend, denn links und rechts des Mains reihen sich zahlreiche, hochkarätige Ausstellungshäuser aneinander. Weiteren Glanz wird die "Perlenkette" nun durch die Erweiterung des Museums der Weltkulturen erhalten. Nach jahrelangem Ringen um einen geeigneten Standort für den Neubau ist nun entschieden, dass das Haus mit seinen umfangreichen ethnographischen Sammlungen zusätzlich zu den drei gegenwärtig genutzten alten Villen im Museumspark einen bis zu 8.500 Quadratmeter großen Erweiterungsbau erhält. So kann es zukünftig einen größeren Teil seiner insgesamt 67.000 Objekte öffentlich zeigen.

Das Historische Museum verabschiedet sich vom Betonklotz

Bereits gebaut wird derzeit "nebenan". Hier, im Museum für Angewandte Kunst, geht es um die Sanierung der klassizistischen Villa Metzler, in der - bis 1985 der strahlend weiße Neubau des amerikanischen Architekten Richard Meier eröffnet wurde - die Schätze des damals noch Museum für Kunsthandwerk genannten Hauses präsentiert wurden. Mit einer Brücke ist die Villa Metzler geschickt mit dem Haupthaus verbunden und bekommt nun wieder mit originalen Möbeln und kostbaren Panoramatapeten ihren einstigen großbürgerlichen Charme zurück. Mit großen Erwartungen blickt auch das Historische Museum auf der nördlichen Mainseite in die Zukunft. Denn es darf sich nun endlich von dem ungeliebten Betonklotz von 1972 verabschieden - er wird abgerissen und bis voraussichtlich 2013/14 einem Neubau weichen. Die historischen Gebäudeteile, darunter die Saalhofkapelle aus der Stauferzeit als das älteste Bauwerk Frankfurts, sollen bis zum Jahr 2011 umfassend saniert und restauriert werden. Rund eine Million Objekte gehören zum Bestand des Museums, darunter über viertausend historische Gemälde. Aus dem Gebäude ausgezogen ist derweil schon das Museum für Komische Kunst, das sein neues Domizil im Frankfurter Leinwandhaus genommen hat.

Das Städel geht mit seinen Schätzen unter die Erde

Das Städel, sozusagen erstes Haus am Platz und Deutschlands älteste und bedeutendste Museumsstiftung, hat seit seiner Eröffnung im Jahr 1878 bereits mehrere Etappen der Modernisierung hinter sich. Nachdem es mit seinem umfangreichen Bestand an Gemälden, Skulpturen und Grafiken aus rund sieben Jahrhunderten inzwischen wieder an seine räumlichen und funktionalen Grenzen stößt, bekommt es nun ebenfalls demnächst einen Erweiterungsbau mit zusätzlichen dreitausend Quadratmetern Präsentationsfläche. Dabei sieht die architektonische Lösung eine Halle unter dem Städelgarten vor, deren Deckenöffnungen natürliches Licht einlassen. Etwa 2010/2011 soll sie fertig gestellt sein und in einigen, "Deutsche Bank-Galerie" genannten Räumen, Kunst nach 1945 bis zur Gegenwart zeigen. Erst kürzlich übergab die Deutsche Bank dem Museum sechshundert Werke aus der bedeutenden Unternehmenssammlung als Dauerleihgabe. Das Liebieghaus mit seiner Skulpturensammlung aus über fünftausend Jahren, die als eine der bedeutendsten in Europa gilt, hat seine umfassende Restaurierung bereits hinter sich. Viele halten die 1896 erbaute und malerisch in einem alten Park gelegene Villa für das schönste Museum am Ufer. Nun bietet es neu geordnete Bestände, frische Farben und zugleich einen guten Hintergrund für die morgen mit einer Ausstellung einziehenden "Bunten Götter".

Historisches kombiniert mit neuen Entwürfen

Vor rund drei Jahrzehnten hat der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann das Konzept des einzigartigen Frankfurter Museums-Ensembles entworfen - damals erschien auch erstmals der Straßenname "Museumsufer" offiziell auf Schildern. Viel Aufsehen erregte seinerzeit der Entwurf von Oswald Mathias Ungers für das 1984 am Südufer eröffnete Deutsche Architekturmuseum mit seinem "Haus-in-Haus-Konzept". Im selben Jahr betrat auch das benachbarte Deutsche Filmmuseum die Szene. Im gelungenen Bestreben, historische Bauten mit neuen Entwürfen renommierter Architekten zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden, hat sich die "Perlenkette" im Verlauf der Jahrzehnte erweitert. Zum Beispiel um das Jüdische Museum im alten Rothschildpalais auf der Main-Nordseite und das Archäologische Museum in der restaurierten Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters. In einem eigenwilligen Neubau, ebenfalls am Nordufer und wegen seiner Dreiecksform "Tortenstück" genannt, residiert seit 1991 das Museum für Moderne Kunst. Wenige Schritte entfernt und ebenfalls in Mainnähe zeigt die Schirn Kunsthalle ihre viel beachteten Ausstellungen. Wandert der Museumsbesucher weiter am Flussufer entlang, kommt er zum Ikonenmuseum im Deutschordenshaus. Ganz in der Nähe wurde auf einer Maininsel an der Alten Brücke 2006 die Ausstellungshalle Neuer Portikus eröffnet. Zur anderen Mainseite hin gelangt man zum Museum für Kommunikation, ebenfalls eine Kombination aus Gründerzeitvilla und Neubau, sowie noch weiter westlich zum Liebieghaus. Die insgesamt 13 Häuser in unmittelbarer Nähe zum Wasser sowie die mehr als ebenso vielen in der Umgebung sind ein kulturelles "Schwergewicht" in der deutschen Museumslandschaft. Dass sie im Jahr rund zwei Millionen Besucher zählen, hebt die Stadt im "Besucherranking" nach Berlin auf den zweiten Platz in Deutschland.

Quelle: Stadt Frankfurt

(rheinmain)


 


 

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