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Das WESTFALEN-BLATT zu 25 Jahre Privatfernsehen

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Zweifelsfrei, die Zeit war reif. Reif für neue Fernsehsender, die das glückselige Treiben von ARD und ZDF stören wollten und damit dann auch reichlich Erfolg hatten. Die öffentlich-rechtlichen Dickschiffe waren doch schon etwas behäbig geworden. Das macht bekanntlich schläfrig, mochten die bisherigen Verdienste auch groß gewesen sein. Unintelligent war das alles beileibe nicht. Es wurde auch eine Vielzahl schöner Fernsehstunden im Kreise der Familie geboten. Man erinnere sich nur der Durbridge-Krimis. Ansonsten: Bildungs- und Zeigefinger-TV.

Anfang 1984 war es dann aus mit der Ruhe. Und es war gut so. Nicht nur, dass die Monopolstellung gebrochen wurde, nein, Fernsehdeutschland erwachte aus der Starre. Hatten ARD und ZDF noch über die Neulinge Sat1 und RTL gelacht, so verging ihnen bald der Spaß. Den boten und hatten nämlich die Privaten. Grell, schrill und bunt kamen deren Programme vornehmlich bei den jüngeren Zuschauern mächtig gut an. Wer auf sich aufmerksam machen will, muss so sein und Ungewohntes bieten. Das ist die Chance, und die wurde gnadenlos genutzt. »Tutti Frutti« bot den verschämten oder erregten Blick auf unbekleidete weibliche Oberkörper, heute wahrlich kein Schocker mehr. »Der heiße Stuhl« bot bisher nicht da gewesenen Gladiatorenkampf. Die Reihe der Beispiele ist bekanntlich länger. Geschmackssicherheit hat da nicht immer eine herausragende Rolle gespielt.

Plötzlich stand der Zuschauer im Zentrum des Senderbegehrens, es ging ums Geld. Also wurde die allseligmachende Einschaltquote erfunden und zur Ikone erhoben. Bis heute wird mit der »Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen« jongliert, mittlerweile eine schlichte Lüge, die aber immer noch zieht.

Doch nicht nur die Sattheit und die Unbeweglichkeit der Öffentlich-Rechtlichen haben den Privaten den Weg bereitet. Auch die Gesellschaft hatte sich geändert, hatte Belehrungen und schulmeisterliches Fernsehen zum Teil satt. So war es wohl doch eine Art Kulturrevolution, die die Privaten da angezettelt haben. Indes hatten auch sie sich den Wandlungen und vor allem dem Geschmack des Publikums zu beugen. Mit anderen Worten: Man ist mittlerweile nicht nur salonfähig, sondern auch preiswürdig. Die Konkurrenz unter den Privaten ist ganz erheblich gewachsen, Tops und Flops sind an der Tagesordnung.

ARD und ZDF hatten sich zu wehren, als die Konkurrenz für sie sozusagen aus dem Nichts kam. Sie haben bisweilen schamlos kopiert, Teile des Programms auf seicht gebürstet und der »Göttin Einschaltquote« gehuldigt. Sie haben es bisher nicht im erforderlichen Umfang geschafft, ein eigenes, unverwechselbares Profil zu schaffen. Trotz aller Verdienste und unbestreitbar guten bis brillanten Leistungen. Sie könnten es ganz sicher, wäre da nicht die Unbeweglichkeit. Da müssen Strukturen geändert werden. Gut, dass es sie beide gibt, die Öffentlich-Rechtlichen und die Privaten. Konkurrenz belebt das Geschäft, ein Monopol brauchen wir beim besten Willen nicht.

Originaltext: Das Westfalen-Blatt

(Redaktion)



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