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  • 03.09.2016, 10:01 Uhr
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  • Rhein-Main
„David gegen Goliath“

Startups gegen Riesenunternehmen

Es scheint ein Vergleich zu sein, der in etwa mit dem Teaser „David gegen Goliath“ treffend zu überschreiben wäre: das Duell Startups gegen Riesenunternehmen. Was sie unterscheidet liegt auf der Hand – nämlich die Geschichte des Unternehmens, die beim Startup vergleichsweise kurz gehalten ist. Meist korrespondiert die Historie des Betriebs auch zu dessen Größe, denn: Florierende Unternehmen bauen im Laufe der Jahre an Know-how, an Umsatz und auch an Mitarbeitern auf. Die Krux an der Sache jedoch liegt häufig im Bereich Finanzen, denn in der Branche gilt: Wer einen großen Jahresumsatz hat, der bekommt auch leichter weitere finanzielle Mittel, um den Betrieb weiter auszubauen. Startups haben an dieser Stelle größere Probleme.

Bitkom bringt Zahlen für Probleme von Startups auf den Tisch

Der Digitalverband Bitkom kann mit Blick auf die Daten aus der Unternehmensbefragung 2016 das gefühlte Problem der Startup-Szene sogar mit Zahlenmaterial unterfüttern. „Der Befragung nach geben 36 Prozent der jungen IT-Unternehmen an, dass es derzeit schwierig ist, ein Darlehen aufzunehmen. Rund jedes vierte Start-up (27 Prozent) sagt, dass es Probleme hat, überhaupt einen Kredit zu bekommen. Von den Unternehmen, die bereits länger als fünf Jahre am Markt sind, berichten 17 Prozent von schwierigen Darlehensgesprächen und nur 13 Prozent haben mit einer ablehnenden Reaktion der Banken zu kämpfen“, heißt es in der Kurzzusammenfassung bei ibusiness.de. Für Startup-Betriebe bedeutet das: Die Hürden, um einen Kredit zu erhalten sind immens hoch, denn Startups fallen in die Kategorie „Risikobetrieb“.

Mit Blick auf den Riesen Goliath bestätigt sich weiterhin auch, dass die Größe des Unternehmens unmittelbar mit den Kreditoptionen in Zusammenhang steht.

  • Etwa ein Fünftel der Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen einer und zehn Millionen hat Probleme, einen Kredit zu bekommen.
  • Nur elf Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen zehn bis 50 Millionen können von Problemen bei der Kreditvergabe sprechen.
  • Betriebe, die noch mehr Umsatz verzeichnen, können überhaupt keine Probleme beklagen. 

Warum besonders junge Unternehmen häufig an einer regulären Kreditaufnahme scheitern, ist nun ebenfalls bekannt:

  • 35 Prozent scheitern an den Angaben zu Unternehmensinformationen, Kreditverwendung und Kreditsicherheiten. Auch diejenigen, die bereits länger am Markt sind, stellten fest, dass die Anforderungen in diesem Bereich eher noch verschärft wurden.
  • 31 Prozent können die vom Kreditgeber vorgegebene Eigenkapitalquote nicht erreichen. 19 Prozent der Befragten berichten davon, dass es auch hier verschärfte Anforderungen gebe.

Wofür Startups Geld benötigen? Für Betriebsmittel (47 Prozent), für Investitionen in Immobilien (22 Prozent), für Anlagen und Maschinen (16 Prozent), für Beteiligungen (14 Prozent) und für Digitalisierungen (zehn Prozent).

Ein Zuschuss für Wagniskapital als Lösung?

Den Namen „Wagniskapital“ (oder „Venture Capital“) verdankt diese Investmentform der grundsätzlichen Eingruppierung von Startups als Risikogruppe (mit Blick auf das Investment). Niedergeschrieben wurde die Bezeichnung im Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen (MoRaKG). Übersetzt wird demnach all das Eigenkapital als „Wagniskapital“ bezeichnet, das in ein neues Unternehmen investiert wird. Auch hier gilt: Je kürzer die Historie des Unternehmens ist, desto risikoreicher wird ein Investment in den Betrieb angesehen.

Im Frühjahr 2016 starteten gleich zwei Initiativen, um der Startup-Szene den Zugang zum Kreditmarkt zu ermöglichen.

  1. „Coparion“ ist ein Fonds, der gezielt für Startups in der frühen Wachstumsphase Gelder bereitstellt. Zu Beginn der Initiative waren 225 Millionen Euro im Fond. Private Leadinvestoren könnten den Fördertopf durchaus noch einmal aufstocken.
  2. „ERP/EIF-Wachstumsfazilität“ ist in diesem Zusammenhang der Nachfolger, der Startups in der Wachstumsphase unterstützt. 500 Millionen Euro standen hier zu Projektbeginn zur Verfügung.

Die dritte Komponente – „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“ – ist indes kein Novum mehr, obgleich es noch lange nicht den gewünschten Bekanntheitsgrad erreicht hat. „(…) Seit Mai 2013 wurden von den bereitgestellten 150 Millionen Euro nur knapp 23,6 Millionen Euro abgerufen“, heißt es auf munich-startup.de. Ein Feintuning findet dennoch auch bei diesem Programm statt. Ab Herbst 2016 soll die förderfähige Investitionssumme aufgestockt werden – auf eine Million Euro.

Recherchetipps und Expertentipps aus der Praxis

Wer als Startup-Betrieb auf der Suche nach Kapital ist, der kommt nicht umhin sich die Marktanteile im Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen anzusehen und stößt auf folgende Zahlen zum Thema. Bezeichnenderweise hielten Unternehmen und Selbstständige 1.300,8 Milliarden Euro an Krediten in Summe. Doch nur 10,6 Prozent der deutschen Großbanken waren an dieser Stelle als Geldgeber beteiligt. Ergo: Ein Startup-Chef muss sich nach Alternativen umsehen.

Auf die Frage, warum sich die Kreditaufnahme insbesondere für Startups so schwierig gestaltet, gibt es nun praxisnahe Expertentipps. Der Kreditexperte von Kredittrotzschufa24 hat uns zu diesem Thema die wichtigsten Fragen beantwortet.

Warum gestaltet sich ein Kredit für Startups so schwer?

Kredittrotzschufa24: Das vorsichtige und für Startups definitiv existenzbedrohende Verhalten der Kreditgeber ist mitunter auch auf den Innovationsgeist dieser Branche zurückzuführen. Startups sind meist innovative Geister, die sich in einem Umfeld bewegen, das nur selten bereits belastbare Zahlen bietet. Umso schwieriger ist es auch, ein klassisches Kreditinstitut dazu zu bewegen, einen Kredit zu vergeben.

Das heißt, dass neue Unternehmensformen und innovative Ideen andere Geldgeber suchen müssen?

Kredittrotzschufa24: Richtig. Private Kredite, Förderdarlehen oder Crowdlending, die an weniger starre Vorgaben gekoppelt sind, sind hier eine Option für ein Unternehmen, an das nötige Kapital zu kommen, um den Betrieb weiterentwickeln zu können.

Und was steckt hinter diesen Wegen zum Startup-Kredit?

Kredittrotzschufa24: Jedes Startup-Unternehmen muss auch hier seine Hausaufgaben machen. Doch die Unterschiede werden mit Blick auf die Details schnell deutlich: Für einen klassischen Bankkredit benötigt ein Startup einen Antrag, einen Businessplan inklusive Finanzplan, eine Selbstauskunft sowie Informationen zu Sicherheiten und eine positive Schufa-Auskunft. Um ein Förderdarlehen zu erhalten, muss der Förderantrag bei der Förderbank gestellt werden, der Kredit läuft dann über die Hausbank. Crowdlending ist hingegen eine sehr innovative Finanzierungsform, bei der sich zahlreiche Investoren zusammenschließen, um ein Projekt zu bezuschussen. Hier können ganz individuelle Gründe darüber entscheiden, ob ein Gründer einen Investor gewinnen kann. Neben finanziellen Faktoren entscheidet hier häufig auch die Gründermentalität oder die Idee, für die das Startup-Unternehmen steht.

(Redaktion)


 


 

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