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Denkmalschützer schwärmen im Rotlichtmilieu

Die meisten Besucher der Moselstraße 31 sind an der Geschichte des Hauses wohl eher nicht interessiert. Hier, mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel, eingerahmt von der «American Peep Show» und dem «Pils Express», firmiert die Animierbar «Moulin Rouge» in einem denkmalgeschützen Haus aus dem Jahr 1904. Die Besitzerin hat sich sehr zur Freude des Denkmalschutzamtes zu einer umfassenden Sanierung des Gründerzeitbaus entschlossen, die das als Rotlichtbezirk verschriene Viertel wieder aufwerten soll.

Die Urgroßeltern von Astrid Kempf-Rother hatten das Haus mit der hellen Sandsteinfassade zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erbaut und dort eine Konditorei und ein Cafe betrieben. «Hier im Viertel wurde gewohnt, gearbeitet und zur Schule gegangen», erzählt Kempf-Rother aus der Geschichte des heutigen Rotlichtviertels. In der Gründerzeit hatten im Viertel zwischen Bahnhof und Innenstadt bis zu 11 000 Menschen gelebt. Heute sind es noch etwa 2400.

Seinen Ruf als Schmuddelbezirk erhielt das Bahnhofsviertel erst nach dem Zweiten Weltkrieg. «1980 erbten meine Schwester und ich ein zerfallenes Haus in einem gefallenen Viertel», erinnert sich Kempf-Rother. Zunächst sanierte sie die Wohnungen in den Stockwerken zwei bis fünf und zog dort auch selbst wieder ein. 2007 entschloss sie sich dann in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Denkmalschutzamt zu einer historischen Sanierung des Gebäudes.

«Das Objekt stellt eine gewisse Einmaligkeit dar», schwärmt Frankfurts Stadtkonservator Hans-Günter Hallfahrt jetzt nach dem Abschluss der Sanierungen. Eigentümerin Kempf-Rother habe keine Kosten gescheut und eine besondere Liebe für Details gezeigt. Die vier Außenleuchten, die abends Besucher in das Etablissement locken sollen, wurden von einer Manufaktur aus dem sächsischen Wurzen nach historischen Fotos gefertigt. Die Inneneinrichtung ist in dunkel gebeiztem Eichenholz gehalten. Und selbst die Bodenfliesen im Gang zum Treppenhaus sind dem Originalmuster von damals nachempfunden.

Seit 2003 bemüht sich die Stadt Frankfurt verstärkt um eine Aufwertung des Bahnhofsviertels. «Wir hatten damals einen großen Leerstand», erinnert sich die Leiterin der Abteilung Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, Ursula Brünner. Dabei sei das Bahnhofsviertel das «Paradebeispiel eines geschlossenen gründerzeitlichen Ensembles». Insgesamt 220 Gebäude des «verrufenen Viertels» stehen unter Denkmalschutz.

Um die auch nach Ansicht der hessischen Denkmalpflege «hochwertige Bausubstanz» zu erhalten und das Viertel wieder zu beleben, investierte die Stadt Frankfurt seit 2003 insgesamt 20 Millionen Euro in Förderprogramme zur Sanierung oder der Umsiedlung von Geschäfts- in Wohnraum. Neuere Zahlen, inwieweit sich die Programme schon positiv auf die Einwohnerzahl ausgewirkt haben, gibt es laut Stadtentwicklerin Brümmer aber noch nicht.

Dafür sollen Aktionen wie die «Lange Nacht Bahnhofsviertel» am 20. August interessierten Besuchern zeigen, wie lebendig das Viertel ist und damit Ängste und Vorurteile abbauen. Bei der ersten Auflage im vergangenen Jahr, als neben Bars auch Feinkostgeschäft, Obdachlosenunterkunft und Drogenasyl nachts ihre Türen öffneten, zog es rund 10 000 Menschen ins Bahnhofsviertel.

Aber nicht alle ziehen bei den Bemühungen um eine Aufwertung des Stadtteils an einem Strang. «In der Münchner Straße haben wir sehr viele Sorgen», sagt Stadtkonservator Hallfahrt. Unlängst von einem Anwohner alarmiert, habe er beim Eintreffen miterleben müssen, wie ein Mieter der denkmalgeschützen Sandsteinfassade mit dem Presslufthammer zu Leibe gerückt sei. Auch die «schrille und billige Werbung» an vielen Außenfassaden bereitet dem Denkmalschützer Kummer.

In der Moselstraße 31 ist die Außenwerbung sehr dezent gehalten. Und auch wenn die Betreiberin des «Moulin Rouge», Milica Terzic, das Ambiente jetzt als «vielleicht etwas zu steril» empfindet, hofft Denkmalschützer Hallfahrt auf einen «beispielgebenden Charakter» der Sanierung.

Quelle: ddp

(Redaktion)


 


 

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