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Frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel

«Der größte Fehler meines Lebens»

(bo/ddp.djn). Die «Bombe» platzte kurz vor 14.00 Uhr, als der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel mit überraschend deutlichen Worten die ihm vorgeworfene Steuerhinterziehung in vollem Umfang einräumte. «Es war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich und übernehme die volle Verantwortung», sagte der sehr gefasst auftretende 65-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht Bochum zum Auftakt des Verfahrens gegen ihn.

Zumwinkel gab den Anklagevorwurf zu, in den Jahren 2002 bis 2006 insgesamt rund 970 000 Euro an Kapitaleinkünften aus seiner 1986 in Liechtenstein gegründeten Stiftung nicht versteuert zu haben. «Ich will hier nicht drumrumreden. Das ist ein erheblicher Betrag», fügte er hinzu. Inzwischen habe er die hinterzogene Summe plus Zinsen zurückgezahlt: «Ich habe die Steuerschulden wieder gut gemacht und bin mit den Finanzbehörden im Reinen.»

Er wolle jetzt «reinen Tisch» machen und die strafrechtlichen Folgen seines Vergehens tragen, kündigte Zumwinkel an. Wie hoch diese ausfallen werden, bleibt Spekulation. Der Antritt einer Haftstrafe gilt als unwahrscheinlich, da der hinterzogene Betrag unter einer Million Euro und damit unter dem Richtwert liegt, ab dem nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs Steuersünder ins Gefängnis müssen. Bereits am zweiten Verhandlungstag am Montag will die 12. Große Strafkammer ihr Urteil verkünden. Zumwinkel muss sich auf ein hohes Bußgeld und eine mögliche Bewährungsstrafe einstellen.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup nutzte das Verfahren, um Spekulationen in den Medien über mögliche Vorab-Absprachen zwischen Zumwinkels Anwälten und der Staatsanwaltschaft über das Strafmaß auszuräumen. «Eine irgendwie geartete Absprache gab und gibt es nicht», machte er deutlich. Das Verfahren gegen Zumwinkel werde «genauso geführt wie jedes andere auch». Eine «Sonderbehandlung» für den Ex-Manager gebe es nicht.

Zumwinkel äußerte sich darüber hinaus zu den «schmerzlichen Folgen» seines Verhaltens für ihn und seine Familie: «In den letzten Monaten haben meine Familie und ich bitter gebüßt.» Es habe «Belagerungen, Telefonterror und Drohungen» gegeben. Auch das Ende seiner beruflichen Tätigkeit habe ihn getroffen: «Mein Beruf war schon mein Leben. Aber ich will hier nicht klagen, denn ich habe mir die Folgen selber zuzuschreiben», merkte er dazu an.

Zumwinkel war nach Durchsuchungen in seinem Haus und seiner Vernehmung im Januar 2008 von seinem Amt als Post-Chef zurückgetreten und hatte auch seine sämtlichen Aufsichtsratsmandate bei der Lufthansa, Arcandor und der Telekom niedergelegt. Zumindest finanziell muss sich Zumwinkel wohl auch in Zukunft keine Sorgen machen. Vor Gericht musste er detailliert zu seiner Vermögenssituation Auskunft geben. Demnach verfügt er abzüglich der bereits gezahlten Steuerschuld über ein Anlagevermögen von acht Millionen Euro. Hinzu kommen eine fünf Millionen Euro teure Immobilie am Gardasee, ein Motorboot und zwei Limousinen. Für das laufende Jahr schätzte er sein Nettoeinkommen auf 600 000 Euro.

Zudem verrechnete sich das Gericht bei der Ermittlung der hinterzogenen Einkommenssteuer zu Zumwinkels Lasten. Der exakte Betrag fiel nach erneutem Durchrechnen in der Verhandlung um genau zwei Euro niedriger aus als in der Anklageschrift angegeben. Als Zumwinkel und auch mancher Zuschauer darüber ein wenig schmunzeln mussten, wies Richter Mittrup daraufhin die Dimensionen zurecht: «Für manche Menschen sind zwei Euro viel Geld.»

(Redaktion)


 


 

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